Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Der Wahlkampf in Indien tobt auch auf Social Media heftig abspielen. Laufzeit 06:18 Minuten.
06:18 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.04.2019.
Inhalt

Parlamentswahl in Indien Kampf gegen Fake News im Wahlkampf

Im indischen Wahlkampf spielen Soziale Medien eine wichtige Rolle. Und damit auch Manipulation durch Falschnachrichten.

Was steht in Indien zur Wahl? In Indien wird ein neues Parlament gewählt. Es sind die grössten Wahlen der Welt. Die Wahl dauert sechs Wochen.

Wie viele Leute können wählen? In Indien leben rund 1.3 Milliarden Menschen, 900 Millionen sind wahlberechtigt. Es gibt rund eine Milliarde Mobiltelefonanschlüsse, 300 Millionen Facebook- und 240 Millionen Whatsapp-Nutzer. Der Wahlkampf findet auch über die sozialen Medien statt.

Was tut die Regierung? Sie macht im Social-Media-Wahlkampf mit. Der amtierende Premierminister Narendra Modi hat eigens eine Wahlapp für Smartphones gestalteten lassen. Es ist eine App mit eigenem Fernsehkanal, in dem Reden und Wahlkampfveranstaltungen von Modi zweitverwertet werden.

Gibt es gesetzliche Regelungen bei Wahlwerbung? 48 Stunden vor der jeweiligen Wahlphase gilt eine Sperrfrist. Es dürfen an Orten, wo gewählt wird, keine Wahlkampfveranstaltungen durchgeführt werden und es darf auch keine Wahlkampfwerbung mehr gezeigt werden.

Gilt die Sperrfrist für die App der Regierung nicht? Für die App gibt es noch keine solchen Regeln. «Da es ein neues Phänomen ist, musste erst abgeklärt werden, wer dafür zuständig ist», sagt SRF-Asien-Korrespondent Gutersohn. Nun habe die Wahlkommission verlauten lassen, sie werde sich mit dieser Frage befassen.

Wieso dreht sich die Diskussion auch um Whatsapp? In Indien werde Whatsapp nicht nur als Nachrichtendienst gebraucht, sondern auch als Newsportal, sagt Gutersohn. «Im Zusammenhang mit dem Wahlkampf beschuldigen sich die Parteien gegenseitig, Fake News zu verbreiten.»

Wie reagiert Whatsapp? Whatsapp hat eine Art Verifikationsdienst aufgeschaltet. Mitteilungen können mit der Frage, ob sie nun stimmen oder nicht, an eine Nummer weitergeleitet werden. «Doch dafür muss erst man den Verdacht haben, dass die News falsch ist», so Gutersohn.

Was tut Facebook dagegen? Facebook hat im Zusammenhang mit dem Wahlkampf über 1000 falsche Profile gelöscht. Es seien Profile gewesen, die «unauthentisches Verhalten» aufweisen, z.B. Politiker, die plötzlich die Gegenseite unterstützen oder vulgäre Inhalte publizieren, sagt der Korrespondent. Laut den Angaben von Facebook waren es hauptsächlich Seiten der Opposition. «Das deutet darauf hin, dass sie manipuliert wurden.»

Fake News ist im indischen Wahlkampf ein neues Phänomen.
Legende: Fake News ist im indischen Wahlkampf ein neues Phänomen. Keystone

Bringt die Social-Media-Präsenz den jeweiligen Kandidaten etwas? Vorhersagen, wer gewinne, könne man nicht, so Gutersohn. Doch: «Die sozialen Medien üben einen grossen Einfluss aus. Die Regierungspartei hat klar die Nase vorn.» Sie habe die Möglichkeiten von Social Media schon viel länger entdeckt. Die von Facebook veröffentlichten Zahlen belegen dies: Rund 70 Prozent der veröffentlichten Wahlwerbung stammt von ihr.

Ein Beispiel für Fake News: «Vor kurzem kursierte ein Foto, das den Oppositionskandiaten Raul Gandhi im Schulterschlag mit einem Attentäter, der im Februar in Kaschmir 40 Menschen getötet hat», sagt Gutersohn. Dass das Foto gefälscht sei, habe man zwar erkennen können. Trotzdem – davon ist der Korrespondent überzeugt – gebe es viele Leute, die dieser Botschaft Glauben schenkten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Haller Hans (H.Haller)
    Fake-News über all in den Medien, sogar der Main-Stream bedient sich mit Fake-News wie der Fall Relotius dies eindrücklich zeigte. - Die Journalisten müssen wieder lernen einen Abstand und Distanz zur Sache wahren zu können. Das fällt einigen offenbar ganz schön schwer, was dann nur noch zeigt, dass selbige den Beruf verfehlt haben und eher in eine PR-Agentur gehörten, sicherlich aber nicht in den Journalismus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Moser (AM)
    Wobei dann immer noch die Frage offen bleibt, wer bestimmt, welche News Fake-News sind und welche nicht!

    Bei der Abstimmung zur Heiratsstrafe oder zum Energiegesetz wurden "nicht bundesratskonformen Meinungen" oft als Falsch, als Fake-News abgetan. Wie wir heute wissen zu unrecht - bei der Heiratsstrafe sogar vom Bundesgericht bestätigt! Beim Kampf gegen Fake-News werden aber genau solche "News" unterdrückt oder gar zensuriert...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Frank Henchler (Fränki)
      Wobei dann immer noch die Frage offen bleibt, wer bestimmt, welche News Fake-News sind und welche nicht! Es sollte vor allem jemand sein, der Fakten nicht ausblendet.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Der Wertewesten hat es ja vorgemacht, wie es geht, siehe "Russland-gate" und die ganze Kampagne gegen Trump der Clinton-Dems, welche auch noch Sanders mit undemokratischen Mitteln aus dem Rennen warfen. Ein Beispiel allerdings, der schief lief und nun das Umgekehrte bewirken könnte: eine 2. Amtszeit des mit unlauteren Mitteln bekämpften Gegner.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Max Wyss (Pdfguru)
      "Wertewesten" … müsste man sich merken.

      Früher hiess das Ganze "Propaganda", und hat genau so gut funktioniert (nur mit dem Unterschied, dass es weitaus schwieriger war, Aussagen zu verifizieren; wenn dies heutzutage nicht gemacht wird, ist es wegen Faulheit oder Fahrlässigkeit…)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen