Mikaela Shiffrin, zweifache Olympiasiegerin im Ski Alpin, wird in Cortina d'Ampezzo um olympisches Edelmetall kämpfen. Genauso wie das US-Hockeyteam in Mailand. Und die Langläuferin Jessie Diggins gehört im Val di Fiemme zu den grossen Favoritinnen auf Olympiagold.
Das IOC kann sich nicht direkt in politische Angelegenheiten oder Konflikte zwischen Ländern einmischen.
Dass US-Athletinnen und -Athleten aufgrund des US-Militäreinsatzes in Venezuela von den Winterspielen in Milano/Cortina ausgeschlossen werden, steht für das Internationale Olympische Komitee nicht zur Debatte.
Sport als «Leuchtfeuer der Hoffnung»
In einer Welt, die von Konflikten und Spaltungen erschüttert ist, müsse der Sport ein «Leuchtfeuer der Hoffnung» bleiben, schreibt das IOC auf Anfrage von SRF. Man setze sich bei jeder Ausgabe mit dem aktuellen politischen Kontext und den neuesten Entwicklungen in der Welt auseinander.
Aber: «Das IOC kann sich nicht direkt in politische Angelegenheiten oder Konflikte zwischen Ländern einmischen, da diese ausserhalb unseres Zuständigkeitsbereichs liegen. Dies ist die Domäne der Politik.»
Das IOC mischt sich also nicht in politische Angelegenheiten ein. Das sei faktisch wohl richtig, sagt Stephan Netzle, Anwalt und ehemaliger Schiedsrichter am Internationalen Sportgerichtshof TAS. «Die meisten Sportverbände haben in ihren Statuten ausdrücklich festgeschrieben, dass sie politisch neutral sein müssen.»
Auch deshalb haben die Verbände nicht auf die US-Intervention in Venezuela reagiert. Der Ausschluss eines Landes respektive aller Verbände eines Landes von internationalen Sportwettkämpfen ist klar geregelt. «Im Sportrecht gibt es Regeln, wonach Verbände ihre Mitglieder disziplinieren können», erklärt Netzle.
Dies könne etwa im Fall von Verstössen gegen die Statuten oder Anti-Doping-Auflagen passieren, so der Sportrechtsexperte weiter. «In solch klaren Fällen kann ein Dachverband einen Landesverband ausschliessen.»
Rote Karte für Russland
So wie im Fall von Russland, das durch internationale Sportverbände und das IOC weitgehend ausgeschlossen wurde. Primär wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine, aber auch aufgrund früherer Dopingskandale.
Dass nun der US-Delegation dieselben Sanktionen auferlegt würden, ist laut Netzle vor allem auch deshalb unrealistisch, weil es eine Mehrheit der nationalen Verbände sowie des IOC bräuchte, die das fordern. Dies ist nicht gegeben.
Im Fall von Russland gibt es zudem politische Boykotte. «Die Russen sind bereits wegen des Dopingskandals in Ungnade gefallen. Dazu kommt die UNO-Resolution, die den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verurteilte», sagt Netzle. «Verbände haben sich dagegen gewehrt, gegen Russen anzutreten.»
Olympische ‹Rest›-Spiele ohne die USA, China und Russland würden keinen Menschen vor den Fernseher locken.
Zudem findet der Anwalt: «Es gibt keinen Anspruch darauf, dass man in jedem Konfliktfall sofort reagiert. Das wäre das Ende des Sports.» Rein rechtlich und statutarisch ist die Sache also klar: Sportverbände bleiben im aktuellen Fall der USA neutral.
Wer nimmt es mit den Supermächten auf?
Abgesehen davon liegt die Vermutung nahe, dass sich niemand traut, sich einzumischen. Weder vor vier Jahren bei den Spielen in Peking und der Frage eines Boykotts aufgrund der Menschenrechtssituation in China. Noch aktuell bei den USA.
Die Länder seien wohl schlicht zu gross und wichtig für den Sport, sagt Netzle. «Olympische ‹Rest›-Spiele ohne die USA, China und Russland würden keinen Menschen vor den Fernseher locken.»