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Ankara kauft in Moskau ein
Aus Tagesschau vom 12.07.2019.
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Russische Raketen eingetroffen «Erdogan zahlt einen hohen Preis»

Eine erste Lieferung des russischen Raketenabwehrsystems S-400 hat die Türkei erreicht. Jetzt muss das Land mit harten US-Sanktionen rechnen.

Russland hat mit der Lieferung des Raketenabwehrsystems S-400 an die Türkei begonnen. Das Milliarden-Rüstungsgeschäft zwischen Russland und dem Nato-Mitglied Türkei weckt den Zorn des Militärbündnisses – insbesondere jenen der USA.

Laut dem diplomatischen Korrespondenten von Radio SRF, Fredy Gsteiger, wird der Deal für die Türkei schwerwiegende Folgen haben.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

SRF-News: Warum kauft die Türkei die Luftabwehr-Raketen in Russland?

Fredy Gsteiger: Aus Verärgerung und aus Trotz. Seitdem die EU Ankara klargemacht hat, dass ein Beitritt der Türkei noch sehr lange auf sich warten lassen wird, ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verärgert. Das Verhältnis der Türkei zum Westen ist angespannt – zusätzlich auch wegen der westlichen Kritik an den autoritären Zügen der türkischen Regierung.

Langfristig dürften Russland und die Türkei eher Rivalen als Partner sein.

Erdogan sucht deshalb schon seit einiger Zeit eine Alternative zur Ausrichtung der Türkei auf den Westen. Im militärischen Bereich ist das Russland. Dazu gehört nun dieser Raketenkauf. Ob Russland und die Türkei langfristig aber gute Partner sind, ist allerdings fraglich. Im Schwarzen Meer, in Syrien in Zentralasien bestehen grosse Differenzen zwischen Moskau und Ankara. Langfristig dürften die beiden Länder deshalb eher Rivalen als Partner sein.

Erdogan und Putin.
Legende: Aus Verärgerung über den Westen paktiert Erdogan mit Putin. Doch Russland und die Türkei seien langfristig eher Rivalen als Partner, sagt Fredy Gsteiger. Reuters

Der Raketendeal verärgert die Nato, vor allem aber die USA. Was sind die Gründe?

US-Präsident Donald Trump geht es immer auch um die US-Rüstungsindustrie – immerhin geht es bei dem Raketenabwehr-Geschäft mit Russland um 2.5 Milliarden Dollar. Doch wichtiger ist das Problem der Zusammenarbeit unter den Nato-Staaten. Wenn sich die Türkei ein Abwehrsystem beschafft, das mit den Systemen der Partner nicht kompatibel ist, dann sind es viel schwieriger oder unmöglich, gemeinsame Operationen durchzuführen.

Die Nato befürchtet, dass Russland sie ausspionieren könnte.

Noch wichtiger aber ist, dass moderne, hochtechnologisierte Waffensysteme vernetzt sind und Russland durch das Raketenabwehrsystem Einblick in die Nato-Systeme erhalten könnten. Die Nato befürchtet also, dass Moskau ihre Systeme so ausspionieren könnte.

Ein Militärfahrzeug verlässt den Bauch eines Transportflugzeugs.
Legende: Erste Komponenten des russischen S-400-Systems sind in der Türkei eingetroffen. Keystone

Werden die USA den Kauf des Systems durch die Türkei einfach so hinnehmen?

Die USA haben konkrete Strafmassnahmen angedroht. Zwar hofft Erdogan, dass Trump darauf verzichten wird, was aber unwahrscheinlich ist. Sowohl im Pentagon als auch im US-Parlament herrscht die Meinung vor, Sanktionen gegen die Türkei seien notwendig.

Die Türkei bezahlt einen hohen Preis für den Kauf der russischen Raketen.

Bereits wurde die Lieferung von F-35-Kampfflugzeugen an die Türkei sowie die Ausbildung der türkischen Piloten für diese Jets gestoppt. Vermutlich wird die Türkei bei der Kooperation zum Bau des F-35 ganz rausgeworfen. Zudem sind Sanktionen im Finanz- und Visabereich denkbar. Sicher ist: Die Türkei und ihr Präsident bezahlen einen hohen Preis für den Kauf des russischen S-400-Systems.

Was heisst das für das Verhältnis zwischen der Nato und der Türkei?

Das Misstrauen zwischen der Nato und Ankara ist sowieso angespannt, die Türkei gilt als sehr schwieriger Partner. Noch ist man auf beiden Seiten, dass eine türkische Mitgliedschaft nach wie vor für beide Seiten von Vorteil ist. Doch langfristig ist immer weniger sicher, dass die Türkei auf den Westen ausgerichtet und damit Nato-Mitglied bleibt.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

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59 Kommentare

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  • Kommentar von kurt trionfini  (kt)
    Die Amerikaner beliefern die Saudis. Die Russen beliefern die Türken. Die Deal- Maker Trump und Putin können es gut mit ihresgleichen: Totalitär orientierten Machtinhabern.
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  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Präsident Erdogen hat 2013 die Patriot Variante bei Präsident Obama und Raytheon bestellt. Absage an Erdogan. Nach dieser Absage hat sich die Türkei umorganisiert und das weit leistungsfähigere Russische S-400 in den Katalog aufgenommen. Nach dem Attentat auf Erdogan wurde diese Variante mit den Russischen Militärs und Präsident Putin abgeschlossen. Die Nato Störer haben sich das ganz selbst eingebrockt. Das sieht auch Präsident Trump so der die türkischen Unterlagen genau studiert hat.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Erdogan sei verärgert, da der Westen zum Ausdruck gebracht habe, dass der Weg der Türkei in die EU noch sehr weit sei. -Selbstverständlich hat Erdogan nichts in der EU verloren. Das Dumme ist nur, dass insb. das Volk seine missliche Politik "ausbaden" muss (hat ihn leider gewählt). Ich hoffe, dass es im Weiteren mit Russland nichts wird; Putin ist keine gute Referenz. Das führt mich zur weiteren Frage: Welcher der Grossmachts-Herrscher ist denn überhaupt eine gute Referenz? Ich weiss keinen!!
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