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Wahlen Bangladesh Mohammed Khokon will die Islamisten wählen

Vor allem auf in ländlichen Regionen geniesst die Partei Jamaat-e-Islam grosse Sympathien – gerade auch unter den Frauen. Heute wird gewählt.

Mohammed Khokon hat sich entschieden. Er wird für die Islamistenpartei Jamaat-e-Islam stimmen, die eine grosse Koalition aus elf Parteien anführt. «Die Jamaat-Leute sind gut gebildet und nicht korrupt», sagt der frühere Journalist am Rande einer Wahlveranstaltung in Dhaka.

Mann mit Brille und Bart steht vor Wellblechwand.
Legende: Der frühere Journalist Mohammed Khokon will die islamistische Partei Jamaat-e-Islam wählen. srf/Maren Peters

Dass sich die Partei zum Scharia-Recht bekennt, stört ihn nicht. Bangladesch sei ein muslimisches Land, so Khokon. Islamisches Recht sei darum gut für Bangladesch. Wie er denken viele in Bangladesch.

Islamisten-Koalition mischt vorne mit

In Umfragen liegt Jamaat-e-Islam nur knapp hinter ihrer Hauptkonkurrentin BNP, der Bangladesh Nationalist Party. Auch sie wurde von der Regierung von Sheikh Hasina massiv unterdrückt.

Sie konnten viele Frauen überzeugen, dass ihre Rolle zu Hause bei den Kindern ist.
Autor: Mohammad Jalal Uddin Sikder Politikanalyst an der North South University in Dhaka

«Lang lebe Jamaat-e-Islamy!», rufen ihre Anhänger auf den Wahlveranstaltungen der letzten Tage. Die Partei hatte es unter Hasina schwer: 2014 wurde sie verboten. Doch auch als sie noch zugelassen war, erreichte sie in Wahlen nie mehr als zwölf Prozent der Stimmen.

Menschenmenge bei einer Versammlung, Frau mit Kopftuch hält Pflanze und Flagge.
Legende: Die BNP (Bild: Unterstützerinnen an einer BNP-Wahnlveranstaltung) dürfte stärkste Partei in Bangladesch bleiben. Aber die Islamisten-Koalition aus elf Parteien unter Führung der Jamaat-e-Islam ist ihr dicht auf den Fersen. SRF/Maren Peters

Umso erstaunlicher ist ihr rasanter Aufstieg seit dem Sturz der alten Regierung. Der Politikanalyst Mohammad Jalal Uddin Sikder von der North South University in Dhaka erklärt den Aufstieg mit jahrelanger Überzeugungsarbeit.

Fortschrittliche Frauen fürchten um ihre Rechte

Box aufklappen Box zuklappen

Viele gut ausgebildete Frauen in Bangladesch blicken der Wahl mit gemischten Geführen entgegen. So füchtet nicht nur die Medienfachfrau Marzana Safat um ihre Rechte, falls die Islamisten an die Macht kommen sollten. Wie viele andere Frauen war auch die 40-jährige Teil der Julibewegung. Diese hatte die frühere autokratische Regierung von Sheikh Hasina vor gut eineinhalb Jahren zum Rücktritt gezwungen. Mehr als 1400 Menschen kamen im Zuge der Proteste ums Leben.

Safats Hoffnung auf einen Neuanfang ist inzwischen einem Frust gewichen. «Ich habe grosse Sorge, dass Jamaat die Wahl gewinnen könnte», sagt sie. «Wir haben einen hohen Preis bezahlt, um unsere Demokratie zu verteidigen.»

Wenn Jamaat an die Macht kommt, wird die in der Verfassung festgeschriebene Gleichheit von Frau und Mann unter Druck geraten, glaubt sie. «Ich werde dann aufpassen müssen, was ich sage und mache.»

Verschleierte Frauen gingen von Tür zu Tür

Da die Partei nach 2014 verboten war, hätten ihre weiblichen Mitglieder die Zeit dazu genutzt, um Tür-zu-Tür-Kampagnen zu machen. «Sie konnten viele Frauen überzeugen, dass ihre Rolle zu Hause bei den Kindern ist», sagt Sikder.

Mann mit Brille im Büro vor Television-Studio-Schild.
Legende: Der Politikanalyst Mohammad Jalal Uddin Sikder. srf/Maren Peters

Ausserdem sehnten sich die Menschen in Bangladesch nach einer Regierung, die nicht korrupt sei – anders als die früheren Regierungen. «Viele Leute glauben den Versprechen, dass sich islamistische Parteien nur um die Wohlfahrt der Bürger kümmern werde. Sie sagen, sie wollten sich nicht bereichern, denn in den Himmel komme nur, wer Gutes tue auf Erden», so der Politikanalyst.

Die wichtigste Aufgabe einer Frau ist es, sich um ihre Kinder zu kümmern.
Autor: Nurunna Siddiqua Chefin des Frauenflügels der islamistischen Partei Jamaat-e-Islam

Nurunna Siddiqua hat jahrelang Überzeugungsarbeit im Hintergrund geleistet. Inzwischen führt die vierfache Mutter den Frauenflügel der Partei an. Es störe sie nicht, dass Jamaat keine einzige weibliche Kandidatin für die Wahl aufgestellt habe.

Zwei von fünf Frauen wollen Islamisten wählen

«Die Frauen in der Partei sind öffentlich nicht bekannt, weil sie immer im Hintergrund gearbeitet haben», sagt die bis auf die Augen verschleierte Siddiqua. Darum sei es besser, dass nur Männer kandidierten. Die Partei habe das demokratisch beschlossen.

Person mit Brille und geblümtem Kopftuch in Innenraum.
Legende: Nurunna Siddiqua ist Chefin des Frauenflügels der Jamaat-e-Islam. srf/Maren Peters

Das Wahlprogramm fasst die Chefin des Frauenflügels mit zwei Worten zusammen: «Keine Korruption, keine Diskriminierung.» Dass die Partei Frauen unter anderem vorschreiben will, nur wenige Stunden zu arbeiten, gilt nicht als Diskriminierung. «Die wichtigste Aufgabe einer Frau ist es, sich um ihre Kinder zu kümmern», sagt Siddiqua.

Manche Umfragen gehen davon aus, dass mehr als 40 Prozent der Frauen in Bangladesch die Islamisten wählen wollen. Vor allem auf dem Land, wo Frauen oft wenig gebildet sind, ist die Partei beliebt.

Ob die Islamisten die Wahl tatsächlich gewinnen, wird von den vielen unentschlossenen Wählerinnen und Wählern abhängen. Doch selbst wenn die Partei nur zweitstärkste Macht wird, ist absehbar, dass Bangladesch nach der Wahl islamistischer sein wird als vorher.

Rendez-vous, 12.2.2026, 12:30 Uhr;weds

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