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Kampf um Aleppo Russland, Türkei und Iran wollen Syrien retten – ohne die USA

Die drei Staaten wollen einen neuen Anlauf nehmen, eine Feuerpause zu erwirken.

Legende: Video Zivilisten werden aus Aleppo evakuiert abspielen. Laufzeit 4:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland will einen neuen Anlauf nehmen für eine Waffenruhe in Syrien.
  • Die Türkei und der Iran unterstützen neue Gespräche zur Feuerpause.
  • Die USA waren nicht involviert.
  • Derweil läuft die Evakuierung Ost-Aleppos weiter. Die syrische Regierung hat 20 weitere UNO-Beobachter zugelassen, welche die Vorgänge überwachen sollen.

Russland hat einen neuen Anlauf für eine Waffenruhe in Syrien angekündigt. Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte beim Treffen mit seinen Kollegen aus der Türkei und dem Iran in der russischen Hauptstadt, russische Experten hätte eine «Moskauer Erklärung» erarbeitet.

Er hoffe, dass die Türkei und der Iran den Vorstoss unterstützten. «Alle bisherigen Anläufe der USA und deren Partner zu einem koordinierten Vorgehen waren zum Scheitern verurteilt», sagte er. Sie hätten keinen Einfluss auf das Geschehen vor Ort gehabt.

20 weitere UNO-Beobachter im Land

Aussenminister Sergej Lawrow sagte seinerseits nach Gesprächen mit seinen Kollegen aus Ankara und Teheran, beide Staaten unterstützten mindestens einen neuen Anlauf zu einer Feuerpause. Ob dies auch bei der «Moskauer Erkärung» der Fall ist, sagte Lawrow nicht.

Kasachstan habe sich als Gastgeber für neue Friedensgespräche zwischen der Regierung in Damaskus und den Aufständischen angeboten.

Derweil werden die Menschen in Aleppo weiter in Sicherheit gebracht. Ein Vertreter der Aufständischen sagte, bislang sei aber nur etwa die Hälfte aller Zivilisten, die Ost-Aleppo verlassen wollten, aus der Stadt gebracht worden. Deshalb wollen die Rebellen die Stadt noch nicht verlassen.

Syriens Regierung erlaubte unterdessen die Stationierung von weiteren 20 UNO-Beobachtern, welche die Evakuierung überwachen sollen. Damit verdreifache sich die Zahl ausländischer Beobachter in Aleppo fast, sagte ein UNO-Sprecher in Genf. Sie hätten allerdings keinen direkten Zugang zu den Evakuierungsbussen und den Menschen darin.

Evakuierungen sollen demnächst abgeschlossen sein

Die Schätzungen, wie viele Zivilisten aus Aleppo fliehen wollen, variieren indes zwischen einigen Tausend bis Zehntausenden. Nach türkischen Angaben haben bislang 37'500 Menschen Ost-Aleppo verlassen.

Das Internationale Rote Kreuz spricht von 25'000. Alleine seit der Wiederaufnahme der Transporte am Sonntagabend seien dabei 15'000 Menschen in das Umland Aleppos in Sicherheit gebracht worden, sagte IKRK-Sprecherin Ingy Sedky. Die Evakuierung solle bis Mittwoch abgeschlossen sein, erklärte der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu.

Der Bürgerkrieg in Syrien tobt seit fünf Jahren. Bisherige Anläufe zu einem umfassenden Waffenstillstand sind erfolglos geblieben. Trotz der Ermordung des russischen Botschafters in Ankara wollen die Türkei und Russland nach Darstellung der türkischen Führung ihre Kooperation fortsetzen.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Leider ist den USA und ihre Verbündeten alles zuzutrauen, um diese Bemühungen zu sabotieren. Ob sie es einmal werden lassen können, sich einzumischen oder Bemühungen anderer, die ihnen nicht passen, zu hintertreiben?
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich sehe das anders. Es können sich dort auch einmal andere die Finger verbrennen. Somit ist es sehr unwahrscheinlich dass die USA sich gross ins Zeug legen werden.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Übrigens hatte ich noch vergessen: Insofern wie es darum geht auch für die Kurden in diesen Gebieten ein Leben in Sicherheit zu gewährleisten würde ich sogar sagen hoffentlich intervenieren die USA dort.
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    3. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      B.Reuteler es geht um viel mehr als Finger zu verbrennen. Wenn diese 3 Länder ein Frieden schaffen, dann ist gesamte nördliche Teil von Nah Osten für USA verloren. Iranische Einfluss wird von Afghanistan bis Meditäran reichen. Und USA wird gut auswogen, ist ihnen Freundschaft mit Kurden wichtiger als Partnerschaft mit Türkei. Ich befürchte, dass Kurden werden wieder Verlierer sein. Zum Glück hat Russland Kurden eingeladen in Tartus mit Syrische Regierung zu verhandeln. Das ist ihre Chance.
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    4. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ B. Reuteler: Biden, Obama, Clinton u.a. sagten, die USA als spezielle Nation müsse die Weltführerschaft übernehmen, auch wenn dies koste und Opfer verlange. Auf diesem Wege haben sie bisher reihenweise Regierungen beseitigt, die ihnen nicht genehm waren. Nun waren Syrien, Iran, Russland und China an der Reihe. In Syrien zeichnet sich ab, dass die USA scheitern werden, wobei nun eine Koalition entsteht aus Russland, Iran, Türkei, Syrien und China im Hintergrund ->Gegenteil von dem erstrebten.
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    5. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      2. Die Frage ist, wie die USA auf diese Niederlage bzw. diesen Affront reagieren werden - ob mit noch mehr Krieg und Gewalt oder ob sie die Tatsachen akzeptieren werden. Wenn Trump an der Macht ist, dürften die Karten eh neu gemischt werden. Ob die Neocons aber nicht vorher noch ein Coup lancieren werden um Chaos und Krieg auszulösen, nach dem Motto "Order out of Chaos"?
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Associated Press 20.12.2016 auf YouTube:Raw: Bomb Disrupts Christmas Lighting in Aleppo.Glücklicherweise wurde niemand verletzt.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Die drei Staaten werden versuchen Syrien in drei Teile zu teilen und werden bald merken, dass nur ein geeinigtes Syrien in Frieden leben kann. Aber dies Einsicht muss zuerst in den Köpfen aller Syrer ankommen. Vielleicht geschehen irgendeinmal noch Wunder.
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