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Unruhen in den Banlieues
Aus Rendez-vous vom 22.04.2020.
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Problemzone Banlieue Ausschreitungen in Frankreichs Vorstädten

Die vierte Nacht in Folge ist es in französischen Vorstädten zu Gewalttaten und Zusammenstössen mit der Polizei gekommen.

Einmal mehr kursieren in den sozialen Medien Bilder von brennenden Autos und Mülleimern. Betroffen sind verschiedene Vorstädte um Paris, darunter Clichy, Villeneuve la Garenne oder Nanterre, aber auch weitere Städte im Land wie etwa Strassburg.

In Gennevilliers bei Paris geriet offenbar auch ein Schulhaus in Flammen, die Feuerwehr aber war schnell zur Stelle. Jugendliche schossen verschiedener Orts Feuerwerkskörper auf Polizisten ab.

Die Behörden wiegeln ab

Nach den vorliegenden Berichten der Behörden kam es aber bloss vereinzelt zu Gewalttaten. Ausserdem sind die Schäden vergleichsweise gering. Die Ausschreitungen haben bei weitem nicht die Dimensionen, wie etwa bei der grossen Banlieue-Revolte zu Beginn des Jahrtausends. Sie wurde zur Grenzbelastung für die französische Politik und führte zum Ausnahmezustand im ganzen Land.

Problemzone französische Banlieue

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Problemzone französische Banlieue

Die Banlieue – das sind die Vorstadtgürtel um die grossen Städte Frankreichs. Immer wieder machen sie Schlagzeilen, häufig negative. In den spannungsgeladenen und dicht besiedelten Zonen, in denen es an Perspektiven fehlt, kommt es seit Jahren immer wieder zu Gewaltakten. Die letzten grossen Unruhen ereigneten sich im Oktober und November 2005 nach dem Unfalltod zweier Jugendlicher im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois. Die gewalttätigen Proteste breiteten sich auf zahlreiche weitere Städte des Landes aus. Höhepunkt der Gewaltorgie war wohl der 7. November, als die meist jugendlichen Gewalttäter allein in einer Nacht landesweit mehr als 1400 Autos anzündeten. Am 8. November verhängte die französische Regierung – zuständiger Innenminister war der spätere Staatspräsident Nicolas Sarkozy – den Ausnahmezustand.

Der Ausnahmezustand, der damals aus Sicherheitsgründen über Frankreich verhängt wurde, gilt freilich schon, diesmal aus Gesundheitsgründen – wegen der Coronakrise. Frankreich ist besonders betroffen von der Pandemie, seit Mitte März gelten im ganzen Land strikte Ausgehbeschränkungen.

Spannungen wegen Ausgehverbot?

In Frankreich wird jetzt darüber spekuliert, ob ich die Spannungen in den Vorstädten auch deswegen gerade jetzt entluden. Der stellvertretende Stadtpräsident von Strassburg legte das nahe. Auch in seiner Banlieue gingen Autos und Mülleimer in Flammen auf.

Der Auslöser der Gewalt wirkt auch diesmal geringfügig: Ein Motorradfahrer ohne Helm fuhr am Samstag an einer Kreuzung in die Tür einer Zivilstreife der Polizei. Wie schon so häufig machte der Vorwurf die Runde, die Polizisten hätten einen Fehler gemacht, den Motorradfahrer absichtlich zu Fall gebracht. Das bestreiten die Polizisten.

Verkaufsverbot für Feuerwerk in Paris

Der Motorradfahrer erlitt einen Beinbruch, er rief bald selber von seinem Spitalbett aus die Randalierenden per Video zur Ruhe auf. Doch auch letzte Nacht gingen die Scharmützel weiter, wenn auch weniger intensiv als in den Nächten zuvor, wie die Polizei versichert.

Gleichwohl verbot der Polizeipräfekt von Paris den Verkauf und das Herumtragen von Feuerwerkskörpern in Paris und dessen nördlichen Vorstädten. Das Verbot gilt vorerst bis Ende der Woche.

Rendez-vous vom 22.4.2020, 12.30 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Berger  (wedemeinsch)
    Wer die Banlieus mal von innen gesehen hat, dürfte über das Gesehene erschrocken sein. Eine völlige andere Welt. Da wurde Kulturen nach Frankreich gezügelt und werden dort auch zu 100% ausgelebt. Der Wille zur Integration ist nicht erkennbar. Immer nur dem Gastland ein Versagen vorzuwerfen, zeugt von Ignoranz der Realität. Die Probleme sind fast nicht lösbar.
    1. Antwort von Fabio Skalpell  (Fabio Skalpell)
      Sie waren also in den Banlieus und sind erschrocken. Aber nicht etwa über die herrschende Armut, sondern über die fremd aussehenden Gesichter. Ist natürlich einfacher. Man müsste sich sonst ja eingestehen, dass etwas ganz fürcherlich schief läuft in unserem schönen kapitalistischen Europa.
    2. Antwort von Heinz Berger  (wedemeinsch)
      @Skalpell: Klar läuft es schief bzw. ist erwiesenermassen schief gelaufen. Und es wird nicht besser.
      Aber offenbar haben Sie Ideen, die die Integration zum Erfolgsmodell werden lassen. Dann tun Sie was.
  • Kommentar von Maria Kaiser  (Klarsicht)
    Frankreich, wie viele andere Länder werden in Zukunft nicht um ein Bedingungslosen Grundeinkommen herumkommen, wenn sie grössere Unruhen vermeiden wollen. Diese sozial Abgehängten kann man ja nicht ewig mit der Polizei oder gar mit dem Millitär verjagen und verfolgen.
    Das ist nun die Rechnung für das Verschleppen altbekannter Zustände , von den Wohnungsgetos bis hin zu Niederlöhnen und Aerbeitslosigkeit und das EX Kolonialregime.
  • Kommentar von Beni Bensson Thomi  (Beni Bensson)
    Leider nichts ungewöhnliches in Frankreich! Wer dem Multi-kulti freien Lauf gewährt und es über Jahrzehnte verpasst hat die Leute zu integrieren wird nun bestraft! Passiert zum Beispiel auch in Schweden in gewissen Wohnquartieren wo sich keine Ordnungshüter mehr hinwagen! Linke Politik hat da wohl völlig versagt... wie so oft!
    1. Antwort von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
      Es liegt nicht am Multikulti sondern das man nicht ein Faires und Gleichberechtigte Sozialstrukturen. Man machte es sich sehr einfach wenn man de Schwächeren uns Ausgegrenzt. Auch die die Primitive Schuldzuweisungen an die Linken finde ich eher Erbärmlich. In der Migrationspolitik haben alle Versagt in Frankreich. Es ist auch eine Altlast aus der Französischen Kolonialzeit. Die Problem sind Strukturell und sind heute schwer zu beheben.
    2. Antwort von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
      ...in der Gegenwart gibt es ja noch die gerne vergessene Waffenindustrie!
    3. Antwort von Peter Dutler  (PeDu)
      Anstatt wieder das alte Cliche von Rechts der verfehlten linken Politik zu bemühen, könnten Sie mir sagen wo, in den von ihnen zitierten Jahrzehnten, es die rechten Regierungen besser gemacht haben? Wenn dem so wäre würden die Probleme gar nicht mehr bestehen, oder etwa doch?