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Nobelkomitee im Dilemma Wo die einen jubeln, schimpfen die anderen

Die Kritik an Friedensnobelpreisträgern ist so alt wie der Preis selber. Doch nachträglich aberkennen kann man ihn nicht.

Legende: Audio Aung San Suu Kyi muss Nobelpreis nicht zurückgeben abspielen.
3:19 min, aus Rendez-vous vom 12.10.2017.

Das Norwegische Nobelkomitee ist ein exklusiver Klub: Fünf Mitglieder vergeben den weltweit prestigeträchtigsten Preis, den Friedensnobelpreis – ein Ritterschlag für all jene, die sich um Frieden bemühen. Die meisten der Mitglieder sind Politiker. Kein Wunder, dass sie dazu neigen, mit dem Preis Politik zu betreiben.

Aung San Suu Kyi galt 1991, als ihr der Preis verliehen wurde, als glänzende Wahl. Eine aufrechte, zähe, beeindruckende Burmesin, die politische Haft und jahrelangen Hausarrest erduldete. Wie hätte das Friedensnobelpreiskomitee damals ahnen können, dass Aung San Suu Kyi als Regierungspolitikerin nicht halten würde, was man sich von der damaligen Widerstandskämpferin erhoffte?

Heikel, wenn Versprechen noch nicht eingelöst

Da liegt schon ein erstes Dilemma. Zeichnet man nicht bloss Hochbetagte aus, die ihre politische Laufbahn hinter sich haben, gibt es Fehlgriffe. Ein weiteres Dilemma: Wo die einen jubeln, schimpfen die anderen. Völlig zu Recht habe der Chinese Liu Xiaobo oder die Iranerin Shirin Ebadi den Preis erhalten, finden Anhänger von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Die Regimes in Peking oder Teheran hingegen protestierten heftig auf die jeweiligen Auszeichnungen.

Heikel ist auch die Preisvergabe an Personen oder Institutionen, die eine Hoffnung verkörpern, die aber, salopp gesagt, noch nicht geliefert haben. Dieses Jahr etwa an die internationale Kampagne gegen Atombomben, die ihr Ziel fast mit Sicherheit nicht erreichen wird. Oder an Barack Obama, den man für seine Absichten auszeichnete. So wollte er zum Beispiel Guantánamo schliessen und auf eine atomwaffenfreie Welt hinarbeiten. Mit beidem ist er aber gescheitert.

Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Obama schadete der Nobelpreis eher. Denn dieser lieferte seinen Gegnern Munition, um den Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu kritisieren.

Dasselbe gilt für Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die der Nobelpreis auf der Weltbühne zur Lichtgestalt machte, was aber auf der nationalen Bühne viele völlig anders sahen. Kritisiert wurde auch der Preis für die EU, mitten in der Euro- und der Migrationskrise.

Und jene an Yassir Arafat, einen Ex-Terroristen, an Al Gore, dessen Meriten im Kampf gegen den Klimawandel umstritten sind, und an Henry Kissinger, den Verfechter einer oft rücksichtslosen Machtpolitik. Am sichersten fuhren die fünf Komitee-Mitglieder, wenn sie Organisationen auszeichneten wie das IKRK, das UNO-Flüchtlingshochkommissariat oder die internationale Chemiewaffenbehörde.

Auf der anderen Seite: Vielleicht ist es gar nicht falsch, wenn über die Preisvergabe kontrovers diskutiert wird. Und damit auch darüber, was und wer dem Frieden wirklich dient. Denn auch der Friede selber muss erstritten werden.

Petition gegen Suu Kyi

Aung San Suu Kyi erhielt vor gut einem Vierteljahrhundert den Friedensnobelpreis. Nun fordern Hunderttausende in einer Onlinepetition, der burmesischen de-facto-Regierungschefin die Auszeichnung aufgrund ihres Schweigens in der Rohingya-Krise zu entziehen. Doch aberkennen kann man den Friedensnobelpreis nicht.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Sicher spielen in Burma die wirtschaftlichen Interessen eine grosse Rolle. Der Konflikt ist allerdings vom ind. ISI Kommandanten und der Arkan Salvation Army ausgelöst worden. Stunden später nach deren Boykott des Kofi Annan Friedensplans erfolgten die mörderischen Attaken auf burmesische Einrichtungen !
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Geschenkt ist geschenkt und wieder holen ist gestohlen! Preise sollten fuer bereits erbrachte Sonderleistungen und nicht als Motivatoren kuenftigen Wohlverhaltens ausgeworfen werden. Wie die an Kyi und Obama. Ein Preis fuer eine bereits erbrachte Sonderleistung ist aus Gruenden, die mit dieser Leistung nicht im Zusammenhang stehen, nie abzuerkennen oder gar auch nur zu bemotzen, weil einem der Traeger aus anderen Gruenden nicht (mehr) gefaellt....
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Den Nobelpreis kann nur der Nobelpreisträger selbst zurückgeben.Aberkennung ist nicht möglich.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    In Burma geht's um China’s One Belt One Road -Projekt. China investiert Mrd.dort "Armes Land mischt Welthandel auf Myanmar plant 50-Milliarden-Dollar-Hafen". China hofft über Myamar einen direkteren Meereszugang zu bekommen für die neue Seidenstrasse. Im August führte die Arakan Rohingya Salvation Army mit Hauptsitz im saudiarabischen Mecca Militäraktionen gegen 30 Polizeiposten. Aung San Suu Kyi spielt nicht mit im geopolitischen Ringen der USA und ihrer Verbündeten (u.a. SA!).
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