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Paketbomben an Trump-Kritiker «Aus dem heissen wird ein scharfer Wahlkampf»

In den tief gespaltenen USA führen die Anschlagsversuche zu neuerlichen Gräben, berichtet SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi.

Legende: Video Versuchter Anschlag auf Trump-Kritiker vereitelt abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus SRF News vom 25.10.2018.

George Soros, die Clintons, die Obamas, der ehemalige Justizminister Eric Holder, CNN, der ehemalige Vize-Präsident Joe Biden, der Schauspieler Robert de Niro und mehrere demokratische Politikerinnen und Politiker: Sie alle haben in den letzten Tagen in den USA verdächtige Pakete per Post erhalten. SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi erklärt die Hintergründe – und wie sich die Anschlagsversuche auf den laufenden Wahlkampf für die Zwischenwahlen auswirken.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

SRF News: Weiss man schon mehr zu den Hintergründen?

Isabelle Jacobi: Nicht viel mehr. Die US-Behörden gehen von einer koordinierten Aktion aus. Alle Couverts sehen ähnlich aus und sind mit demselben falschen Absender versehen. Alle Adressaten sind Figuren, die Präsident Trump stark kritisieren und die dieser wiederum selber angegriffen und zum Teil verunglimpft hat. Die Ziele sind bekannt, aber Hinweise auf die Täterschaft fehlen bis jetzt.

Wie hat sich Präsident Trump zu den Paketsendungen geäussert?

Er verurteilte die Aktionen als abscheulich und feige und rief zu Frieden, Toleranz und nationaler Einheit auf. Aber quasi im selben Atemzug machte er die Medien für den zunehmenden Hass und die Gewalt in den USA verantwortlich.

Trump: «Mainstream-Medien schüren Hass in der Gesellschaft»

Heute in einem Tweet und auch schon gestern an einer Wahlkampfveranstaltung. Die Trump-Fans riefen wie immer: «CNN sucks!» («CNN ist Mist!») – CNN ist ja selber Ziel eines versuchten Anschlags.

Wie diskutiert die Öffentlichkeit den Vorfall und wie haben die Medien reagiert, die ja auch selber zum Ziel geworden sind?

CNN fokussierte sofort auf die Frage, inwiefern Präsident Trump mit seinem aggressiven politischen Stil für die Anschlagsversuche verantwortlich ist. CNN geht wie die meisten US-Medien von einer rechtsextremen Täterschaft aus.

Diese Paketbombe wurde John Brennan geschickt – an die Adresse des US-Nachrichtensenders CNN.
Legende: Diese Paketbombe wurde John Brennan geschickt – an die Adresse des US-Nachrichtensenders CNN. Keystone

Der konservative Sender Fox News berichtet nur zurückhaltend. Dort redet man lieber über die Migranten-Karawane aus Honduras. Rechtsgerichtete Social-Media-Kanäle spekulieren gar über eine linksextreme Aktion, so kurz vor den Zwischenwahlen. Denkbar ist natürlich alles. Deshalb sind frühzeitige Beschuldigungen ziemlich riskant. Je nach Ermittlungsergebnissen können sie zu einem politischen Bumerang werden.

Könnten diese Paketbomben einen Einfluss auf den laufenden Wahlkampf haben?

Alles kann einen Einfluss haben. Dieses Land ist politisch so gespalten, dass einige zehntausend Stimmen den Ausschlag geben können, wer die Mehrheit im Kongress erhält. Eine genaue Dynamik ist aber noch nicht abzusehen, zunächst muss man mehr über die Täterschaft wissen. Klar ist: Die Anschlagsversuche haben den ohnehin heissen Wahlkampf sprichwörtlich scharf gemacht.

Das Gespräch führte Patrik Seiler.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Während der Präsidentschaft Obama's, in 8 Jahren, haben die USA ca. 100'000 Bomben abgeworfen (unter Bush jr. waren es 75'000), die aber meistens explodiert sind- mit verheerenden Folgen. Ob sich da die US-Bürger, die US- und westlichen Medien, die Politiker usw. auch so entsetzt gaben?
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    1. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Bernoulli: Natürlich sind Bomben verehrend, egal unter welchem Präsident sie abgeworfen sind, aber es ist nun mal nicht das gleiche wie per Post verschickte Bomben. Wie die US-Bürger auf die abgeworfenen Bomben reagiert haben weiss ich nicht. Aber westliche Medien berichteten durchaus teilweise kritisch darüber.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Die Frage Cui bono? – ist ein geflügeltes Wort, mit dem die Frage nach dem Nutznießer bestimmter Ereignisse oder Handlungen zu stellen ist. Ich gehe mal davon aus, dass das FBI den Job richtig und seriös machen wird.
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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    "Er verurteilte die Aktionen.....Aber..". War es denn nicht DNC und verschiedene Abgeordnete die zum totalen Kampf aufgerufen haben, und die Medien halfen kräftig mit?
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    1. Antwort von Roger Stahn (jazz)
      So ist es. Maxine Waters im Juni: 'If you see anybody from that Cabinet in a restaurant, in a departement store, at a gasoline station; you get out and you create a crowd, and you push back on them, and you tell them they're not welcome.' Auf MSNBC wiederholte Waters ihre Aufforderung - 'people will continue to harass Trump officials.' Hillary Clinton Oktober CNN: 'You cannot be civil with a political party that wants to destroy what you stand for' usw. usf.
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