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Italien will sie loswerden, Frankreich will sie nicht haben
Aus Rendez-vous vom 20.11.2018.
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Notunterkunft für Migranten Die Gefahr in den Bergen ist kein Hindernis

Flüchtlinge treffen im südostfranzösischen Briançon auf eine Art Willkommenskultur. Ein Besuch im Refuge Solidaire.

Immer wieder wird französischen Grenzpolizisten vorgeworfen, Flüchtlinge ohne genaue Prüfung ihres Rechts auf einen Asylantrag nach Italien zurückzuspedieren, auch Minderjährige. Wer dennoch über die Grenze kommt, trifft in Briançon auf eine Art Willkommenskultur – etwa im Refuge Solidaire.

An der Rue Pasteur in der südostfranzösischen Kleinstadt in den Alpen wird getanzt. Fünf Künstler sind aus dem Zentrum des Landes angereist, 500 Kilometer weit, mit ihren Instrumenten und einem Kleinlaster voller Lebensmittel und Hygieneartikel; alles Spenden der Bevölkerung.

Das Refuge Solidaire in der südostfranzösischen Grenzstadt Briançon.
Legende: Das Refuge Solidaire in der französischen Grenzstadt Briançon ist in einer ehemaligen Polizeikaserne untergebracht. Von der Fassade bröckelt der Putz. Durch die Fenster kriecht die Kälte ins Haus. In der ehemaligen Garage mischt sich der Duft von Essen mit dem von Benzin. SRF/Veronika Meier

Drinnen im Haus, sagt die 23-jährige Pauline, eine der Verantwortlichen: «Ich bin wütend, dass der Staat keinen Effort leistet, um die Leute unterzubringen, dass ganze Familien draussen schlafen müssen, dass man so tut, als würde das alles nicht existieren. Als kämen die Leute nicht. Aber sie kommen.»

«Wir haben unser Leben riskiert»

William stammt aus Kamerun. Vor drei Tagen versuchte er zum zweiten Mal, die Grenze in den Bergen zu überqueren. Beim ersten Mal wurde er nach Italien zurückgeschafft. Jetzt sitzt er an einem Tisch im Refuge Solidaire.

«Wir wussten, dass das nicht legal ist», sagt er. Dass der Marsch durch die Berge gefährlich sein kann, habe ihn aber nicht gekümmert: «Wir haben unser Leben riskiert, seit wir unser Land verlassen haben. Wir haben das Mittelmeer überquert. Schlimmer konnte es nicht werden.» Nun wolle er zur Ruhe kommen, ein Asylgesuch beantragen, eine Unterkunft und Arbeit suchen.

Was wir zunehmend vernehmen, sind Fälle von Polizeigewalt. Leute, die gestossen oder geschlagen werden. Geld, das auf mysteriöse Weise verschwindet.
Autor: PaulineHelferin im Refuge Solidaire

Gegen 6500 Migranten sind hier in den letzten anderthalb Jahren angekommen und dann weitergezogen. Das Haus ist konstant überbelegt.

Insgesamt 200 Freiwillige kümmern sich um die Ankommenden. Ums Kochen, Waschen. Um Fragen wie: Wo kann man ein Asylgesuch stellen, wie kommt man dahin? Sie erklären ihnen, dass sie in Frankreich möglicherweise kein Asyl erhalten, und bringen Verletzte zum Arzt. «Die Leute kommen in der Regel müde an, zum Teil haben sie Verstauchungen», erzählt Pauline.

Im Juli 2017 gegründet

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Das Refuge Solidaire wurde im Juli 2017 ins Leben gerufen. In jener Zeit, als immer mehr Menschen, vor allem aus westafrikanischen Staaten, über die Alpenpässe von Turin über Claviere nach Briançon kamen. Jede Nacht, nach stunden-, manchmal tagelangen Märschen. Zuerst brachte man sie bei Familien unter. Aber das reichte nicht. Deshalb wurde das Refuge Solidaire als eine Art Notunterkunft gegründet. Die Flüchtlinge bleiben im Durchschnitt zwei bis drei Tage dort.

Weil sie in den Bergen gerannt und gefallen seien, verfolgt von der Polizei. «Was wir zunehmend vernehmen, sind Fälle von Polizeigewalt. Leute, die gestossen oder geschlagen werden. Geld, das auf mysteriöse Weise verschwindet. Das hat zugenommen. Warum, wissen wir nicht.»

