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Das Militärmanöver Zapad-21 befeuert den Ost-West-Konflikt
Aus Echo der Zeit vom 10.09.2021.
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Russische Truppenübung Grossmanöver als Zankapfel zwischen Ost und West

28'000 Soldatinnen und Soldaten aus 26 Ländern nahmen in der ersten Jahreshälfte an den «Defender»-Manövern der Nato teil. In Osteuropa war der Schwerpunkt – insgesamt reichten sie jedoch von Nordamerika bis Spanien, vom Baltikum bis ans Schwarze Meer. Es ging primär darum, die schnelle Verlegung von Streitkräften zu üben, von den USA nach Europa und innerhalb Europas – bisher eine Schwäche der Nato.

Manöver sind das A und O des Soldatendaseins. Im Grunde gilt: Entweder sind Soldaten im Ernstfalleinsatz – oder sie sind am Üben für diesen Einsatz. Für die Nato, die aus einem Potpourri von zweieinhalb Dutzend nationalen Streitkräften besteht, ist das erst recht unverzichtbar. Dabei betont die Allianz stets den defensiven Charakter ihrer Manöver. Genau dasselbe tut nun auch Russland zu Beginn von «Zapad-2021». Diese Übungen fallen diesmal noch deutlich umfangreicher aus als jene der Nato.

Gegenseitiges Misstrauen

Das Problem: Angesichts des Spannungsverhältnisses zwischen Ost und West glauben beide Seiten einander nicht. Zumal alle wissen: Wer sich wirksam verteidigen kann, ist gewappnet für Gegenschläge des Feindes, könnte es sich also eher erlauben, diesen anzugreifen.

In manchen Nato-Mitgliedsländern wie Polen oder in den baltischen Staaten fürchtet man spätestens seit der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim ernsthaft einen Einmarsch aus dem Osten. In Moskau wiederum rechnet man zwar nicht unmittelbar mit einer Nato-Invasion, ärgert sich jedoch enorm über die Osterweiterung der Nato, nachdem seit Jahren immer mehr osteuropäische Länder dem westlichen Militärbündnis beitreten.

Das tiefe Misstrauen führt hüben und drüben zu Beschuldigungen. Im Frühjahr wurde aus Moskau verbal scharf geschossen gegen «Defender», jetzt tun das vor allem osteuropäische Regierungen gegen «Zapad». Am Nato-Hauptsitz in Brüssel wiederum wird vor allem kritisiert, Russland agiere bei seinen Manövern intransparent. Hier haben die Nato-Verantwortlichen einen Punkt.

Mehr Transparenz verlangt

Zwar lädt Moskau punktuell Beobachter ein zu einzelnen Teilübungen. Doch das sogenannte «Wiener Dokument» der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE verlangt unmissverständlich, dass Beobachter aus jedem Mitgliedstaat zu praktisch den gesamten Manövern Zugang haben müssen. Die Nato-Staaten halten sich daran – und respektieren damit die Transparenzregeln.

Das ist keine Petitesse, erst recht nicht angesichts des aktuell ohnehin starken Spannungsverhältnisses zwischen Russland und dem Westen. Das wechselseitige Misstrauen ist naturgemäss umso grösser, je geringer die Transparenz ist. Doch selbst bei voller Transparenz ist es unvermeidlich, dass die neuerdings immer umfangreicheren Manöver beidseits für heftige Irritation sorgen und den Ost-West-Konflikt jeweils kräftig befeuern.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Echo der Zeit, 10.09.2021, 18:00 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Dass sind Übungen von 2 Staaten Belarus und Russland. Es sind nie mehr als 6400 Soldaten gleichzeitig im Einsatz ergo keine Information notwendig. Die Russischen Uebungsplätze Grossregion Novgorod sind 2000 km von allen Natogrenzen entfernt. Ausnahme Kaliningrad die aber nur eine geringe Anzahl Soldaten im Einsatz sind.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @Schwarb
    wann wird endlich begriffen dass
    Russland eine Großmacht ist, dass
    Wir hier im Westen genug zum
    Selber aufwischen haben und dass wir Russland keine Vorschriften betreffend der Innenpolitik zu machen haben und und
    Die Krim wird Russisch bleiben und das ist sein gutes Recht einen Eisfreien Hafen zu haben
    Dass unsere sogenannten Demokratien auch nicht über alle Zweifel erhaben sind, nicht mal die
    so perfekte Schweiz etwas über den Tellerrand gucken bitte
    1. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Herr König, mir geht es nicht darum Russland schlecht zu machen. Ich habe dort Bekannte und eine Zuneigung dem Land gegenüber. Mir tut es aber weh zu sehen, dass dort trotz immensen Rohstoffen viele arme Menschen sind und das Land von einer Schicht rund um Putin ausgeplündert wird. Wenn Menschen unterdrückt werden, dann muss man sich auch in Angelegenheiten anderer Länder einmischen. Das ist der Westen diesen Leuten schuldig
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Na ja, das wissen wir doch alles! Darum besteht auch kein Grund, dass da mit dem verrosteten Säbel gerasselt wird! An sich steht ja dieses ganze Militärmacht wirtschaftlich auf recht tönernen Füssen, denn abgesehen von den Atombomben, dem Stahl der Panzerketten und den Gewehrläufen, hat das System Putin ja recht wenig zu bieten. Der ganze Haufen an Rüstungsgüter mag ja in der Sonne schön glänzen, ansonsten taugen diese Instrumente für kaum etwas!
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @Herr Meyer Allianz RU/USAgaebe Ruhe für Europa aber für wie lange?