Wenn Autokraten mit einer äusseren Gefahr konfrontiert sind, reagieren sie oft mit Härte nach innen. Dieses Muster zeigt sich derzeit deutlich in Bahrain. Nachdem iranische Raketen in der Hauptstadt Manama einschlugen, richtete sich die Reaktion des Königshauses nicht gegen Teheran, sondern gegen die eigene Bevölkerung.
Laut Sayed Ahmed Alwadaei von der Menschenrechtsorganisation BIRD gab es eine massive Verhaftungswelle gegen jene, die sich in sozialen Medien zu den Angriffen geäussert hatten. Zudem durchsuchte die Polizei die Häuser Dutzender schiitischer Geistlicher unter dem Verdacht, sie würden mit dem Iran kooperieren.
Schiiten die Staatsbürgerschaft entzogen
Die Behörden in Bahrain sprechen offiziell von 41 Verhafteten mit Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden. Menschenrechtsaktivist Alwadaei steht mit Dutzenden in Kontakt, denen die Staatsbürgerschaft entzogen wurde – allesamt Schiiten, oft iranischer Herkunft, deren Familien seit Generationen in Bahrain leben.
«Wenn iranische Raketen das Land treffen, dient dies den Behörden als Rechtfertigung, um gegen Schiiten vorzugehen», so Alwadaei. Der Verlust der Staatsbürgerschaft bedeutet für die Betroffenen, alles zu verlieren: den Zugang zu staatlichen Stellen, zu kostenloser Gesundheitsversorgung und zum Schulwesen. Da die meisten keine zweite Nationalität besitzen, sitzen sie im eigenen Land fest oder werden bei Ausreiseversuchen zurückgeschickt.
Klima der Angst in der ganzen Region
Bahrain ist kein Einzelfall. Wie die Organisation Amnesty International dokumentiert, haben Behörden in den gesamten Golfstaaten über 1000 Menschen festgenommen, weil sie Meinungen zum Krieg teilten oder mit Opfern im Iran sympathisierten. Besonders repressiv zeigt sich Kuwait: Seit Februar wurde über 1200 Personen die Nationalität entzogen, oft ohne Angabe von Gründen.
Das harte Vorgehen der Führung in Saudi-Arabien lässt den Menschen kaum eine andere Wahl, als zu schweigen.
Dies schaffe ein Klima der Angst, sagt Dana Ahmed von Amnesty International. Selbst wer Aufnahmen davon gemacht habe, wie iranische Raketen in den Glitzermetropolen am Golf einschlugen, wurde verhaftet.
«Die Golfstaaten nutzen das harte Vorgehen, um die öffentliche Meinung zu kontrollieren», sagt Dana Ahmed. Während Bahrain und Kuwait zumindest Zahlen angeben, gäben sich die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar weitaus bedeckter.
Aus Saudi-Arabien sei es praktisch unmöglich, unabhängig zu ermitteln. «Das harte Vorgehen der Führung in Saudi-Arabien lässt den Menschen kaum eine andere Wahl, als zu schweigen», sagt Ahmed.
Die Repression ist nicht neu
In den Jahren von 2017 bis 2021, während der Krise zwischen Katar und den anderen Golfstaaten, sei Saudi-Arabien ähnlich hart gegen Menschen vorgegangen, die ihre Sympathie für Katar bekundet oder sich zur diplomatischen Krise geäussert hätten. «Es gibt durchaus Parallelen dazu, wie die Golfstaaten heute mit jeglicher Sympathie für den Iran umgehen», sagt Dana Ahmed von Amnesty International.
In der jüngsten Krise hielten die Golfstaaten nach aussen die Friedensfahne hoch. Nach innen aber, gegen die eigene Bevölkerung, gingen die Herrscher am Golf umso härter vor.