Auch wenn die Bevölkerung von Briançon den Freiwilligen eher wohlwollend gegenüberzustehen scheint: Es kommt nicht überall gut an, dass das Refuge Solidaire sowie andere Vereinigungen mutmassliche Fälle von Polizeigewalt und die Rückweisungspolitik an der Grenze öffentlich anprangern.

Vorwurf der Sogwirkung

Auch nicht, dass bis vor kurzem jede Nacht Freiwillige die Alpenpässe nach Migranten in Not abgesucht haben. Arnaud Murgia von den konservativen Republicains mit mutmasslichen Ambitionen aufs Stadtpräsidium wirft diesen Freiwilligen Militanz und politischen Aktivismus vor.

Sie würden dazu beitragen, dass immer mehr Migranten kommen. Er sei fest davon überzeugt: Das Refuge Solidaire müsse geschlossen werden.

Bei den Freiwilligen des Refuge Solidaire scheint man von solchen Worten wenig beeindruckt. Benoît Ducos ist einer von ihnen. Er sagt dazu: «Auch wenn man uns vorwirft, wir würden eine Sogwirkung ausüben, weil es das Refuge Solidaire gibt und wir den Leuten in den Bergen helfen, sind wir davon überzeugt: Die Leute werden trotzdem kommen. Nur wird es möglicherweise mehr Tote geben. So wie es auch im Mittelmeer passiert ist.»

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13 Kommentare

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  • Kommentar von u. Felber  (Keule)
    Warum werden diese Flüchtlinge dort nicht abgefangen, registriert und in eine geordentete, überwachete migranten unterkunft gebracht?. Warum wird dort nicht gleich für die italiener das Asylgesuch überprüft und falls kein Anspruch express zurück über das Mittelmeer spediert? oder wollen die gleich weiter, sozusagen man will dann schon noch selber entscheiden wo man sich denn gerne niederlassen möchte und Hilfe erhalten möchte. GRENZENLOS!
  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Das Refuge Solidaire wurde als Notunterkunft gegründet. Nach zwei bis drei Tagen ziehen
    die Migranten/ Flüchtlinge weiter. Weiter wohin? Sie müssen in Frankreich Asylantrag stellen ! Es kann doch nicht sein, dass hier Menschen wie in einem Durchgangslager
    durchgeschleust werden, um dann irgendwo in Europa unter zu tauchen. Ich würde auch
    wie Herr Leuenbergerger schrieb sagen, das ist Menschenschmuggel und illegal.
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Sehr zu empfehlen ist der Beitrag von SRF.. Solidaritätsmarsch wird zum
      Gerichtsfall. (8..11.18)
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Es gab schon einmal einen Beitrag über das Dorf: Solidaritätsmarsch wird
      zumGerichtsfall 8.11.18. damals versuchte man auch Flüchtlinge organisiert
      Von Italien nach Frankreich zu führen.
  • Kommentar von L. Leuenberger  (L.L.)
    Sorry,das ist illegale Migration und Menschenschmuggel.
    1. Antwort von Tayfun Kütük  (Tayfun Kütük)
      Sorry,das nennt man nicht illegale Migration oder Menschenschmuggel.Das nennt man ''Menschlichkeit''.Denke mal sie haben was von Naechstenliebe und dem Wert des lebens gehört.Und wenn nicht dann gibt es sehr viele entmenschichte Menschen unter Uns.
    2. Antwort von robert mathis  (veritas)
      @Kütük auch Menschlichkeit und Nächstenliebe schützen nicht vor Illegalität und Gesetze ohne diese befinden wir uns im rechtfreien Raum und Jeder tut was ihm gefällt ....
    3. Antwort von robert mathis  (veritas)
      @kütük was Sie Menschlichkeit nenne ist illegal und Egoismus Sie denken dabei nur an sich um sich besser zu fühlen die Konsequenzen und Kosten dieser Handlungen überlassen sie dann den Steuerzahlern Nächstenliebe sieht für mich anders aus.
    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Nein Herr Kütük, Herr Mathis denkt an alle Menschen, nicht nur an sich selbst. So unorganisiert geht es einfach nicht ! !