Zum Inhalt springen

Header

Video
Erfolgreiche russische Impfdiplomatie in San Marino
Aus Tagesschau vom 20.04.2021.
abspielen
Inhalt

Russische Impfdiplomatie San Marino hat die Herdenimmunität bald erreicht – dank Sputnik V

Noch vor wenigen Monaten führte die Republik San Marino bei der Todesrate die Statistiken in der Corona-Pandemie weltweit an: insgesamt 88 Tote bei knapp 34’000 Einwohnern und über 5000 Ansteckungen. 2020 starben in der Hochphase der Viruszirkulation an Covid-19 auf 100'000 Personen umgerechnet 230 Menschen. Im Vergleich waren es in der Schweiz in der zweiten Welle im Herbst rund 50.

Heute ist die Infektionsrate gleich null und die Restaurants sind auch abends wieder geöffnet. Die Wende kam mit 68’000 Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V, der seit Anfang April verabreicht wird. Bis Ende Mai sollen alle Volljährigen in der Mini-Republik komplett geimpft sein.

Die EU und Italien hätten liefern sollen

Eigentlich sollte San Marino von Italien mit Impfdosen versorgt werden – bilateral vereinbart, wie auch Andorra mit Spanien oder Monaco mit Frankreich. Denn diese europäischen Kleinststaaten gehören nicht zur Europäischen Union und können deshalb auch nicht direkt am Brüsseler Verteilprogramm für Impfstoffe teilnehmen.

Doch noch im Februar war keine Lieferung aus Italien in Sicht. Der grosse Nachbar kämpfte selbst mit Impf-Engpässen.

Russland liefert innert Tagen

Da meldete sich der russische Botschafter und versprach Abhilfe. Über den Russian Direct Investment Fund (RDIF) sollte San Marino innerhalb weniger Tage den Impfstoff Gam-Covid-Vac alias Sputnik V erhalten. Am 23. Februar erfolgte eine erste Lieferung.

Am 7. April begleitete eine russische Delegation eine weitere grössere Lieferung und sorgte auch in Moskau für die nötige mediale Verbreitung: Sputnik V rette die Einwohner von San Marino, die von Italien und Europa einfach im Stich gelassen wurden – so die Nachricht:

In San Marino stehen die Einwohner Schlange für den Impfstoff Sputnik V. Der Gesundheitsdirektor des Spitals verbucht eine Impfung mit bislang wenigen bis keinen Nebenwirkungen – vergleichbar mit einer Grippeimpfung.

Kurz vor der Herdenimmunität

Mitten in Westeuropa wird der russische Covid-19-Impfstoff an die Bevölkerung eines ganzen Landes verabreicht, ohne dass die Europäische Arzneimittelbehörde EMA überhaupt einen genauen Zeitplan für dessen Zulassung in Aussicht stellen kann.

Die russische Impfdiplomatie in San Marino ist ein Erfolg. Mit vergleichbar wenig Aufwand steht mitten in Kontinentaleuropa der erste Staat kurz vor der Herdenimmunität. Das erhöht den Druck auch auf jene Staaten der EU, in denen immer mehr Menschen fordern, Sputnik V als zusätzlichen Impfstoff einzuführen.

Zwei Personen laufen zu einem Gebäude an einem Wegweiser Vaccino (Impfstoff)
Legende: Einwohnerinnen und Einwohner von San Marino unterwegs zum Spital, wo sie ihre Sputnik-V-Impfdosis erhalten. imago images

Tagesschau, 20.04.2021, 12:45 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Russland hat an mindestens 60 Länder den Impfstoff angeboten. Die EU Behörden gelten als lahm und ineffizient. San Marino gat einen sehr guten Link nach Russland. Fehlt dort in ein paar grossen Hotels Parmesan der Spitzenklasse liefert San Marino. Die kennen keine Boykotte und sind unabhängig von der EU.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die sind etwa so unabhängig von der EU wie Monaco und der Vatikan.
    2. Antwort von Andi Raschle  (aras)
      Herr Müller: Anbieten kann man immer. Das Problem sind die jeweiligen Zulassungsbestimmungen. Bei der EMA wurde im Februar 2021 das Rolling Review Verfahren zwecks Zulassung von Sputnik V eingeleitet. Bei Swissmedic liegt jedoch kein solches Gesuch für diesen Impfstoff vor und daher wird dieser vorläufig wohl auch nicht beschafft.
  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    Auf der einen Seite werden Europa Impfstoffe angeboten und auf der anderen Seite werden Truppen in die Ukraine verschoben. Das nennt man wohl Geopolitik. Ein Feind wird nicht mit Impfstoff beliefert, deshalb muss er zuerst zum Freund werden, um nicht mehr Feind werden zu dürfen.
    1. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      Nein, Russland hat der EU keine Impfstoffe angeboten. Einige Europäische Länder wollen den Impfstoff.
      Ich bezweifle so oder so, ob das zukunftsträchtig ist, da die Russische Produktion nicht allzu hoch ist (aber wird ausgebaut).
    2. Antwort von Andi Raschle  (aras)
      Herr Meier: Wenn Russland kein Interesse an Lieferungen in die EU hat, weshalb ist dann bei der EMA ein Zulassungegescuh eingegangen?
  • Kommentar von Silas Murer  (siLAN)
    Bin nicht ganz sicher, ist "ImpfdiMplomatie" ein Wortspiel oder Fehler?
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.
      Freundliche Grüsse, SRF News