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Legende: Audio Razzia in Kosovo führt zu Verstimmung mit Serbien. (Im Bild: Weggeräumte Barrikade) abspielen. Laufzeit 08:17 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 29.05.2019.
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Polizeiaktion gegen Schmuggler «Eine normale Razzia kann es in Kosovo kaum geben»

Im Norden Kosovos hat die Polizei am Mittwoch eine grosse Razzia gegen Schmuggler durchgeführt. Der Schmuggel hat sich verstärkt, seit Kosovo im Herbst Zölle von 100 Prozent auf serbische Waren eingeführt hat. Die Polizeiaktion hat zu grösseren Spannungen mit dem Nachbarn Serbien geführt. Serbien versetzte die Sicherheitskräfte an der Grenze in Alarmzustand. Norbert Mappes-Niediek beobachten den Balkankonflikt seit Jahren und erklärt die Zusammenhänge.

Norbert Mappes-Niediek

Norbert Mappes-Niediek

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Norbert Mappes-Niediek ist deutscher Journalist und Fachautor für Südosteuropa.

SRF News: War es eine normale Razzia oder ist sie etwas aus dem Ruder gelaufen?

Norbert Mappes-Niediek: So geplant war es sicher nicht. Die Polizei musste eine Barrikade wegräumen, die man in dem kleinen Ort Zubin Potok angehäuft hatte, um die Polizei draussen zu halten. Beim Räumen dieser Barrikade ist es zu den Auseinandersetzungen gekommen. Es sind sogar Schüsse gefallen. Es gab eine ganze Reihe Verletzter.

Offenbar kriegen viele Polizisten zwei Gehälter, eins von Pristina und eins von Belgrad.

Eine normale Razzia kann es in Kosovo kaum geben, jedenfalls nicht im Norden. Man muss immer diesen grossen ethnischen Konflikt zwischen Serben und Albanern mitbedenken. Und selbst wenn eine Razzia nicht gegen eine Volksgruppe gerichtet war, dann wird sie meistens doch so aufgefasst und entsprechend ausgeschlachtet.

Wie hoch ist die Präsenz der kosovarischen Polizei dort?

Die kosovarische Polizei – die Kosovo Police – ist durchaus präsent und trägt auch die entsprechenden Abzeichen und Uniformen. Der Zweifel gilt nur der Frage, ob die Polizisten tatsächlich kosovarische Behördenvertreter sind und wem ihre Loyalität eigentlich gilt. Offenbar kriegen viele Polizisten zwei Gehälter, eins von Pristina und eins von Belgrad.

Es waren zwei Mitarbeiter der UNO-Mission im Kosovo (UNMIK) in den Fall involviert. Ist es möglich, dass sowohl UNO-Mitarbeiter und als auch Polizeibeamte am Schmuggelgeschäft beteiligt sind?

Ja, das ist durchaus möglich. Bei Polizisten ist es eigentlich offensichtlich. Aber auch die UNO-Mission – wie alle UNO-Missionen in solchen Krisengebieten – ist nicht von vornherein koscher. Es gibt gerade zwischen Russen und Serben sehr viel sentimentale Solidarität und russische Mitarbeiter sind davon nicht ausgenommen. Man identifiziert sich leicht mit der örtlichen Bevölkerung, die man beschützen will.

Das berühmte Bild vom Pulverfass Balkan nützt denjenigen, die sich damit die Aufmerksamkeit der EU für ihre Probleme besorgen können.

Es geht immer noch darum, wann Serbien Kosovo als unabhängig anerkennt. Hat sich in dieser Frage etwas bewegt?

Es sieht nicht so aus. Es muss jedenfalls noch viel passieren, damit es zu einer Anerkennung kommt. Es macht auch durchaus seinen Sinn, diese Frage noch eine Weile offen zu halten. Man kann Vorteile für sich heraushandeln. Das wird auch fleissig getan. Und dieses berühmte Bild vom Pulverfass Balkan nützt denjenigen, die sich damit Aufmerksamkeit der EU für ihre Probleme besorgen können. Auch zwischen Deutschland und Frankreich gibt es Meinungsverschiedenheiten, die sich in Kosovo und in Serbien auch sehr positiv nutzen lassen. Es geht um die Frage, ob man Gebiete austauscht, um einigermassen ethnisch reine Territorien zu schaffen. Die Deutschen sind strikt dagegen. Die Franzosen liebäugeln mit dem Gedanken.

Das Gespräch führte Anneliese Tenisch.

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