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Die «Pandora Papers» decken unangenehme Wahrheiten auf
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.10.2021.
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«Pandora Papers» «Die Steueroptimierer stehen heute viel mehr unter Beobachtung»

Die «Pandora Papers» enthüllen, dass Hunderte Personen weltweit Geld in Steueroasen versteckt halten. Ein Netzwerk von internationalen Journalistinnen und Journalisten war an der Recherche beteiligt. SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart ordnet ein.

Charlotte Jacquemart

Charlotte Jacquemart

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Charlotte Jacquemart hat an der Universität Zürich Ökonomie studiert und arbeitet seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Zuvor war sie 13 Jahre lang bei der «NZZ am Sonntag» tätig.

SRF: Es geht um Politikerinnen und Politiker, Staatsoberhäupter und weitere Prominente. Welches sind die bisher bekanntesten Namen?

Charlotte Jacquemart: Genannt werden vor allem Personen und Familien aus östlichen Ländern, der herrschende Clan aus Aserbaidschan zum Beispiel, aber auch der tschechische Premier Andrej Babis. Der König von Jordanien kommt ebenfalls vor. Namentlich genannt werden auch einige westeuropäische Promis, das Ehepaar Blair aus London. Im Kern geht es immer darum, dass Leute mit sehr viel Geld Firmen, sogenannte Trusts, an Orten aufbauen, an denen sie keine oder wenig Steuern zahlen und wo sie dies auch anonym tun können.

In verschiedenen Medien wird von «verurteilten Kriminellen» gesprochen, die anscheinend Steuerzahlungen vermeiden. Inwiefern enthüllt nun dieses Datenleck illegale Machenschaften?

Letztlich weiss man das nicht. Aber ich denke, die wenigsten dieser Trusts sind illegal, sondern sie stehen dort im Einklang mit der jeweiligen Gesetzgebung, wo sie sind. Es gibt Heerscharen von Treuhändern und Anwälten, die den Superreichen helfen, möglichst wenig Steuern zu zahlen. Indem sie Gesetzeslücken ausnutzen oder zumindest den gesetzlichen Spielraum maximal ausnutzen. Illegal sind diese Aktivitäten erst dann, wenn Schwarzgeld oder Geld aus kriminellen Aktivitäten, Stichwort Geldwäscherei etc., in solche Trusts gesteckt wird. Und das kann man sich sicher bei Autokraten gewisser Länder, sag ich mal vorsichtig, vorstellen. Beim Ehepaar Blair weniger.

Ich denke, die wenigsten dieser Trusts werden illegal sein, sondern im Einklang mit der jeweiligen Gesetzgebung, wo sie sind.
Autor: Charlotte Jaquemart SRF-Wirtschaftskorrespondentin

Und die Erfahrung mit den «Panama Papers» zeigt halt auch, dass es kaum je zu strafrechtlichen Prozessen kommt. Weil es für die Strafrechtsbehörden in den Ländern sehr aufwändig ist, Geldwäsche und Steuerhinterziehung durch solch verschachtelte Firmenkonstrukte hindurch zu verfolgen. Allerdings gab es nach den «Panama Papers» einige Rücktritte in der Politik. Island zum Beispiel. Und einige Firmen und Personen mussten Steuern nachzahlen.

Inwiefern ist die Schweiz involviert?

Eigentlich vor allem über Anwälte und Treuhänder, die bei diesen Steueroptimierungen beratend tätig sind. In der Schweiz Geld anonym in einem Trust zu verstecken, ist mittlerweile fast unmöglich geworden. Die Banken müssen ihren Klienten kennen, «Know your customer», heisst die Regel. Und die Steuerdaten werden mit der EU und den USA auch seit einigen Jahren ausgetauscht. Viel Geld, das früher in die Schweiz auf schwarze Konti floss, fliesst heute an andere Orte.

Es gab schon verschiedene Datenlecks. Was zeigen nun diese neuen «Pandora Papers»?

Etwas zynisch gesagt: Diese Papers zeigen nichts, was wir nicht schon wussten. Reiche Familien und auch Firmen versuchen, möglichst wenig Steuern zu zahlen. Das kann man moralisch verurteilen, weil damit die Allgemeinheit Geld verliert, mit dem man Schulen und Spitäler bauen könnte. Ich glaube aber, dass diese Papers trotzdem etwas bringen, weil den Steueroptimierern bewusst wird, dass sie heute unter viel mehr Beobachtung stehen als früher, dass man sie eben dank diesem Datenjournalismus öffentlich anprangern kann. Und das ist immerhin unangenehm und kann einem Politiker, einer Politikerin auf jeden Fall in der westlichen Welt auch einmal die Karriere kosten.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 04.10.2021, 7 Uhr;

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77 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Gut zu lesen, die SP ist bereits auf dem Weg den Fehlentscheid des Parlaments zu korrigieren. AnwältInnen, TreuhänderInnen, BeraterInnen im Nachtrag wieder ins GwG aufzunehmen. Wann begreift die Mehrheit der Bürgerlichen endlich, Zeiten, in denen Tür und Tor für Bescheissende offen stehen, sind vorbei. Es kann, darf nicht sein, dass wir in Sachen Steuern international immer reagieren müssen. Jedes Mal ein Stück Renommee zu verlieren, nicht in meinem Sinn. Ich bevorzuge ein agierendes Parlament.
  • Kommentar von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
    Erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit hier stets von "Steueroptimierung" bzw. "Steuervermeidung" statt "Steuerhinterziehung" oder "Steuerbetrug" gesprochen wird. Ab welcher Summe gelten solche Finanzaktionen bloss noch als Steueroptimierung und sind kein Delikt mehr? Könnte man dieses Prinzip nicht auch auf weitere Alltagsbereiche ausweiten, indem man "Ladendiebstahl" als "Einkaufsoptimierung" oder "Schwarzfahren" als "Fahrkostenvermeidung" bezeichnet?
    1. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Unter Steueroptimierung versteht man legale Wege um Steuern zu sparen. Steuerhinterziehung ist, vereinfacht gesagt, etwas nicht in der Steuererklärung anzugeben. Bei Steuerbetrug werden Unterlagen geändert, gefälscht oder erfunden um den zu versteuernden Betrag zu seinen Gunsten zu ändern.

      Die Schweiz hat inzwischen mit vielen Staaten einen automatischen Austausch über Finanzkonten vereinbart. Suchen sie unter "SIF" und "Finanzkonten" um die aktuelle Übersicht einzusehen.
  • Kommentar von Michael Meyer  (Muesliriegel)
    Richtige JUSO-Fanbase hier in den Kommentaren. Man spürt der Neid gewisser Personen....
    Es gilt weiterhin: Steuern sind Raub!
    1. Antwort von Pascal von Allmen  (Zuerst-denken.ch)
      Falsch, Reichtum ist Raub! Schade haben Sie das Prinzip von Solidarität nicht verstanden.