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Harvey Weinstein schuldig gesprochen
Aus HeuteMorgen vom 25.02.2020.
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Schuldspruch gegen Weinstein Ein Urteil mit Signalwirkung

Eine Klägerin sagte, Harvey Weinstein habe sie zu oralem Sex gezwungen, obwohl sie sich verbal gewehrt habe. Die zweite Klägerin sagte aus, er habe sie in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Zweimal war Manhattan der Tatort und beide Frauen sind Schauspielerinnen, die in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis zu Weinstein standen.

Und die Frauen blieben nach der Tat mit dem Film-Mogul in Kontakt, flirteten mit ihm oder hatten sogar weitere sexuelle Kontakte. Sie habe ihre Karriere retten wollen, sagte ein Opfer. Normalerweise wäre das Wasser auf den Mühlen der Verteidigung. Nicht im Fall Weinstein.

Denn der Anklage gelang es im monatelangen Prozess darzustellen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelte, sondern Weinstein jahrzehntelang und systematisch seine Macht missbraucht und sexuelle Straftaten begangen hatte – im Schatten der glamourösen Filmwelt.

Rund 90 mutmassliche Opfer traten an die Öffentlichkeit

Im Prozess traten weitere Frauen als Zeuginnen auf, obwohl die Taten, die sie beschrieben, verjährt oder nicht dem Gerichtsstand unterstellt waren. Insgesamt haben rund 90 Schauspielerinnen – bekannte und unbekannte – inzwischen öffentlich bezeugt, sie seien von Weinstein genötigt oder vergewaltigt worden.

«Vergewaltigung ist Vergewaltigung, auch wenn die Tat vor langer Zeit geschehen ist, auch wenn komplexe Machtverhältnisse vorherrschen und auch wenn es keine physischen Beweismittel gibt», sagte der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance. Die Verteidigung legt gegen das Urteil Berufung ein.

Das Urteil ist sicherlich ein Sieg für die sogenannten #Metoo-Bewegung, die mit dem Fall Weinstein in den sozialen Medien ins Rollen kam. Die ominöse «Casting couch» von Hollywood hat wohl ausgedient – ein Euphemismus für sexuelle Dienstleistungen, welche mächtige Produzenten von Debütantinnen einforderten und auch erhielten.

Richtungsweisendes Urteil

Juristisch ist das Urteil richtungsweisend, weil sich die Anklage in ihrem Zeuginnenprozess ganz auf die Aussagen der Frauen stützte – und auf deren Glaubwürdigkeit, welche die Verteidigung in Sexualstrafrechtsprozessen oft zu demontieren vermag.

Opferhilfe-Organisationen hoffen nun, dass das Urteil die Hürden für Klagen gegen sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz senken wird. Sie schätzen, dass in den USA nur jedes fünfte Sexualverbrechen gemeldet wird. Allerdings gibt es auch Stimmen, die davor warnen, den Effekt eines prominenten Einzelfalls auf die allgemeine Rechtsprechung überzubewerten.

Harvey Weinstein, Produzent von Kultfilmen wie «Pulp Fiction» und «Shakespeare in Love», sitzt nun im Gefängnis. Es drohen ihm mindestens fünf Jahre Haft, maximal 25. In Kalifornien ist ein weiterer Sexualstrafrechtsprozess gegen ihn hängig.

SRF 4 News, 25.2.2020, 06:00 Uhr; arnf

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Gabs da nicht auch noch eine Person aus dem englischen Königshaus der da auch irgendwie verwickelt war? Haben die Engländer keine Justiz die da ermittelt könnten? Sind die alle im Fall von Julian Assange gebunden?
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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Try it again: Absolut richtig, dass Weinstein verurteilt wird, und hinter Gitter kommt, sich nicht irgendwie freikaufen kann. Es wird Zeit, solche Vergehen zu bestrafen. Was mir aber in den falschen Hals kommt, und die metoo-Moraldebatte relativiert, ist diese Aussage: (oben zitiert) 'Und die Frauen blieben nach der Tat mit dem Film-Mogul in Kontakt, flirteten mit ihm oder hatten sogar weitere sexuelle Kontakte. Sie habe ihre Karriere retten wollen, sagte ein Opfer.' Das gibt mir echt zu denken.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Mindestens 5-Jährchen für aktive körperliche Gewalt aus egoistischer, abartiger sexueller Fantasien/Lust - besser als gar nichts! Mindestens und hoffentlich ein Anfang in die richtige Richtung! Es braucht endlich die Einsicht der Rechtssysteme, Justizen weltweit, dass körperliche Nötigung, rigide bestraft werden muss und auch als Abschreckungs-Massnahme gelten soll! Opfer sind "lebenslang traumatisiert" = langjährige bis lebenslange Haftstrafen für Sexualstraftäter!
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    1. Antwort von Beni Schlegel  (coolio)
      Gefängnis als Vergeltung ist nicht zielführend! So sehr ich solche Täter verabscheue, Rehabilitation und Wiedereingliederung in die Gesellschaft sollten immer das Ziel sein. Überrascht mich aber nicht, dass Sie da anderer Meinung sind. Er kriegt zwischen 5 und 25 Jahren Haft, wenn das nicht langjährig sein soll, weiss ich auch nicht mehr.
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    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Ein härteres Durchgreifen als bisher ist dringend nötig. Aber wenn Sie das gleiche Strafmass ansetzen wie für Mord, haben Sie zum einen ein Problem mit der Verhältnismässigkeit und erhöhen zum anderen den Anreiz für Vergewaltiger, das Opfer nach der Tat verschwinden zu lassen.

      5 Jahre in diesem Fall jahrelanger systematischer Nötigung wären ein Witz und Schlag in das Gesicht der Opfer.
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