Zum Inhalt springen

Saudi-Arabien gegen Kanada «Der Tweet von Freeland gilt als relativ harmlos»

Der saudische Prinz verträgt keine Kritik und die USA halten sich raus: Noch nehmen die Kanadier die Krise gelassen.

Legende: Audio Die Inhaftierung der Frauenrechtlerin Samar Badawi löst eine diplomatische Krise zwischen Saudi-Arabien und Kanada aus abspielen. Laufzeit 3:55 Minuten.
3:55 min, aus SRF 4 News aktuell vom 08.08.2018.

Seit die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland die Festnahme der Frauen- und Menschenrechtsaktivistin Samar Badawi auf Twitter kritisiert hat, herrscht zwischen Kanada und Saudi-Arabien diplomatische Eiszeit.

Saudi-Arabien wies daraufhin unter anderem den kanadischen Botschafter aus, stoppte die Flüge der staatlichen Saudi Airlines nach Toronto und blockiert die neuen Handelsverträge. Journalist Gerd Braune lebt und arbeitet in der kanadischen Hauptstadt Ottawa und beobachtet Kanadas Umgang mit der Krise.

Gerd Braune

Gerd Braune

Journalist in Kanada

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Braune lebt seit rund 20 Jahren in Ottawa. Er berichtet für mehrere Medien in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg.

SRF News: Wie kommen die Vergeltungsmassnahmen der Saudis in Kanada an?

Gerd Braune: Die Entwicklung wird hier in Kanada aufmerksam beobachtet und die Sache nimmt in den Medien breiten Raum ein. Man war zunächst sehr überrascht über die heftigen Reaktionen der Saudis und über die Ausweisung des kanadischen Botschafters. Denn der Tweet von Chrystia Freeland gilt als relativ harmlos. Er drückt die Besorgnis über die Festnahme von Menschenrechts- und Frauenrechtsaktivistin Samar Badawi aus.

Freeland hätte es bei einer traditionellen Presseerklärung oder gar bei der stillen Diplomatie belassen können, wird in den Medien diskutiert.

Doch bisher herrscht in Kanada noch Gelassenheit. Es ist noch nicht so richtig abzusehen, wie diese Massnahmen Riads wirken werden, wie umfangreich und wie dauerhaft insbesondere die Massnahmen im Wirtschaftsbereich sein werden. Hier müssen wir abwarten. Aber es droht natürlich die Gefahr, dass kanadische Unternehmen künftig in Saudi-Arabien bei allen grossen Investitionen ausgeschlossen sein könnten.

Gibt es keine Kritik an den Worten der Aussenministerin in diesem Tweet, auch nicht vom politischen Gegner?

Bisher versucht die Opposition nicht, diese Spannungen zwischen Riad und Ottawa auszuschlachten. Es ist auch schwer vorstellbar, dass dies gelingen könnte. In den Medien wird vereinzelt darüber diskutiert, ob es weise war, dass die Ministerin Twitter genutzt hat. Denn Twitter füllt sofort den gesamten Raum der Social Media. Freeland hätte es bei einer traditionellen Presse-Erklärung oder gar bei der stillen Diplomatie belassen können. Kanada hat das traditionell ja gepflegt. Der Einzige, der sich hier etwas stärker geäussert hat, ist der frühere konservative Aussenminister John R. Baird. Er hat der Regierung vorgeworfen – obwohl Chrystia Freeland insgesamt eine gute Arbeit als Aussenministerin mache –, die Beziehungen zu Riad seien in den vergangenen zwei, drei Jahren vor allem wegen der Kritik an der Lieferung von Panzerfahrzeugen schlechter geworden. Das wirft man der liberalen Regierung von Seiten der Konservativen vor.

Aus den USA heisst es, Saudi-Arabien und Kanada müssten diesen Konflikt alleine lösen. Wie reagiert man in Kanada auf diese Zurückhaltung?

Ja, es wird aufmerksam registriert, dass man in diesem Konflikt in Washington keinen lautstarken Mitstreiter findet. Das US-Aussenministerium hat noch einmal deutlich gemacht, dass man sich nicht einmischen will. Es hat auch sehr zurückhaltend um Informationen über die Festnahme der Menschenrechtsaktivistin in Saudi-Arabien nachgesucht. Und man muss bedenken, dass Präsident Trump ja auch ein recht gutes Verhältnis zum saudischen Herrscherhaus hat, seit seinem Besuch in Riad im Frühjahr 2017. Auch sein Schwiegersohn Jared Kushner hat einen guten Draht zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der ja der starke Mann in Saudi-Arabien ist. Hier kann Ottawa von Seiten der USA nicht sehr viel Unterstützung erwarten.

Das Gespräch führte Christina Röthlisberger.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.