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«Nordkorea möchte Hebelkraft in Verhandlungen»
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.03.2019.
abspielen. Laufzeit 04:58 Minuten.
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Satellitenbilder von Sohae «Nordkorea will zeigen, dass es wieder eine Gefahr sein kann»

In Nordkorea ist eine Raketenanlage wieder einsatzfähig – das zumindest schreibt die US-amerikanische Website «38North», die auf Nordkorea-Analysen spezialisiert ist und publiziert Satellitenbilder der Anlage Sohae. Raketen-Experte Markus Schiller schätzt die Situation ein.

Markus Schiller

Markus Schiller

Raketen-Experte

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Markus Schiller ist Raketen-Ingenieur und Geschäftsführer des privaten Unternehmens ST-Analytics in München, das Beratung und Analyse in den Bereichen Raumfahrt und Raketentechnik anbietet.

SRF News: Wenn man die Satellitenbilder von Sohae vergleicht, kann man dann sagen, dass es Bewegung gab auf der Anlage?

Markus Schiller: Wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass eine Menge an Gebäuden dort wieder neu erschienen ist. Wenn man aber nochmal genauer hinsieht, dann erkennt man, dass das nur einfache, mit Wellblech verkleidete Stahl-Strukturen sind, die dort wieder aufgebaut worden sind. Es ist also nichts komplett neu errichtet worden.

Wie einfach oder schwierig ist es überhaupt, ausgehend von Satellitenbildern, zu sagen, was genau passiert?

Ich wäre da vorsichtig, denn da schiesst man ganz gern übers Ziel hinaus. Wir wissen mit der Erfahrung aus dem Kalten Krieg, dass das Ganze ein bisschen ein Spiel ist. Die Nordkoreaner sind sich bewusst, dass sie genau beobachtet werden. Und sie wissen genau, dass wenn sie dort wieder neue Gebäude errichten, das dann innerhalb von einer Woche durch die Medien geistern wird.

Nordkorea kommuniziert sehr stark über sein Raketenprogramm.
Autor: Markus SchillerRaketen-Experte

Deswegen denke ich, dass das durchaus auch Teil dieses ganzen grossen Pokerspiels ist. Dass man eher ein Signal senden will, als dass man dort tatsächlich einen entscheidenden Schritt in Richtung Wiederaufnahme des Raketenprogramm macht.

Das heisst, die wiederaufgebauten Gebäude sind einfach Politik?

Ja, ich denke, das ist in erster Linie Politik. Nordkorea kommuniziert sehr stark über sein Raketenprogramm. Wir beobachten, dass das Programm weniger die charakteristischen Eigenschaften eines echten Programms hat, sondern immer wieder Show-Elemente herausgegriffen werden, um damit Richtung USA und Westen zu senden: Schaut her, wir machen etwas.

Welche zusätzlichen Informationen bräuchte es denn, um gesicherte Aussagen zu machen?

Das könnte man tatsächlich nur mit sehr detaillierten Bildern. Wenn man sieht, dass in diese Gebäude auch weitere Elemente eingebaut werden. Im Moment sehen wir bloss Wellblech-Strukturen, die aufgerichtet werden.

Von Sohae aus wurden 2016 und 2012 Satelliten abgeschossen. Wie gefährlich ist es denn, zum Beispiel für Südkorea, wenn Sohae wieder einsatzbereit wäre?

Meiner Meinung nach völlig ungefährlich, denn Sohae wird bisher nur verwendet zum Abschuss von Satelliten-Raketen. Und die sind unserer Meinung nach völlig ungeeignet, um als Waffe zu dienen. Das sind Riesendinger mit 80 Tonnen Startgewicht, die gerade mal 100 Kilogramm Satelliten verschiessen können. Für mich sieht es so aus, als wollte Nordkorea darauf hindeuten, dass sie ihr ziviles Satellitenprogramm fortsetzen wollen. Sie sind sich aber durchaus bewusst, dass das in den USA als kriegerischer Schritt gewertet werden kann. Denn Rakete ist für die Amerikaner gleich Rakete und deswegen müssen die Nordkoreaner sehr vorsichtig sein, was sie kommunizieren.

Was bringt Nordkorea Ihrer Meinung nach nun diese ganze Aktion in den Verhandlungen mit den USA?

Ich denke, man will zeigen, dass man das Raketenprogramm wieder genauso schnell aufnehmen könnte, wie man es angeblich abgebaut hat im letzten Jahr. Man will zeigen, dass man wieder eine Gefahr darstellen und unangenehm sein kann. Vielleicht will man so den nächsten Gipfel einleiten, um damit wieder ein bisschen mehr Hebelkraft bei Verhandlungen zu haben.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Es ist klar, dass das letzte Treffen anders ausging als wir erfahren haben.
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  • Kommentar von Peter Amthauer  (Peter.A)
    Trump und Kim sprechen die gleiche Sprache. Deshalb verstehen sie sich auch so gut. Nachgeben ist Schwäche. Gewaltandrohung hingegen wirkt respekteinflössend. Nach dem Motto, wow, ein toller Typ.
    MfG
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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Lasst den doch "kommunizieren". Er verpulvert da seine Raketen und solange die eh nur ins Meer fallen, ist es geradezu harmlos. Es ist sein "Geld" das er da verpulvert. Und irgend wann bekommt er nicht mal mehr Nachschub von seinen Freunden um weitere Raketen bauen zu können. Die lassen sich nämlich in das in harten Devisen bezahlen, sonst liefern die einfach nicht. Also geniesst die Show da und habt Fun.
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