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Rücktritt von Premier Turnbull Das vorläufige Ende eines Machtkampfes

Der Rücktritt von Premierminister Malcolm Turnbull am Freitag war keine Überraschung, sondern das vorläufige Finale eines Kampfes zwischen den Liberalen in der Liberalen Partei Australiens und dem ultrakonservativen Flügel, angeführt von Tony Abbott. Er war der Premierminister, den Turnbull 2015 geputscht hatte. Das hat ihm Abbott nie vergeben: Und: Das hat ihm die mächtige Rechte in seiner Partei nie vergeben.

Turnbull war ein Hoffnungsträger. Er war mit grossen Erwartungen ins Rennen gegangen – zu grossen vielleicht. Seine vermeintliche progressive Haltung, sein Versprechen, entschieden gegen Klimawandel vorzugehen, sein joviales, charmantes Auftreten, seine zweifelsohne bemerkenswerte Intelligenz, sie machten den Multimillionär und Ex-Investmentbanker selbst für nicht-konservative Wähler attraktiv. Doch kaum im Amt wandelte er sich.

Er warf ein Prinzip nach dem andern über Bord und driftete immer mehr in Richtung Rechts. Aus einem Grund: um die aggressive Rechte zu besänftigen. Genützt hat es ihm nichts. Am Schluss hatte er keine Freunde mehr – weder links noch rechts.

Scott Morrison ist sicher deutlich konservativer, als Turnbull es war, allem voran in sozialen Fragen. Aber er ist nicht so extrem, wie Turnbull-Herausforderer Peter Dutton gewesen wäre – ein machtbesessener Hardliner in fast jeder Beziehung, der als Innenminister buchstäblich über Leichen ging. Unfälle, Morde und vor allem Selbstmorde: Unter seiner Führung sind in Internierungslagern ein gutes Dutzend Flüchtlinge gestorben.

Morrisons Politik ist stark getrieben von seinem christlichen Glauben. Er ist Mitglied einer Freikirche, die von Kritikern als Sekte bezeichnet wird. Nicht, dass ihn das zum Humanisten gemacht hätte. Die Verschärfung der von Kritikern als «Folter» bezeichneten Politik der Zwangsinternierung von Flüchtlingen begann unter Morrison.

An diesem historischen Tag glauben einige Beobachter nicht, dass Scott Morrison lange Ruhe haben wird. Tony Abbott wird ihm über die Schulter schauen. Eine frühere Wegbegleiterin Abbotts hat es am Freitag am australischen Fernsehen so ausgedrückt: «Tony Abbott wird erst zufrieden sein, wenn er das hat, was er will. Und Abbott will nur eines: wieder Premierminister sein.»

Urs Wälterlin

Urs Wälterlin

SRF-Mitarbeiter in Australien

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Der gebürtige Basler Urs Wälterlin, Link öffnet in einem neuen Fenster lebt seit 1992 in der Nähe der australischen Hauptstadt Canberra. Er berichtet von dort für SRF über Australien, Neuseeland und Ozeanien.

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