Ein italienisches Restaurant in Mumbai. Noch vor dem Bestellen warnt Kellner Prasad: Das Essen brauche heute bis zu 15 Minuten länger als in normalen Zeiten. Denn in der Küche wird neuerdings auf Elektroplatten gekocht, statt – wie üblich – mit Gas.
Wer kann, stellt von Gas auf Elektro um
Sie hätten noch Glück: Denn viele kleine Restaurants in der Stadt könnten sich Elektroplatten nicht leisten und blieben daher geschlossen, sagt Prasad. Andere böten nur noch ein kleines Menu an.
In Indiens Küchen ist es üblich, mit Gas zu kochen. Nur eine Minderheit bekommt es aus der Leitung, die meisten kaufen nachfüllbare Gasflaschen. Doch diese sind seit dem Iran-Krieg zur Mangelware geworden. Da die Regierung angeordnet hat, Haushalte vorrangig zu beliefern, trifft der Gasmangel vor allem Restaurants, Caterer und die in Mumbai berühmten Street-Food-Verkäufer.
Auch die Köchin Nataline, die im westlichen Vorort Bandra arbeitet, hat dieser Tage Mühe, satt zu werden. «Ich wollte zum Mittag einige Idlis kaufen, also südindische Snacks. Aber es gab keine.» Der Verkäufer habe ihr gesagt, wegen der Gasknappheit könnten sie kein Essen kochen.
Arme trifft es besonders hart
«Für uns arme Leute sind es schwierige Zeiten», sagt Nataline. Auch in ihrer privaten Küche sei die Gasflasche fast leer. Sie versuche seit Tagen vergeblich, eine neue zu kaufen.
Bei der Filiale des staatlichen Gasverkäufers Bharat Gas, nur ein paar Hundert Meter entfernt, klingelt das Telefon ununterbrochen. Im winzigen Büro drängeln sich Kundinnen und Kunden. Shuaib wurde gerade wieder weggeschickt. Er habe für letzte Woche Gas bestellt, sagt der junge Mann. Doch die Flasche sei immer noch nicht geliefert worden.
Darauf angesprochen, sagt Manager Sanjay: «Es gibt kein Problem. Die Kunden sind einfach panisch.» Dabei habe sein Unternehmen nur die Lieferfristen für die Gasflaschen verlängert.
Die Regierung beteuert, dass es keinen Engpass gebe
Es seien genügend Flaschen auf Lager, beteuert der Manager. Das beteuert auch die Regierung von Premierminister Narendra Modi. Der Gasverkauf ist staatlich reguliert.
Warum dann aber die längeren Lieferfristen? «Viele Mitarbeiter sind krank oder in den Ferien», sagt Manager Sanjay. Der Krieg im Iran spiele keine Rolle? Er wisse nichts vom Krieg, antwortet er. Auch von den Klagen von Kunden wie Shuaib, dass Gasflaschen auf dem Schwarzmarkt zum mehr als Dreifachen des normalen Preises angeboten würden, will der Manager nichts wissen. «Was draussen passiert, geht mich nichts an.»
Pinky, im gleichen Quartier, geht es sehr wohl etwas an. Die resolute kleine Frau verkauft mittags am Strassenrand Teller mit Linsenbrei, Reis und Gemüse aus grossen Stahltöpfen. «Ich kann das Gas nur noch teuer am Schwarzmarkt kaufen», sagt Pinky. Sie brauche Gas für ihre grossen Töpfe. Ausserdem sei auch Strom sehr teuer. «Alles ist teurer geworden seit dem Kriegsausbruch, sogar das Gemüse.»
Sie habe den Preis für einen Teller Essen daher um zehn Rupien auf jetzt 70 Rupien erhöht, umgerechnet 60 Rappen. Trotzdem verdiene sie kaum noch etwas, sagt Pinky. Sie hofft, dass die Gaskrise bis dahin vorbei ist.
Der Besitzer des Punjabi-Restaurants gegenüber, der jetzt wieder auf Kohlefeuer kocht, ist sich da nicht so sicher. «Es hängt alles vom Krieg ab», sagt der Mann. Es sollte gar keinen Krieg geben auf der Welt, findet der Sikh. «Krieg führt zu gar nichts.»