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Legende: Audio Russland greift in Idlib Assad unter die Arme abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.07.2019.
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Russland mit Bodentruppen? «Rebellen kämpfen erbittert um Idlib»

Die syrische Regierung unter Assad soll weitere Unterstützung von Russland erhalten haben. Syrische Rebellen melden, Russland habe Elitesoldaten nach Syrien geschickt. Diese sollen den Regierungstruppen bei der Eroberung der letzten Oppositionshochburg Idlib helfen.

Es ist laut Rebellen das erste Mal, dass Russland Bodentruppen in Syrien direkt ins Gefecht schickt. Bis jetzt hatte Russland die syrische Regierung vor allem mithilfe von Lufteinsätzen unterstützt. SRF-Korrespondentin Susanne Brunner darüber, was bisher bekannt ist – und was nicht.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahost-Korrespondentin

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Für SRF ist Susanne Brunner seit Frühling 2018 als Korrespondentin im Nahen Osten. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in der Schweiz auf. In Ottawa studierte sie Journalismus. Bei Radio SRF war sie zuerst Redaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 3. Dann ging sie als Korrespondentin nach San Francisco und war nach ihrer Rückkehr Korrespondentin in der Westschweiz. Sie moderierte auch das «Tagesgespräch» von Radio SRF 1. Zudem hat Susanne Brunner bei «10vor10» Fernseherfahrung gesammelt.

SRF News: Was wissen Sie über diese Nachricht?

Susanne Brunner: Bis jetzt gibt es nur wenige Meldungen über diese angeblichen russischen Spezialeinheiten, die als Bodentruppen in den Konflikt in Idlib eingreifen sollen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert die National Liberation Front, ein Zusammenschluss verschiedener Rebellengruppen, die von der Türkei unterstützt werden. Es gibt auch militärische Quellen, die ähnliches behaupten.

Karte von Syrien mit Idlib und Damaskus
Legende: Die letzte Rebellenhochburg, Idlib, liegt im Nordwesten des Landes. SRF

Demnach sollen russische Spezialeinheiten aktiv in die Kämpfe in Idlib eingreifen, um die Humaimat-Hügel rund um Hama zu befreien, welche die Rebellen letzte Woche besetzt haben. Darüber, wie viele russische Soldaten und Offiziere beteiligt sind, gibt es keine bestätigten Angaben. Eine lokale Kontaktperson habe ich noch nicht erreichen können, denn es wird weiterhin bombardiert in Idlib.

Weshalb sollte Russland gerade jetzt mit Soldaten und Offizieren in den Konflikt in Syrien eingreifen?

Seit zwei Monaten versuchen syrische Regierungstruppen mit Hilfe russischer Unterstützung Boden in der syrischen Provinz Idlib zu erobern. Das geschieht vor allem aus der Luft. Der erwähnte Augenzeuge und Hilfswerke berichten von Dutzenden komplett zerstörten Dörfern in Idlib und von schweren Angriffen mitten in Stadt- und Dorfzentren sowie von vielen Toten und rund 300'000 Vertriebenen.

Eine Niederlage in Idlib wäre schlecht fürs Image von Russland.

Und trotzdem bleibt die Provinz Idlib unter Kontrolle der vielen Rebellengruppen. Dominierend ist die Al-Qaida-nahe Gruppierung Hai'at Tahrir asch-Scham. Dass Rebellen nun sogar Gebiet gutmachen konnten, wird mit ein Grund sein, weshalb Russland nun direkter eingreift, weil dies die syrische Armee offenbar nicht kann. Russland will sicher keine Niederlage in Idlib. Das wäre auch schlecht fürs Image.

Seit Monaten steht Idlib als die letzte Hochburg der Rebellen unter Bombardierung. Trotzdem hat es Assad bis jetzt nicht geschafft, die Provinz einzunehmen. Was macht diesen Sieg in Idlib so schwer?

In der Provinz leben rund drei Millionen Menschen. Ein grosser Teil von ihnen – einige sagen etwa die Hälfte – sind intern Vertriebene, also Flüchtlinge aus anderen Teilen Syriens. Assad liess aber vor allem auch Rebellengruppen mit ihren Familien aus anderen Teilen Syriens, die er besiegt hat, hierher verfrachten. Diese haben nun weder Fluchtweg noch eine Zukunft. Das heisst: Sie kämpfen erbittert um Idlib, denn sonst fallen sie den Angriffen Assads zum Opfer. Oder sie werden eingesperrt, sollte Assad die Provinz einnehmen. Sie haben absolut nichts zu verlieren.

Die Menschen in Idlib haben absolut nichts zu verlieren.

Zudem gab es in den letzten zwei Monaten kein wirklich klares Kriegsziel. Es ging eher um Kontrolle von wichtigen Strassen, von einer Verschiebung der Fronten als um eine echte Befreiung Idlibs von Rebellen. Eine solche würde auch zu einem Blutbad und noch mehr Flüchtlingen in Richtung Türkei führen. Und das will die Türkei nicht.

Das Gespräch führte Eliane Leiser.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Kramer  (Kaspar)
    eine Niederlage der Terroristen wäre wohl noch viel übler für den Westen, denn diesmal werden die Russen nicht zögern, deren Helfershelfer zu benennen. Nach all den Gräueltaten finde ich diese Art der parteiischen Berichterstattung einerseits bezeichnend für den Westen, der sein Gesicht einmal mehr verlieren wird. Und eine Schande für die CH, dass man im Zuge der angeblichen Neutralität nicht mehr Fakten liefern will.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Damit wird auch der Druck auf die EU grösser, über der immer noch als Folge miserabler Verhandlungen das Damoklesschwert des Flüchtlingsdeals mit der Türkei schwebt. Irgendwann wird es Erdogan zu viel und er öffnet die Schleusen. Putin, der viele Unterstützer in den ultrarechten Kreisen hat, kann das nur recht sein, denn in einem solchen Fall bläst das auch den hiesigen Rechten mächtig in die Segel. - Die Polarisierung geht weiter, die Gefahr von Eskalationen steigt.
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    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Gute analyse
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    In Mossul war es eine Aktion um die Stadt gegen Terroristen zu befreien. Hier weist man auf die grauenvolle humanitäre Seite des Krieges hin. Immerhin wird erwähnt, dass radikale Islamisten die Region beherrschen. Letztlich ist dies alles eine Folge der US-Nahostpolitik wie sie seit mind. 2001 verfolgt wird, inkl. Krieg gegen 7 Ländern. Die Liste wurde bisher abgearbeitet (Irak, Libyen, nun Syrien). In Syrien an Russland u. Iran gescheitert. Iran wäre als nächstes auf der Liste...
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