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No-Deal-Szenario Brexit «Es dürften keine Autos und Flugzeuge mehr verkehren»

Legende: Audio Ungeregelter Brexit: Rechtsgrundlagen für den Austausch würden wegfallen abspielen. Laufzeit 02:41 Minuten.
02:41 min, aus SRF 4 News aktuell vom 04.12.2018.

Das britische Parlament bespricht den Brexit-Vertrag, den Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelt hat. Man müsse davon ausgehen, dass der Vertrag im ersten Anlauf sicher nicht angenommen werde, sagt Ökonom Holger Schmieding. Doch ein ungeordneter Brexit wäre für die britische Wirtschaft verheerend, sagt er.

Holger Schmieding

Holger Schmieding

Chefökonom der Berenberg Bank

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Schmieding war Chefökonom Europa für verschiedene Banken. Seit 2010 arbeitet er für die deutsche Berenberg Bank. Sein Arbeitsort ist London.

SRF News: Was passiert bei einem ungeordneten Brexit?

Holger Schmieding: Es hängt davon ab, ob man bei einem No-Deal-Brexit, wie man ihn nennt, also bei einer Scheidung ohne irgendeinen Scheidungsvertrag, zumindest schnell zu pragmatischen Lösungen käme oder ob der vertragslose Zustand so lange andauern würde, dass die britische Wirtschaft in eine grosse Krise gerät. Das ist nicht wahrscheinlich, aber man kann es nicht ausschliessen.

Die Chance, dass dieser Deal insgesamt durchkommt – vielleicht eher im zweiten als im ersten Versuch – dürfte immer noch knapp 50 Prozent betragen.

Wie bekämen das die Briten im Alltag zu spüren?

Nehmen wir mal den härtesten Fall: Grossbritannien fällt aus der EU heraus ohne irgendeinen Anschlussvertrag. Dann gäbe es für den Warenverkehr zwischen der EU und Grossbritannien keine rechtliche Grundlage mehr. Beispielsweise wäre unklar, auf welcher Rechtsgrundlage Arzneimittel vom Kontinent in Grossbritannien verkauft werden könnten. Rechtlich gesehen dürften weder Flugzeuge noch Autos zwischen diesen Teilen Europas verkehren. Stellen Sie sich in der Schweiz vor, dass die Grenzen zu Deutschland und Frankreich gleichzeitig geschlossen würden. Dann können Sie etwa erahnen, was das bedeuten würde, für die Menschen und auch für die Waren.

Denken Sie, das britische Parlament wird Theresa Mays Übereinkunft mit Brüssel doch noch zustimmen?

Es sieht so aus, als würde am 11. Dezember der Deal von Theresa May im Parlament durchfallen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit recht gross, dass er vielleicht eine Woche später noch einmal zur Abstimmung gestellt wird und dass manche Leute, die beim ersten Mal aus lauter Ärger über die Situation mit Nein gestimmt haben, angesichts der Verantwortung für das Land doch Ja stimmen. Die Chance, dass dieser Deal insgesamt durchkommt – vielleicht eher im zweiten als im ersten Versuch – dürfte immer noch knapp 50 Prozent betragen.

Das Gespräch führte Jan Baumann.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Der Titel dieses Artikels ist falsch und irreführend. Es geht alleine darum, beim Leser Angst zu erzeugen. Es fallen die heutigen EU-Gesetze zwischen EU-Mitgliedern dahin. Das heisst nicht, dass der Verkehr zwischen GB und der EU dahinfällt.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Diese gerne Gescheiten wollen uns weis machen, dass es mit einem harten Brexit zum "Stillstand" kommen würde.Das ist eben gerade nicht so. Grossbritanniens Regierung hat ja bisher immer gezeigt, dass es ein sehr vorausschauendes Land ist. Vor allem hat es schon vor zwei Jahren bemerkt, dass der Verbleib in der EU für GB eine völliger Verlust von Stolz +Eigenverantwortung bedeuten würde. Die Briten sind wie alle englisch sprechenden Länder viel menschlicher.Die EU dagegen eine "Brainwasch-Anlage"
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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Faktisch gesehen gibt es aus der Sicht der Schweiz nur EIN Fazit: Ja nie in die EU und so wenig möglich von deren Gesetzen und Verordnungen übernehmen. Machst Du mit, bist Du gut Freund. Wehe, wenn Du Dich veränderst und nicht mehr mitmachen willst, dann ist fertig lustig. Das ist ja schlimmer als wenn sich jemand aus einer Sekte loslösen will oder bei einer Kampfscheidung. Schweizer hütet Euch am Brüss-Garten!!
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