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Arbeiten in den Golfstaaten Iran-Krieg trifft Arbeitsmigranten in den Golfstaaten hart

Der Iran-Krieg bringt Arbeitsmigranten in den Golfstaaten in Lebensgefahr. Viele bleiben dennoch, um ihre Familie zu ernähren.

Arjun wohnt und arbeitet seit Jahren in der Nähe von Doha, der Hauptstadt Katars. Ganz in der Nähe ist ein US-Militärstützpunkt. «Der Iran hat den Stützpunkt mit Raketen angegriffen», sagt der Nepalese, der für einen Lieferdienst arbeitet. «Wir haben das viele Male aus nächster Nähe beobachtet.»

«Wir», das sind rund 50’000 Migranten, die in einer Stadt nur für ausländische Arbeiter wohnen. «Natürlich hatten wir alle Angst», sagt der 31-Jährige, der seinen richtigen Namen aus Angst vor Repressionen seines Arbeitgebers für sich behält.

Viele reiche Anwohner und Touristinnen sind wegen des Iran-Krieges längst aus den Golfstaaten geflüchtet; vielen schlecht verdienenden ausländischen Helfern bleibt jedoch keine andere Wahl: Sie müssen bleiben.

Arjun ist einer von über 31 Millionen Arbeitsmigrantinnen und -migranten in den Golfstaaten. Wie viele seiner Landsleute verliess er die Heimat, weil es im armen Nepal zu wenig Arbeit gibt. Mit seinem Verdienst finanziert Arjun zu Hause eine Grossfamilie.

Auch für das Land Nepal sind die Rücksendungen von Arbeiterinnen und Arbeitern aus dem Ausland die wichtigste Einnahmequelle. Doch der Iran-Krieg bringt alles durcheinander. Menschenrechts­organisationen wie Equidem Nepal sorgen sich auch um die Sicherheit der Arbeiter. Migrantinnen und Migranten würden oft einfach schutzlos in den Gastländern zurückgelassen, sagt Deepika Thapaliya, die die Situation der Arbeitsmigranten begleitet.

Gebäudereiniger am Glasgebäude mit Seilen und Eimern.
Legende: Über 31 Millionen Arbeitsmigrantinnen und -migranten arbeiten in den Golfstaaten. Sie halten die Wirtschaft am Laufen. (13.7.2022) Symbolbild/REUTERS/Mohammed Salem

Viele seien in einer schrecklichen Lage. Das sei keine ganz neue Erkenntnis, sagt die Anwältin. Der Krieg bringe sie aber erneut ans Licht. Schon vor der Iran-Krise seien viele Arbeitsmigranten am Golf ihren Arbeitgebern schutzlos ausgeliefert gewesen. Grund sei das in den Golfstaaten verbreitete Kafala-System.

Es bedeute, dass die meisten Migrantinnen und Migranten nichts ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers machen könnten. Ohne diese Zustimmung dürften sie das Land auch in Zeiten des Krieges nicht verlassen. Oft würden auch die Pässe einkassiert. Andere könnten nicht weg, weil sie hohe Schulden hätten.

«Viele Migranten haben vor der Abreise einen Kredit aufgenommen», sagt Thapaliya. Denn für das Versprechen eines Arbeitsplatzes am Golf lassen sich Vermittlungsagenturen in Ländern wie Nepal gut bezahlen, auch wenn das illegal ist.

Krieg verschärft wirtschaftliche Not

Für Arbeitsvermittler wie Kamal Yadav aus Kathmandu ist die Vermittlung ein lukratives Geschäft. Das änderte sich mit dem Iran-Krieg. Der Krieg mache zu viele Probleme, sagt Yadav. Arbeitgeber am Golf hätten Aufträge storniert und liessen im Moment keine Arbeiter mehr rein. Und ausländische Arbeitskräfte, die schon dort seien, würden oft nicht mehr bezahlt und bekämen nur noch schlechtes Essen.

Angesichts der verzweifelten Situation vieler Arbeitsmigrantinnen und -migranten in den Golfstaaten haben Menschenrechts­organisationen wie Equidem Nepal und Human Rights Watch Regierungen der Entsende- und Gaststaaten aufgerufen, zu helfen. Nepal hat einige Flugzeuge geschickt. Die Golfstaaten haben, soweit bekannt, nicht reagiert.

Zwischen Angst und Not

Arjun, der die Raketenangriffe in Doha aus nächster Nähe mitverfolgt hat, ist zwar nach Nepal zurückgekommen, aber er will nicht lange bleiben. Natürlich habe er Angst vor den Bomben, sagt der Familienvater. Aber ihm bliebe keine andere Wahl. Er müsse zurück, um die Familie zu unterstützen.

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Echo der Zeit, 19.4.2026, 18 Uhr

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