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Satirepartei Was eine Kakerlake mit Indiens Jugend zu tun hat

Mit der Kakerlaken-Partei protestiert die indische Jugend mit beissendem Spott gegen Arbeitslosigkeit.

Fast über Nacht ist die Kakerlake in Indien zu einem Symbol der frustrierten Jugend aufgestiegen. Innerhalb weniger Tage hat die «Kakerlaken-Partei» Millionen von Anhängerinnen und Anhängern im Internet mobilisiert und es auch in nationalen Zeitungen auf die Titelseite gebracht.

Der indische Student und Experte für strategische Kommunikation, Abhijeet Dipke, der in Boston studiert, hatte die Partei erst vor gut einer Woche auf Social Media gegründet. Es war als Satire gemeint, als eine Reaktion auf die umstrittene Äusserung von Indiens höchstem Richter Soraya Kant.

Schadensbegrenzung: nicht mehr möglich

Während einer Anhörung vor Gericht hatte der Richter arbeitslose junge Leute mit Kakerlaken und Parasiten verglichen, die in den Journalismus oder Aktivismus abdrifteten, um die Regierung zu attackieren.

Auch wenn Richter Kant später klarstellte, dass er nur junge Leute mit gefälschten Abschlüssen gemeint habe: Für Schadensbegrenzung war es schon zu spät.

Social Media war plötzlich voll mit bissigen Kakerlaken, Kommentaren, Parodien, Popsongs. Der Richter hatte einen wunden Punkt getroffen.

In Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt, sind fast 40 Prozent der unter 30-Jährigen mit Universitätsabschluss arbeitslos. Und gerade erst hat wieder ein landesweiter Skandal um gekaufte Aufnahmetests für Medizinstudienplätze das Land erschüttert. Zehntausende junge Leute hatten monatelang für diesen Test gepaukt.

Die Aufnahmekriterien: faul, arbeitslos, chronisch online und geschwollene Sprache

Die Jungen seien sehr frustriert und wirklich sauer auf die Regierung, sagt der Kakerlaken-Parteichef Abhijeet Dipke, der plötzlich auch im Rampenlicht steht. Die Jungen wüssten nicht, wohin mit ihrem Frust.

Bei allem Frust: Der Ton bleibt ironisch. Wer der Partei auf Google beitreten will, muss arbeitslos und faul sein, chronisch online sein und geschwollen daherreden können. Das kommt gut an.

Kakerlake an Rednerpult, Proteste im Hintergrund, Text
Legende: So sieht das Logo der Kakerlaken-Partei aus. CJP

Dass die Satire-Partei an Fahrt aufnimmt, macht Premierminister Narendra Modi offenbar nervös. Nach den erfolgreichen Gen-Z-Protesten in Nachbarländern wie Bangladesch und Nepal mag Modi befürchten, dass ihm Ähnliches in Indien bevorstehen könnte.

Die Kakerlaken-Partei: gekommen, um zu bleiben?

Die Modi-Getreuen werfen Kakerlaken-Chef Dipke vor, eine politische Agenda zu haben, was dieser zurückweist. Dipke hatte früher kurz für eine Oppositionspartei gearbeitet.

Diese Woche liess die Regierung den X-Account der Kakerlaken Partei sperren. Nur Minuten später eröffnete Parteichef Dipke einen neuen Account unter dem Motto «Die Kakerlaken sind zurück». Und es sieht nicht so aus, als würden sie allzu schnell wieder verschwinden.

Rendez-vous, 22.5.2026, 12:30 Uhr

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