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Krähenbühl quittiert sein Amt per sofort
Aus HeuteMorgen vom 07.11.2019.
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Pierre Krähenbühl geht Abrupter Abgang des ranghöchsten Schweizers im UNO-Apparat

Am Ende ging alles sehr schnell. Doch Pierre Krähenbühls Abgang als Chef des Palästinenserhilfswerks der Vereinten Nationen (UNRWA) hat eine Vorgeschichte. Sie begann bereits im Sommer. Seit dann läuft eine Untersuchung der Oios, einer Art UNO-interner Geschäftsprüfungskommission, gegen die UNRWA-Führung.

Mittwoch früh teilte das Palästinenserhilfswerk mit, Krähenbühl trete in Ausstand, bis die Untersuchung abgeschlossen sei. Der Brite Christian Saunders wurde als Interims-Chef eingesetzt.

Kurz darauf liess UNO-Generalsekretär Antonio Guterres verlauten, ein erster Zwischenbericht der Oios schliesse aus, dass der Schweizer betrogen oder Hilfsgelder missbräuchlich verwendet habe, erklärte UNO-Chefsprecher Stéphane Dujarric.

Was wurde Krähenbühl zum Verhängnis?

Es gebe aber Hinweise auf Managementprobleme, die angegangen werden müssten. Am Abend dann teilte Dujarric mit, Pierre Krähenbühl habe UNO-Chef Guterres soeben über seinen sofortigen Rücktritt informiert.

Keine Aussagen macht die UNO zum Vorwurf, Krähenbühl habe auch eine Liebesbeziehung zu einer Untergebenen unterhalten und diese protegiert. Im Westschweizer Fernsehen hat Krähenbühl alle Vorwürfe bestritten: «Ich werde dies auch weiterhin tun.» Der UNO-Untersuchungsbericht soll Ende November abgeschlossen sein und publiziert werden.

Abgang zu einem schlechten Zeitpunkt

Krähenbühls Abgang kommt zu einem Zeitpunkt, da die UNRWA in der Krise steckt und unter gravierenden Finanzproblemen leidet. Israel und die USA beschuldigen sie, im Nahostkonflikt Teil des Problems zu sein und nicht Teil der Lösung, weil sie palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen dauerhaft unterstütze, statt ihre Integration in arabische Länder zu fördern.

Die USA kürzten deshalb ihre Beiträge massiv. Wegen der Untersuchung gegen die UNRWA-Führung zahlen auch die Schweiz, die Niederlande und weitere Staaten vorläufig nicht mehr.

