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«Kreml hat gezeigt, dass er unerbittlich ist»
Aus Tagesschau vom 17.01.2021.
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Rückkehr nach Moskau Nawalnys Durchhaltewillen ist Segen und Fluch zugleich

Seine Ankündigung heute Sonntag nach Russland zurückkehren zu wollen, kam kurzfristig Mitte dieser Woche. Doch, dass der Tag für seine Rückkehr einst kommen würde, stellte Alexej Nawalny nie infrage. In seiner Videobotschaft begründet Russlands bekanntester Oppositioneller Nawalny seine Rückkehr unter anderem auch mit den Worten: «Nach Deutschland zu reisen, habe ich mir nicht ausgewählt. Es ist ein tolles Land! Ich bin hier aber nicht aus freiem Willen, sondern weil man mich versucht hat zu töten.»

Auf den ersten Blick scheint es schwer nachvollziehbar, weswegen Nawalny nach Russland zurückkehrt, gerade weil der Staat ihn nachweislich versuchte mit einem Nervenkampfstoff zu töten. Seine Unterstützer reagieren zwar mehrheitlich mit Jubel auf die Ankündigung der Rückkehr, doch es mischte sich auch Angst in die Kommentare unter seiner Videobotschaft und die Frage weshalb er zurückkommen wolle.

Kein Geschenk für seinen Gegner

Ein Blick zurück auf Alexej Nawalnys politische Laufbahn zeigt deutlich, dass es ein Bruch mit seinen Prinzipien wäre, würde er im Exil in Deutschland bleiben. In einem Interview mit dem liberalen TV-Kanal «Doschd» sagte er bereits vor acht Jahren, dass er nicht beabsichtige aus Russland auszureisen, obwohl der Staat damals bereits gegen ihn ein umstrittenes Strafverfahren vor Gericht einleitete. «Eines Tages werden gegen Putin und sein Umfeld Strafverfahren eingeleitet. Irgendwann werden wir siegen und dann werden wir sie ins Gefängnis bringen.»

Dass der Staat im vergangenen Sommer so weit ging und ihn versuchte mit einem verbotenen Nervenkampfstoff zu töten, scheint an Nawalnys Position nichts verändert zu haben. Der Schluss liegt nahe, dass es für ihn unmöglich scheint, an dieser Überzeugung zu zweifeln. Seinem grössten politischen Gegner Wladimir Putin würde Alexej Nawalny unter keinen Umständen das Geschenk machen, sich im Ausland aufzuhalten. Ein Leben in Deutschland würde Nawalny für den Kreml zwar nicht aus der Welt schaffen, aber immerhin in weite Ferne.

Sein Wort gehalten

Wiederholt wurde Nawalny in der Vergangenheit für abschätzige Äusserungen zu Migranten aus Zentralasien kritisiert, oder seine Haltung zur Zukunft der Krimhalbinsel, deren Rückgabe an die Ukraine er ausgeschlossen hat. Seine Reden in der ersten Hälfte seiner politischen Laufbahn waren deutlich aggressiver als seine heutigen Auftritte und stellten ihn in ein Licht rechts der Mitte. Doch die politische Rechte ist keine Basis, die Nawalny grosse Unterstützung bringt in Russland. Diese wurde von Wladimir Putin nach 2012 zuerst gespalten und dann fast vollständig einverleibt.

Man mag Nawalny zu Recht Populismus vorwerfen. Doch im Unterschied zu Wladimir Putin hat Nawalny keine Glaubwürdigkeit verspielt, sondern ist bei seinem Wort geblieben. Dass Nawalny sich nicht von seiner Rückkehr abbringen lässt, ist Zeichen seines Durchhaltewillens. Ein Segen und ein Fluch zugleich.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

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Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR.

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Nawalny nach Rückkehr in Moskau festgenommen
Aus Tagesschau vom 17.01.2021.
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Tagesschau, 17.01.2020, 13:00 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Peter M Haller  (Peter M Haller)
    Ich habe mich immer gefragt, weshalb N so wichtig ist. Die Antwort habe ich in Wolfgang Bittners «der Neue Ost-West-Konflikt» gefunden. Er meint: «Die Russen, auch sie wollen keinen Krieg, auch sie wollen friedlich leben, sie brauchen weder Streit noch Sieg, den Vätern haben sie vergeben». Er beschreibt unseren Blick auf Russland aus einer anderen Perspektive … und macht dadurch klar, weshalb N so zentral für den Westen ist.
  • Kommentar von Peter M Haller  (Peter M Haller)
    RT (Russian Television) meldet heute früh in einem längeren Beitrag die Verhaftung von N mit einer Szene, wo sich seine Frau mit einem Kuss von ihm verabschiedet. Die Verhaftung erfolgte wegen Nichteinhalten der Meldeauflagen: Er ist wegen Veruntreuung von fast 5 Mio. USD Spendengeldern für private Zwecke auf 4½ Haft verurteilt. Ich denke, es ist auch eine Vorsichtsmassnahme: ein erneuter Anschlag auf N ist das letzte was Putin und seine Regierung gebrauchen können.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @Manuel Meier
    Sie sagen es genau,
    auch Navalny steht nicht über dem Gesetz.
    Irgendwer hat geschrieben in seinem Kommentar zu diesem Drama «  die Konservativen in der RF waeren die Anhänger von Navalny, wenn dem so ist, dann sind es alte Kommunisten, welche die UDRSS herstellen wollen. Kann das das Ziel sein, Ganz Russland
    in die Unfreiheit neu zu bringen ? Kann das der Wunsch der
    Schweizer sein?