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Regime unter Druck Trump will Optionen gegen Iran prüfen

  • Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs ruft die Iranerinnen und Iraner zu weiterem Widerstand gegen das Regime auf.
  • US-Präsident Donald Trump sagte derweil, dass die USA «einige sehr drastische Optionen» prüfen würden.
  • Trump erwägt zudem, die Demonstranten im Iran mit Satelliteninternet zu unterstützen.

Angesichts der Massenproteste im Iran gegen die autoritäre Staatsführung erhöht Trump den Druck auf die Islamische Republik. «Der Iran will verhandeln», sagte er an Bord der Air Force One vor Journalisten. Man werde sich vielleicht mit Vertretern des Irans treffen. Worüber der Iran mit den USA Gespräche führen möchte, führte er nicht aus.

Person im Anzug im Flugzeug von mehreren Mikrofonen umgeben.
Legende: Der Iran hat die USA nach Angaben von Präsident Donald Trump um neue Verhandlungen gebeten. Die iranische Führung habe ihn am Samstag angerufen, sagte er an Bord des Regierungsflugszeugs Air Force One vor Medienschaffenden. REUTERS/Nathan Howard

Nach Informationen des «Wall Street Journal» ist am Dienstag ein Treffen mit ranghohen Beamten geplant. Dabei soll es um mögliche Optionen gehen, darunter die Stärkung regierungsfeindlicher Online-Quellen, den Einsatz von Cyberwaffen gegen iranische Militär- und Zivilstandorte sowie weitere Sanktionen gegen die Staatsführung und Militärschläge. Es wird aber nicht erwartet, dass Trump bei dem Treffen eine endgültige Entscheidung trifft.

Trump erwägt zudem, die Demonstrierenden im Iran mit Satelliteninternet zu unterstützen. Er wollte noch am Sonntag (Ortszeit) mit Tech-Milliardär Elon Musk telefonieren, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink betreibt. Irans Staatsführung hat den Internetzugang für die Menschen fast vollständig gesperrt, auch Telefonverbindungen schienen teils nicht mehr zu funktionieren. Damit will sie die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren.

Nach Angaben von Aussenminister Abbas Araghtschi ist die Lage im Iran vollständig unter Kontrolle. Seit der Warnung von Trump vor einer militärischen Reaktion der USA seien die Proteste in Gewalt umgeschlagen, um dafür einen Vorwand zu liefern, teilte er am Montag mit. Der Iran sei bereit zu einem Krieg, aber auch zu Dialog. Das Internet werde in Absprache mit den Sicherheitskräften wieder eingeschaltet, erklärte er.

Aufruf zu weiteren Protesten

Derweil rief Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung zur nächsten Phase des Aufstands auf, «um die Islamische Republik zu stürzen». Neben der Besetzung zentraler Strassen in Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die Staatspropaganda und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, «legitime Ziele», erklärte er auf X. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, inwieweit man im Iran seine Forderungen zu sehen bekommt.

Auto mit rot-weiss-grüner Flagge fährt vorbei
Legende: Auch in London unterstützen Demonstrantinnen und Demonstranten die landesweiten Proteste im Iran (11. Januar). Keystone/EPA/NEIL HALL

Aus seinem Exil in den USA beansprucht er eine Führungsrolle in der Opposition. Wie viel Unterstützung er im Iran hat, ist unklar.

Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 186 Städte ausgeweitet. 483 Demonstrantinnen und Demonstranten seien getötet worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Insgesamt seien bisher 544 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder sowie 47 Sicherheitskräfte. Rund 10'700 Menschen seien festgenommen worden, hiess es weiter. Die Angaben der Organisation liessen sich unabhängig nicht überprüfen.

Internationale Kritik an Irans Vorgehen wird laut

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UNO-Generalsekretär António Guterres forderte ein Ende der staatlichen Gewalt gegen die Demonstranten. Er sei «schockiert» angesichts der Berichte über die Gewalt, schrieb er auf X und forderte «maximale Zurückhaltung» der Sicherheitskräfte. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola ermunterte die Demonstrierende, die Proteste fortzusetzen. «An die mutigen Mädchen, Studenten, Männer und Frauen auf den Strassen: Das ist eure Zeit», schrieb sie in sozialen Medien. Sie rief die Staatsführung auf, den Kurswechsel einzuleiten.

Auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Gewalt iranischer Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten als «unverhältnismässig» und «brutal» verurteilt. «Ich rufe die iranische Führung auf, ihre Bevölkerung zu schützen, statt sie zu bedrohen», sagte Merz bei seinem Besuch in Indien. Merz würdigte ausdrücklich den Mut der Demonstranten. Sie würden friedlich für Freiheit in ihrem Land demonstrieren, und das sei ihr gutes Recht.

«Die Lage hier ist sehr, sehr schlimm», zitierte auch der britische Sender BBC eine Quelle in Teheran am Sonntag. Die Sicherheitskräfte hätten mit scharfer Munition geschossen. «Es ist wie in einem Kriegsgebiet, die Strassen sind voller Blut. Sie transportieren die Leichen in Lastwagen ab», hiess es. Die Angaben konnten nicht überprüft werden.

Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warf zuvor der Protestbewegung vor, eine Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die «Feinde» müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte er laut Übersetzung des Propagandakanals Press TV. Trump hatte Teheran wiederholt vor der Tötung von Demonstranten gewarnt.

Lage im Iran lässt Gold auf Rekordhoch steigen

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Wegen der sich zuspitzenden Lage im Iran ist Gold zum Wochenauftakt auf ein Rekordhoch gestiegen. In der Nacht auf Montag kletterte der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31.1 Gramm) bis auf fast 4600 US-Dollar.

Silber verteuerte sich um knapp fünf Prozent auf 83.50 Dollar und lag damit nur noch rund einen halben Dollar unterhalb des Rekordhochs von Ende 2025. Händler führten die Gewinne bei den Edelmetallen primär auf die Situation im Iran zurück. Zudem nannten einige Experten mit Blick auf die Gewinne beim Gold auch die zunehmenden Sorgen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank als Grund.

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SRF 4 News, 12.1.2026, 4 Uhr ; 

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