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Neue Recherchen im Fall Nawalny
Aus Echo der Zeit vom 14.12.2020.
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Medien-Recherchen Acht Agenten sollen hinter Anschlag auf Alexej Nawalny stecken

Acht russische Geheimdienstagenten sollen nach Recherchen mehrerer Medien den Giftanschlag auf den Kremlkritiker verübt haben.

Darum geht es: Das Nachrichtenmagazin «Spiegel» veröffentlichte am Montag acht Namen von mutmasslichen Mitarbeitern des Inlandsgeheimdienstes FSB. Diese sollen den Giftanschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny im August verübt haben. Das Magazin stützt sich nach eigenen Angaben auf gemeinsame Recherchen mit der Investigativplattform «Bellingcat», «The Insider» und dem US-Nachrichtensender CNN. Nawalny verbreitete ebenfalls die Berichte: «Ich weiss, wer mich töten wollte», sagte er und veröffentlichte zudem Fotos von acht Männern.

Der Anschlag auf Alexej Nawalny

Nawalny ist am 20. August mit einem in der Sowjetunion entwickelten chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Er war auf einem Inlandsflug zusammengebrochen. Nach längeren Verhandlungen konnte er nach Berlin zur Behandlung ausgeflogen werden. Der Kremlkritiker hat nur knapp überlebt und hält sich nach wie vor in Deutschland zu einer Reha-Massnahme auf. Nach seiner Genesung will er wieder nach Russland zurückkehren.

Jahrelange Beschattung von Nawalny: Die mutmasslichen Beteiligten seien nach Auswertung von Mobilfunk-Verbindungen, GPS- und Standortdaten von mehr als einem Dutzend FSB-Agenten sowie Analysen zahlreicher Passagierlisten russischer Linienflüge identifiziert worden, schreibt der «Spiegel». Dadurch lasse sich auch nachvollziehen, dass Nawalny bereits seit 2017 im Visier dieser Männer gestanden haben soll.

Wenn diese Informationen alle stimmen, dann kann man nur zum Schluss kommen, dass es der russische Geheimdienst war, der Nawalny vergiftet hat.
Autor: David NauerRussland-Korrespondent von SRF

Die Agenten seien immer wieder zu Terminen des Oppositionellen gereist – und waren auch in seiner Nähe, als er in Sibirien vergiftet wurde. Die Agenten sollen zum Teil Experten sein für chemische Kampfstoffe, oder sie standen in engem Kontakt mit Instituten, die rund um chemische Kampfstoffe forschen. «Wenn diese Informationen alle stimmen, dann kann man nur zum Schluss kommen, dass es der russische Geheimdienst war, der Nawalny vergiftet hat», sagt SRF-Korrespondent David Nauer.

nawalny
Legende: Alexej Nawalny wurde in der Berliner Charité behandelt. Russland wies mehrfach eine Verwicklung in den Fall zurück und betonte, dass alle staatlichen Nowitschok-Bestände vernichtet worden seien, das Rezept aber längst auch im Westen bekannt sei. Keystone via Instagram

Recherche ist glaubwürdig: Die Journalistinnen und Journalisten haben Daten von russischen Behörden bekommen. Wie, ist unklar. Klar ist: Es gibt im russischen Internet einen Schwarzmarkt für jegliche Art von Daten – Mobilfunkdaten, Autonummern, Adressen, Passdaten. «Oft sind es korrupte Beamten, welche solche Informationen verkaufen», sagt Nauer. «Im Detail kann ich die Informationen des Journalistennetzwerkes nicht überprüfen. Aber die Angaben dazu, wie sie zu den Infos gekommen sind, tönen plausibel.»

Video
Archiv: Erstes Video-Interview von Nawalny nach seiner Vergiftung
Aus SRF News vom 08.10.2020.
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Moskau wollte noch nicht ermitteln: Kremlchef Wladimir Putin hatte erst vergangene Woche gesagt, er sehe noch keine Voraussetzungen für Ermittlungen in Russland. Moskau wolle erst ermitteln, wenn es Beweise für ein Verbrechen gebe. Bislang seien sie aber nicht aus dem Ausland vorgelegt worden, meinte Putin. «Auch wenn eine Person fast gestorben ist, heisst das nicht, dass man in jeden Fall ein Strafverfahren eröffnen muss.»

«Stümperhaftes Vorgehen» der Agenten: Russlands Geheimdienst FSB musste annehmen, dass es möglich ist, seine Taten zu verfolgen. Das Vorgehen der Agenten wirke stümperhaft, so Nauer. «Man kann nur spekulieren: Entweder sind die Leute einfach inkompetent, oder sie sind nicht fit genug, wenn es um digitale Technologien geht, also eher so Old-School-Spione. Kann auch sein, dass sie dachten, es sei egal, wenn sie erwischt würden – die Antwort bleibt offen.»

