Obamas Bemühungen zum Trotz: Lehrer kaufen Waffen

Präsident Barack Obama will die Waffengesetze in den USA massiv verschärfen. Nun hat er begleitende Massnahmen vorgestellt. Heftiger Widerstand von Republikanern und Waffenanhängern ist vorprogrammiert. Sogar Lehrerinnen greifen zur Pistole.

Ihre Hände zittern ein bisschen, als Kelly Carroll die Pistole nach Vorschrift des Waffen-Instruktors auf ein unsichtbares Gegenüber richtet. Dennoch ist die Primarlehrerin überzeugt: Dieser Kurs ist genau das richtige. «Schon vor dem Massaker von Connecticut war ich eine Befürworterin von Waffen», sagt sie. «Jetzt will ich mich erst recht bewaffnen», erklärt Carroll in der «Rundschau».

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Streit um Waffen

7:39 min, aus Rundschau vom 16.1.2013

Während Lehrerinnen und Lehrer als Folge des Massakers von Newtown aufrüsten und Waffen-Schulen in fünf US-Staaten Gratiskurse anbieten, wird ihr Präsident heute die umfassendste Gesetzesverschärfung seit 1968 ankündigen. Barack Obama will vor allem Sturmgewehre und die dazu gehörigen Schnellfeuer-Magazine verbieten. Er macht die Rechnung aber ohne grosse Teile der Bevölkerung und viele Bundesstaaten, in denen die Waffengesetze in den letzten Jahren gelockert wurden: In zehn Staaten darf man unterdessen bewaffnet zur Universität gehen.

Misstrauen gegenüber dem Staat

Auf das vom Präsidenten gewünschte Verbot angesprochen, entgegnet Kindergärtnerin Jessa im Waffenkurs ungläubig: «Wie sollen wir uns dann schützen?» Auch sie möchte in der Schule eine Waffe tragen. Zu Hause will sie damit ihre Kinder beschützen, wenn ihr Mann weg sei. Diese Haltung ist typisch für ein Land, in dem statistisch gesehen jeder der über 300 Millionen Einwohner eine Waffe besitzt. Der zweite Verfassungsgrundsatz garantiert das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen.

Viele Amerikaner misstrauen dem Staat und glauben, sich um ihre eigene Sicherheit kümmern zu müssen. Am besten überall. Kursleiter Jason «Molotov» Mitchell wehrt sich dagegen, begründen zu müssen, warum er bewaffnet sei: «Begründen musst du vielmehr, warum das verfassungsmässige Recht auf Waffen begrenzt werden soll». Die mächtige Waffenlobby NRA und die meisten Republikaner im Kongress argumentieren nicht anders. 

Tatwaffe vielerorts ausverkauft

Seit dem jüngsten Massaker sind die Waffenkäufe in den USA wegen der Angst vor einem Verbot stark gestiegen. Grosse Magazine und Sturmgewehre wie die des Attentäters vom Typ AR-15 sind vielerorts ausverkauft.

Auch die Preise sind explodiert: Ein Sturmgewehr, das vor ein paar Wochen noch für 800 Dollar zu haben war, koste nun über 2000, erklärt Justin Mask. Der erst 19 Jahre alte Waffenhändler verkauft solche Gewehre an einer der beliebten Gun-Shows, die jedes Wochenende an 40 Orten landauf landab stattfinden.
 
Die Probe aufs Exempel der waffenunerfahrenen New Yorker SRF-Korrespondentin Karin Bauer zeigt, dass Justin Mask ihr ein Sturmgewehr ohne weiteres verkaufen würde. Private Waffenhändler wie er müssen keine Strafregisterauszüge einfordern.

Experten schätzen, dass rund 40 Prozent aller Waffen in den USA ohne Strafregisterüberprüfung verkauft werden. Das will Obama jetzt ändern, in dem er umfassende Hintergrundchecks verlangt. An der Waffenausstellung in South Carolina lässt das die Käufer kalt: Er habe 50 Waffen zuhause, sagt einer. Die könne ihm keiner wegnehmen.

Tatsächlich ist die Konfiszierung von Waffen nicht in Obamas Massnahmepaket enthalten. Sie wäre angesichts von 300 Millionen Waffen gänzlich unrealistisch und chancenlos im Kongress.

Waffenbefürworter nehmen Massaker in Kauf

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Obama stellt Massnahmen vor

Barack Obama will den Verkauf von Sturmgewehren verbieten. Dies ist eine Reaktion auf den Amoklauf von Newtown. Wird der Versuch gelingen? mehr...

Auch das Verbot von halbautomatischen Waffen dürfte keine Chance bei den Republikanern haben. Sie sehen es als Bestrafung einer Nation von Waffenbesitzern, die die Gesetze befolgen.

Der 18jährige Student und achtfache Waffenbesitzer Logan Knott spricht das aus, was viele denken: «Wir können Gewalt nicht gesetzlich regeln, sie passiert einfach.» Auf die Nachfrage, ob man damit Massenschiessereien in Kauf nehmen müsse, sagt er: «Es ist furchtbar, das so zu sagen, aber es ist so». Pro 100'000 Einwohner gibt es in den USA fast sieben Mal mehr Morde als in der Schweiz.