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Queeres Leben in China Schweizer Dragqueen trifft auf chinesische Repression

In China werden Freiräume für queere Subkulturen immer kleiner. Das hat auch ein Zürcher Drag-Künstler auf seiner Tour erlebt.

In einem kleinen Lokal in Kunming im Süden Chinas probt «Soya the Cow» ihren Auftritt. Die Zürcher Dragqueen oder «Drag Cow», wie sie sich selbst nennt, thematisiert darin den menschlichen Umgang mit Tieren und Homosexualität im Tierreich. Ob ihre Show am späteren Nachmittag stattfinden kann, ist allerdings alles andere als sicher.

Das klingt sehr stark nach einer Ausrede. Es war wirklich wie ein Hürdenlauf.
Autor: Daniel Hellmann Drag-Darsteller

«Die Tournee hat angefangen in Shanghai. Dort wurde allerdings die Performance abgesagt», sagt Darsteller Daniel Hellmann. Die Begründung der Galerie sei gewesen, dass die Künstlerinnen für die nächste Ausstellung bereits die Räume brauchen an dem Tag. «Das klingt natürlich sehr stark nach einer Ausrede.» Weitere Spielorte sagen der Dragqueen ab. Sie muss mit ihrem Bühnenpartner «Piano Prince» Ersatz suchen. «Es war wirklich wie ein Hürdenlauf.»

Ursprünglich gebuchte Lokale wollen «Soya the Cow» plötzlich nicht mehr auf ihren Bühnen. So auch in Kunming, der Partnerstadt Zürichs. Die Veranstalter hier begründeten die Absage mit einem Anruf der Polizei.

Die Crew fand einen Ersatzort. «Der ist dann aber auch wieder abgesprungen und dann war es wirklich sehr unklar. Können wir überhaupt irgendwo die Show machen?», sagt Hellmann.

Neben der Repression gibt es Förderung

Die Schweizer Dragqueen wird auf ihrer Reise durch China immer wieder mit Widersprüchen konfrontiert. «Ich musste total lachen. Nach all diesen Problemen treffen wir zum Beispiel ganz viele Künstlerinnen», sagt Hellmann.

Ich habe seit sechs Monaten nichts mehr in Shanghai gemacht, weil es unmöglich ist. Dragqueens sind in China ein heikles Thema.
Autor: Dragqueen aus Shanghai

Eine davon sei eine 57-jährige Person gewesen, die seit 30 Jahren Drag in Kunming mache. «Und ich frage: Wie machst du das? Sie sagt: Meistens im Auftrag von der Regierung für HIV-Prävention.»

Gängeln und Fördern können in China nebeneinander existieren. «Da gibt es irgendwie viel mehr Zwischentöne, die man von aussen nur schwer lesen kann», sagt der Drag-Künstler dazu.

Passt nicht ins konservative Weltbild der Regierung

Einfacher zu erkennen ist, dass die Repression zu und die Förderung der queeren Subkultur abnimmt – insbesondere in den letzten Monaten und Jahren. So sagt eine international bekannte Dragqueen aus Shanghai. «Ich habe seit sechs Monaten nichts mehr in Shanghai gemacht, weil es unmöglich ist. Dragqueens sind ein heikles Thema.»

Heikel, weil sie nicht ins konservative Gesellschaftsbild der Regierung passen und sie angeblich westliche und damit dekadente Werte repräsentieren. Noch vor einigen Jahren gab es in Shanghai jede Woche irgendwo eine Drag-Show. Während des Pride-Monats gab es zahlreiche Anlässe und die queere Community war sichtbar im öffentlichen Leben.

Drag-Werbung für internationale Marken ist passé

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«Ich erinnere mich, dass ich 2019 Werbespots für grosse internationale Marken gedreht habe, die auf riesigen Bildschirmen an Shanghais bekanntester Shoppingmeile gezeigt wurden», sagt die Dragqueen aus Shanghai. «Die Marken kamen jedes Jahr für die Pride-Monat-Kampagnen auf uns zu. Doch all das verschwand innert weniger Jahre nach dem Ende der Pandemie.»

Die Shanghaier Dragqueen tritt heute nur noch im Ausland auf. Nicht nur die Drag-Shows sind verschwunden, auch Schwulen- und Lesbenbars werden geschlossen, queere Anlässe unterbunden und Ausstellungen mit homosexuellem Bezug von den Behörden gestoppt.

Person mit Mikrofon und auffälligem Outfit auf der Bühne; im Hintergrund jemand am Klavier.
Legende: Die Schweizer Dragqueen «Soya the Cow» konnte schliesslich doch noch mit Bühnenpartner «Piano Prince» in Kunming auftreten. SRF/Samuel Emch

Zurück im Lokal in Kunming. Dank vieler Unterstützung von lokalen Szene-Kennern, kreativen Veranstaltern und zusätzlichen Vorsichtsmassnahmen kann die Schweizer Dragqueen dann doch noch auftreten. An einem späten Nachmittag in einer Bar, deren Scheiben abgedeckt wurden, um sowohl das Licht als auch neugierige Blicke fernzuhalten. Das chinesische Publikum ist entzückt.

Reaktionen auf die Schweizer Performance

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«Ich mochte es sehr. Es war sexy, crazy, humorvoll. Ich könnte noch viele weitere positive Dinge sagen», sagt ein Besucher. Eine hörbar berührte Besucherin sagt, sie habe auch Angst gehabt. «Ich dachte, die Polizei taucht auf und stoppt das Ganze. Ich war so besorgt. In unserer Community können wir nichts in den sozialen Medien posten, weil sonst sofort jemand kommt und uns sagt, solche Aktivitäten seien nicht erlaubt. Deshalb bin ich so glücklich, dass dieser Auftritt stattgefunden hat.»

Trotz Schikanen: Noch findet die queere Community in China Freiräume. Doch diese werden zusehends weniger.

Echo der Zeit, 23.6.2026, 18 Uhr; bitd

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