Echo der Zeit, 14.12.2020, 18 Uhr;

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Zingg  (Beat Zingg)
    Ich bin schon ein bisschen irritiert, wie viele Russland und Putin-Fans hier an Bord sind. Da wird gegen die westlichen Medien die Nase gerümpft und scheinbar total übersehen, dass wer in Russland gegen Putin antritt, dem Tod geweiht ist. Dass man bei einer versuchten Tötung kein Verfahren eröffnet, scheint hier für gewisse Trolle? auch kein Problem zu sein. Für was auch. Wenn das Onkel Putin nicht für nötig hält. Wir hier haben Medienvielfalt. Das hat die Diktatur in Russland nicht.
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    1. Antwort von John Livers  (John Livers)
      Beat Zingg, gar so schlimm ist es in Russland nicht, wer nicht Verbrochen hat, hat auch in Russland nichts zu befürchten. Anderseits, wenn vom Westen ein Iranischer General, oder ein Iranischer Wissenschaftler ermordet werden, spielt das keine Rolle, waren ja sowieso die Bösen?
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    2. Antwort von Peter Steiner  (Stein des Anstosses)
      Lieber Herr Zingg,
      man sollte eine Kritik an Copy-Paste Journalismus nicht einfach mit Putin-Sympathie gleichsetzen. Ich denke auch, es begreifen doch einige Menschen, dass die Wahrheit nicht immer so klar ist wie es oft dargestellt wird und dass grad in der Ost-West-Fernost Politik sehr viele Interessen die Nachrichten bzw. Wahrnehmung beeinflussen - hüben wie drüben.
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    3. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Livers: Am Tod der zwei Iraner war nicht der sogenannte Westen beteiligt sondern möglicherweise die USA und Israel. Es gibt keinen geeinten Westen sonder mehrere demokratisch regierte Länder die wegen einer ähnlichen Gesinnung häufig zusammenarbeiten. Dies heisst aber noch lange nicht das alle gleich ticken, dieser Westen wie Sie Ihn nennen existiert nicht.
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    4. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @J.Livers
      Es ist schon ein gewisser Unterschied ob ein Staat sozusagen im Kriegszustand ausserhalb seines Staatsgebietes einen fremden Bürger umbringt oder umbringen lässt, oder ob ein Staat einen eigenen Bürger auf dem eigenen Boden zu liquidieren versucht, oder zuschaut, wie das geschieht. Im letzteren Falle wäre dann die Ineffizienz der russischen Sicherheitsbehörden zu thematisieren - unter deren Nase das Attentat stattfand! In beiden Möglichkeiten sieht das Regime schlecht aus.
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    5. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Steiner: Nur weil verschiedene Medien ähnlich berichten heisst das noch lange nicht das es copy-paste ist. Ich nutze z.B. das Fernsehen und Radio des SRF und ARD genauso wie Zeitungen wie z.B. die Luzerner Zeitung, Zürcher Zeitung, Zeitungen der AZ Medien. Da gibt es so viele Unterschiede in der Berichterstattung dass man nicht von einem Meinungsblock reden kann.
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    6. Antwort von John Livers  (John Livers)
      Alex Volkert, es bleibt dasselbe Verbrechen ob es nun Israel oder die USA waren. Aber den Westen gibt es natürlich: Noch nie was von der grössten und aggressivsten Armee namens NATO gehört? Die in Afrika im nahen Osten aber auch in Afghanistan kämpfen.
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    7. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Livers: Natürlich sagt mir die NATO etwas. Die Nato ist aber nicht der von Ihnen erwähnte Westen sondern ein Verteidigungsbündnis. Dieses Bündnis entstand unter anderem um die Sowjetunion zu bekämpften. Einen geeinten Westen gibt es nicht, was man z.B. beim zweiten Golfkrieg und beim Umgang mit dem Iran sehen kann.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    So glaubwürdig wie das Steel-Dossier und die Russlandaffäre.
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    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Die Russlandaffäre ist keine Erfindung oder wie würden Sie die darauf gefolgten Anklagen und Schuldsprüche erklären?
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  • Kommentar von Hans Peter Auer  (Ural620)
    Ich empfehle Allen, bevor Sie sich eine Meinung bilden, dass knapp 52 Minuetige Video auf youtube anzusehen, welches auf der Website von Nawalny aufgeschaltet ist. Das Video ist in russischer Sprache und bei Bedarf mit englischen Untertitel verfuegbar.
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