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Rechtsextreme Polizisten im deutschen Bundesland Hessen
Aus SRF 4 News aktuell vom 21.01.2019.
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«NSU 2.0»-Gruppe in Hessen Wirbel um braune Polizisten zieht weitere Kreise

Sechs Polizisten wurden wegen möglicher Nähe zum Rechtsextremismus suspendiert. Das könnte erst der Anfang sein.

Gibt es bei der Polizei im deutschen Bundesland Hessen weitere rechtsextreme Polizisten? Diese Frage versuchen derzeit die zuständigen Behörden zu klären. Was bekannt ist: Mehrere Polizisten sind vom Dienst suspendiert – sie sollen rechtsextreme Chat-Nachrichten ausgetauscht haben.

Für Schlagzeilen sorgen aber auch zwei anonyme Schreiben, die einer türkischstämmigen Frankfurter Anwältin geschickt wurden. Darin wird Seda Basay-Yildiz massiv verbal angegriffen. Schon im August letzten Jahres erhielt sie ein erstes Droh-Fax. Darin wurde etwa ihre zweijährige Tochter erwähnt.

Zschäpe im Gerichtssal.
Legende: Im Juli 2018 war die Hauptangeklagte Beate Zschäpe im NSU-Prozess wegen zehnfachen Mordes und weiterer Verbrechen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Reuters

Der oder die Absender konnten sich offensichtlich Informationen über private Daten der Anwältin verschaffen. Die Ermittlungen zeigten, dass eine Frankfurter Polizeibeamtin im Vorfeld der Drohungen das interne Melderegister abgefragt hatte.

Video
Die Taten des NSU
Aus Tagesschau vom 06.05.2013.
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Schliesslich stiess die Polizei auf eine Whatsapp-Chatgruppe weiterer Polizisten mit eindeutig brauner Gesinnung. Dort wurden rassistische Parolen, Hitler-Bilder und ähnliches ausgetauscht. Womöglich unterhalte das Netzwerk auch Kontakte ins rechtsextreme Milieu, berichtet der Journalist Frank Jansen.

Im Dezember schickten mutmassliche Rechtsextremisten ein zweites Droh-Fax an die Anwältin, ebenfalls unterschrieben mit «NSU-2.0».

Ein weiteres Netzwerk bereitet sich offenbar auf einen Tag X vor, an dem es politische Gegner umbringen will.
Autor: Frank JansenJournalist

Rechtsextremismus-Experte Jansen gibt ein Muster der geschmacklosen Drohungen: «Dir hirntotem Scheissdöner ist offensichtlich nicht bewusst, was du unserem Polizeikollegen angetan hast.»

Frank Jansen

Frank Jansen

Journalist

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Frank Jansen ist Journalist beim Berliner «Tagesspiegel», Link öffnet in einem neuen Fenster und dort Experte für Rechtsextremismus.

Weiter werden in dem Fax die Eltern und der Ehemann der Frau erwähnt. «Offenbar hat wieder jemand bei der Frankfurter Polizei in den Computer geschaut», schliesst Jansen. Demnach könnten noch mehr als die bislang sechs suspendierten Polizisten involviert sein.

Vorbereitungen für den Tag X

Die zuständige Staatsanwaltschaft informiert zurückhaltend über den Ermittlungsstand. Deutsche Medien haben derweil in Erfahrung gebracht, dass es auch ausserhalb Frankfurts Fälle mutmasslich rechtsextremer Polizeibeamter gibt.

KSK-Sodlat
Legende: Laut Medienberichten vom letzten Dezember haben sich deutsche Soldaten zu einer «Schattenarmee» zusammengeschlossen. Die deutsche Politik fordert Aufklärung. Reuters

Ob es sich um Einzelfälle oder um ein geschlossenes Netzwerk handelt, bleibt derzeit Spekulation. «Ebenso unklar ist, ob die Polizisten in Verbindung zum sogenannten ‹Hannibal-Netzwerk› stehen», so der deutsche Journalist.

Dabei handelt es sich offenbar um eine Gruppe von Polizisten und Soldaten der Elitetruppe KSK: «Diese bereitet sich offenbar auf einen Tag X vor, an dem sie politische Gegner umbringen wollen.»

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Marti Müller  (marchman)
    Herr Müller :"Warum solche Verbrechen relativieren und damit verharmlosen? "
    Genau! Darum muss man auch die komunistischen Verbrechen nennen. Nur weil man das dut verharmlost man kein anderes Verbrechen
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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Es riecht stark nach einer typischen Säuberungsaktion.
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  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    Die Frage sei erlaubt: Was bringt Polizisten dazu, rechtsextrem zu werden? Könnten es Realitäten sein, die lieber totgeschwiegen und tabuisiert werden (siehe z.B. Parallelwelten krimineller Gangs in Deutschland)?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Nein, die Polizisten könnten "die Realitäten" ja aussprechen, so sie denn tatsächlich vorhanden sind. Jeder hat die Wahl in einer Demokratie sich konstruktiv oder destruktiv einzubringen. Sonst müsste man sich ja analog bei den Islamisten fragen, ob die zu Terroristen werden, weil sie sich in der westlichen Welt nicht akzeptiert fühlen. Sie sind sicher mit mir einig, dass das absurd wäre.
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    2. Antwort von pedro neumann  (al pedro)
      Herr Müller, Ihr Vergleich hinkt. Es gibt nicht wenige Fälle von islamistischen Terroristen, welche dazu geworden sind, weil sie sich in der westlichen Gesellschaft nicht akzeptiert fühlen und diese verachten...Gehen Sie mal in französische Banlieus und reden Sie mit der Jugend dort...Da ist nichts absurd!
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    3. Antwort von Enrico Dandolo  (Doge)
      Gewagte und etwas ideologisch gefärbte Spekulation.
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    4. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Parallelwelten krimineller Gangs in Deutschland werden von Staat und Polizei bekämpft. Vielleicht noch nicht mit dem wünschbaren Erfolg. Aber "tabuisiert und totgeschwiegen" werden solche Erscheinungen nicht (sonst wüssten ja weder Sie noch ich etwas davon - und ich lese sogenannte Mainstream-Medien). Also sollen Polizisten sich diesem Abwehrkampf widmen. Rechtsextrem zu werden braucht deswegen niemand.
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    5. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ neumann: wie viele Menschen fühlen sich nicht akzeptiert, werden wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht ausgegrenzt. Und wie viele werden zu Terroristen? Eben.
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    6. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      @Müller:Sie sind schon sehr naiv, wenn Sie glauben, dass Polizisten alles was sie erleben, sehen und hören, einfach an die Öffentlichkeit bringen dürfen. Auf der einen Seite riskieren sie den Jobverlust, auf der anderen begeben sie sich und ihre Familien in grösste Lebensgefahr.
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