Schlimmste Flüchtlingskrise seit Ruanda

Eine «kolossale Tragödie» - so nennen UNO-Vertreter das Drama um die Flüchtlinge im Gefolge des Bürgerkrieges in Syrien. Hunderttausende sind von Hilfen komplett abgeschnitten. Erinnerungen an den Völkermord im afrikanischen Ruanda werden wach.

Ein Junge gebeugt über einen Leichnam Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trauer um die Toten in Aleppo - die Situation in Syrien gleicht laut UNO einer Tragödie. Keystone

Der Bürgerkrieg hat nach Einschätzung der Vereinten Nationen die schlimmste Flüchtlingskrise seit dem Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren ausgelöst. «Es ist eine kolossale Tragödie», sagte der UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Millionen Kinder hungern

Mindestens 2,4 Millionen Flüchtlinge seien offiziell ausserhalb des Bürgerkriegslandes registriert, heisst es weiter. Noch katastrophaler sei die Lage der 6,5 Millionen Menschen, die innerhalb Syriens vor der Gewalt auf der Flucht seien. 240'000 Menschen lebten isoliert von jeglicher Hilfe in Gebieten, die für die internationale Unterstützung nicht erreichbar seien.

Zwei Millionen Kinder litten unter Unterernährung. Unter den Staaten in der Region habe der Libanon die meisten Flüchtlinge aufgenommen, sagte Guterres. Er rief die Europäische Union auf, mehr Syrer aufzunehmen. 60 Prozent der syrischen Flüchtlinge in der EU seien bisher in Deutschland und Schweden untergekommen, mahnte er die übrigen Staaten.

Syrien-Konferenz in Genf beendet

4:56 min, aus Tagesschau vom 31.1.2014

Reden in Genf, sterben in Syrien

Am 10. Februar soll eine zweite Runde der Friedenskonferenz für Syrien beginnen. Die ersten mehrtägigen Gespräche waren am Freitag ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen.

Seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 wurden Schätzungen zufolge mehr als 130'000 Menschen getötet. Allein während der ersten neun Tage der Genfer Konferenz seien mindesten 1870 Menschen ums Leben gekommen, teilte die der Opposition nahestehende Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Mehr als 470 Tote seien Zivilisten gewesen. Darunter seien auch 40 Menschen, die in von Regierungstruppen abgeriegelten Gebieten an Hunger oder Krankheiten gestorben seien.

Libanon als zweiter Kriegsschauplatz

Unterdessen wird der Libanon immer mehr in den Bürgerkrieg im Nachbarland hineingezogen. Die libanesische Armee habe sich am Freitag an der Grenze Gefechte mit unbekannten Kämpfern geliefert, hiess es in Sicherheitskreisen. Die Kämpfer, deren Nationalität nicht bekannt sei, hätten sich in einer Bergregion verschanzt.

Zuvor hätten Rebellen auf syrischem Boden zwei Dörfer nahe Talkalakh angegriffen, die nur vier Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt liegen, teilte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Mindestens fünf Soldaten seien dabei getötet worden. Die syrische Armee vertrieb die Rebellen Richtung Grenze. Dabei landeten rund 15 Artilleriegeschosse im Norden des Libanons.

Die Grenze zwischen den beiden Ländern ist durchlässig. Syrische Rebellen und militante Sunniten aus dem Libanon, die den von Sunniten getragenen Aufstand unterstützen, passieren sie praktisch ungehindert.