Offenbar sah Krähenbühl zuletzt keine Chance mehr, in Ehren in sein Amt zurückzukehren. Der Vorgang könnte für die UNRWA ein Befreiungsschlag sein, weil der vorläufige Nachfolger Saunders der kritisierten alten Führung nicht angehörte.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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Aus dem Archiv: Der Hoffnungsträger
Aus Reporter vom 09.11.2014.
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22 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Wo viel Geld zusammenkommt und kein Leistungsnachweis zu erbringen ist, kumulieren sich Bequemlichkeit, Unterschlagung, Korruption und weitere Optionen zur Selbstbereicherung. Krähenbühl ist wohl nur die Spitze des Eisberges. Die UNO müsste völlig neu erfunden werden, damit operationelle Ziele verfolgt werden können. Mit warnen, befürchten, besorgt sein, verurteilen, inakzeptabel sein, und weiteren Floskeln entsteht kein Mehrwert.
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    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Es ist bedauerlich, wie schnell irgendwelche Behauptungen ins Kraut schiessen. Wie schnell und liebend gern die üble Fama von irgendwelchen Rednern und Schreibern weitergereicht werden, blosse Behauptungen sind es, die da zu „Fakten“ gezimmert werden. Wie Mobbing, das man schon auf dem Pausenplatz der Grundschule gelernt hat.
      Grad bei Problemzonen wie UNRWA würde es sich vielleicht lohnen, genauer hinzuhorchen, woher so ein übel riechender Wind weht.
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  • Kommentar von Heinrich Müller  (Heinrich)
    Fazit: im UNO-Korruptionsapparat findet sich ein korrumpierter Schweizer. Korruption ist eine Seuche der UNO und das Kernproblem des Elends auf der Welt. Es ist doch ein Witz, dass die korrupte UNO eine interne Prüfung vornimmt.
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    1. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      Ich persönlich würde die UNO fast schon mit der FIFA, FIA o.ä. vergleichen. Keine unabhängigen, übergeordneten Kontrollorgane bieten einen natürlichen potenziellen Lebensraum für mögliche Korruption.
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  • Kommentar von Franziska Schaffner  (Franziskasch)
    Problem ist nicht die UNWRA, für die Krähenbühl unter widrigsten Umständen glanzvolle Arbeit geleistet hat! Problem ist, dass immernoch über 5 Millionen Palästinenser unter der Besatzung, und in Gaza durch die Blockade, von Israel Recht- und Staatenlos gehalten werden. Versuche, ihnen die Legitimation des Flüchtlingsstatus zu entziehen, sind auch schon in vollem Gange, obwohl die Uno Resolution 194 nie eingehalten wurde und sie auch heute noch vertrieben und enteignet werden.
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    1. Antwort von B. Moser  (moser.b)
      Sorry, Krähenbühl hat eine Affäre mit einer Untergebenen! Das geht nicht, in dieser Position. Und erst recht nicht in diesem Umfeld. Da kann er tun was er will, das Nützt nichts. Und Sie müssen ihn jetzt nicht als Held herbei schreiben.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Schaffner: Frage von Frau zu Frau: Wie definieren Sie "Integrität" in einer höheren Position im Hinblick auf den Umgang mit untergebenen Angestellten? Insbesondere, wenn es um materielle Bevorzugung einer auserwählten Person im Vergleich zum Rest des Personals geht - ohne sachlichen Grund, nur aufgrund der Tatsache, dass sie dem Chef auf einer anderen Ebene auffällt?
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    3. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Man kann auch jeden Skandal schön reden. Jedenfalls geht Krähenbühl nicht freiwillig. Wer die entsprechenden Berichte über seine Arbeit gelesen hat, fragt sich nur, weshalb es so lange gedauert hat, bis er zu Einsicht kan.
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    4. Antwort von Franziska Schaffner  (Franziskasch)
      @Fr.Fitzi und Hr.Mooser: Sie gehen davon aus, dass diese Anschuldigungen Fakt sind obwohl nichts bewiesen ist. Anschuldigungen dieser Art werden stets dann gern in's Feld geführt, wenn es nicht genug andere Argumente gegen einen unliebsamen Protagonisten gibt. Eine Richtigstellung Monate später liest dann meist Niemand mehr. Ich plädiere dafür, dass die Urheber solcher Anschuuldigungen mit Namen genannt und zu Rechenschaft gezogen werden, sollten sie sich als unwahr erweisen!
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    5. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Moser, Fitzi und Bucher haben offenbar andere Quellen oder waren gar dabei. Oben steht „Keine Aussagen macht die UNO zum Vorwurf, Krähenbühl habe auch eine Liebesbeziehung zu einer Untergebenen unterhalten und diese protegiert.“ Tönt nicht gut, ist offenbar eine Behauptung im Raum. Woher? Und: „Der UNO-Untersuchungsbericht soll Ende November abgeschlossen sein und publiziert werden.“ Also doch mal abwarten und nicht voreilig „Fakten“ zimmern, einfach weils einem grad in den Kram passt!
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    6. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Die UNRWA, egal ob Teil des Problems oder nicht, wäre definitiv nicht zuständig für Palästinenser in Palästina, da diese ja im Land leben. Die UNRWA wäre für die Flüchtlinge zuständig. Zudem ist die Behauptung, es würden laufend noch Palästinenser vertrieben haltlos. Der Post Schaffner hat antiisraelische Züge.
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