Prozess gegen Muslimbrüder geplatzt

Die Anschuldigung ist massiv: Anstiftung zur Tötung in neun Fällen. Heute hätte nun der Prozess gegen die gesamte Führungsriege der Muslimbrüder stattfinden sollen. Der Gerichtssaal in Kairo ist aber leer geblieben.

Das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, seine Stellvertreter Chairat al-Schater und Mohammed Raschad Bajumi sowie 33 weitere führende Mitglieder hätten heute erstmals vor Gericht erscheinen sollen. Doch die Anklagebank blieb leer.

Das Gericht hat den Fall überraschend niedergelegt. In einer Erklärung deuteten die Richter Befangenheit an, ohne dies weiter zu erläutern.

Der Prozess war Ende August formell eröffnet, aber umgehend vertagt worden. Die Hauptangeklagten waren dem Gericht aus «Sicherheitsgründen» nicht vorgeführt worden. Der Prozess muss nun von einer anderen Kammer des Strafgerichts verhandelt werden. Anstiftung zum Mord kann in Ägypten mit der Todesstrafe bestraft werden.

Mohammed Mursi, gestürzter Präsident Ägyptens Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der gewählte Präsident Ägyptens, der von der Armee entmachtet wurde, soll vor Gericht gestellt werden. Keystone/Archiv

Mursi anerkennt das Gericht nicht

Kommende Woche hätte zudem auch der ehemalige Präsident Ägyptens, Mohammed Mursi, vor Gericht erscheinen sollen. Welche Auswirkungen die heutige Entscheidung der Richter auf den Mursi-Prozess hat, ist nicht klar. Schon zuvor hiess es aus Kreisen des gestürzten Machthabers, Mursi würde die Rechtmässigkeit des Gerichts anfechten.

Der islamistische Politiker wird weiterhin an einem geheimen Ort festgehalten. Mursi wird beschuldigt, für den Tod von Demonstranten verantwortlich zu sein, die im Dezember 2012 vor seinem Präsidentenpalast demonstrierten.

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