Zum Inhalt springen

Header

Video
Warum gibt es in den USA so viel Gewalt gegen Schwarze?
Aus Club vom 09.06.2020.
abspielen
Inhalt

Schwarze Teenager in den USA «Seit sie Kinder sind, erleben sie Schiessereien»

Seit dem Tod von George Floyd erleben die USA die schwersten Unruhen seit den 1960er Jahren. Es geht um Rassismus, verarmte Städte, zerrüttete Familien und Waffengewalt. Der Sozialarbeiter Rashid Abdullah erzählt, wie die «Normalität» vieler schwarzer Jugendlicher aussieht.

Rashid Abdullah

Rashid Abdullah

Streetworker in Cincinnati

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Als verurteilter Mörder ermutigt Streetworker Rashid Abdullah heute Kriminelle, die Waffen niederzulegen. Er wird an Tatorte gerufen, um die aufgebrachten Angehörigen von Erschossenen zu besänftigen. Seiner Erfahrung nach sind die meisten Täter in den USA «einst traumatisierte Kinder, die nun erwachsen geworden sind.»

SRF News: Warum gibt es so viel Gewalt gegen Schwarze in Amerika?

Rashid Abdullah: Natürlich hat es mit unserer Geschichte und unserer Präsenz zu tun – von der Sklaverei bis zur Befreiung und der Bürgerrechtsbewegung. Und unserem Versuch, zu Amerika zu gehören. Es gab schon immer jene, denen es nicht passte, dass ihre ehemaligen Diener ihnen jetzt gleichgestellt sind.

Wo Sie arbeiten, gibt es viele, die viel weniger verdienen als weisse Amerikaner. Wie kommt es zu dieser wirtschaftlichen Kluft?

Man hat uns die versprochene Starthilfe nie gegeben: das versprochene «Stück Land und das Maultier». Seit wir frei sind, sind wir verschuldet. Die meisten immer noch. Es wird keine Gleichheit geben, bis auch Afroamerikaner Land und Firmen besitzen. Wenn du ständig verschuldet bist, ist das schwierig zu erreichen. Es fängt mit unseren Schulen an: Im Vergleich zu anderen Gebieten haben wir keine Computer. Wir haben die Dinge nicht, die es braucht, um diesen Kindern zu helfen.

Wie stoppen Sie Kinder, die mit 10 Jahren eine Waffe kaufen?

Wir haben es hier mit einer anderen Realität zu tun. Was für Sie und mich normal ist, ist nicht normal für diese Kids. Seit sie Kinder sind, erleben sie Schiessereien. Schon in jungen Jahren besuchen Sie Beerdigungen, nicht jene der Grosseltern, sondern von Freunden und Kindern ihres Alters.

Der Tod gehört zu ihrem Leben. Das Gefängnis gehört zu ihrem Leben: Man kann diesen jungen Menschen nicht mit Haft drohen, denn das Gefängnis ist für viele ein Übertrittritual ins Erwachsenenleben. Das muss man anerkennen und fragen: Wollt ihr wirklich eine Zukunft? Dann zeige ich ihnen eine auf. Manchmal muss ich das mehrmals tun, bevor sie zuhören. Aber zumindest kann ich ihnen einen Lebensentwurf aufzeigen.

Es ist schwierig nachzuvollziehen, wie verzweifelt ein Kind sein muss, dass es beginnt, mit Drogen zu handeln.

Die meisten dieser Kinder werden in extrem arme Familien hineingeboren. Sie werden von alleinerziehenden Müttern mit vielen Kindern aufgezogen. Sie haben ein sehr schwieriges Leben. Die Kids sehen Schiessereien, Morde und Drogenhandel. Sie haben fast nichts, wissen aber: Ich kann immer Drogen verkaufen.

Das Schulsystem kann nicht mit den Herausforderungen und Problemen dieser Jugendlichen umgehen. Die meisten fliegen als junge Teenager von der Schule. Eines der grössten Probleme in Cincinnati, Ohio, aber auch im ganzen Land, ist die Obdachlosigkeit von Kindern und Jugendlichen.

Sie selber haben sehr viele Schwierigkeiten überwunden. Helfen Ihnen diese geteilten Erfahrungen?

Durch meine eigene Vergangenheit bin ich glaubwürdig für diese Kids. Ich war selber dort, wo sie jetzt sind. Darum kann ich sie auf einer anderen Ebene erreichen, andere Gespräche mit ihnen führen. Ich verurteile sie nicht, sondern versuche sie Schritt für Schritt in eine neue Realität zu führen.

Wird der Tod von George Floyd etwas verändern oder wird das Video seiner Verhaftung wieder aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden?

Nein, das geht nicht mehr weg, das kann ich Ihnen versichern. Dieses Video sah man auf der ganzen Welt. Überall nehmen Leader den Namen George Floyds in den Mund. Der Druck aus anderen Ländern zwingt Amerika dazu, sich selber sehr genau anzuschauen.

Das Gespräch führte Peter Hossli.

Club, 09.06.2020, 22:25 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

27 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Arme gibt es auch in Russland, China, Vietnam aber der Unterschied zu den USA diese Typen sind Kämpfer und diszipliniert. Ein Wort, dass die Schwarzen in den USA nicht kennen. Die US Medien haben jedem Ghetto Künstler mehr Platz eingeräumt als den Schwarzen die Ihren Job erfüllen für die Gesellschaft. Schiessen aus fahrenden Autos ist USA Realität, da kommt kein Actionfilm nur in die Nähe. Schwarze US Schulen sehen eher aus wie Gefängnisse. Der Lärmpegel ist hoch - kein Vergleich zu China
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Nur um das fest zu halten: Lt. Angaben der Behörden sind bei Kontrollen bei ca. 90% der kontrollierten Personen Waffen in den Auto`s gefunden worden. Ich denke dies ist eine bedenkliche Situation aber wohl kaum in den Griff zu bekommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      Wundert einem das, wenn in den USA jeder schnell mal um die Ecke einen Schießprügel käuflich erwerben kann, so wie ein lausiges Päckchen US-Kaugummi. Trump ist ja ein fanatischer Lobbyist der Waffenhersteller und oberster Waffenhändler der "great" Nation, Wer hat noch keine Waffe, wer will nochmal eine, das wird den USA mal gewaltig auf die Füße fallen, gefährlich vor allem in der jetzigen brenzligen Lage.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Die Geschicht von Rashid Abdullah ist erschütternd. Leider sind solche Zustände auf allen Kontinenten Realität.Als älterer Herr sollte er aber auch erkennen können: Der Homo Sapiens Sapiens ist nun mal kein Selbstloses und nettes Wesen, egal welcher Hautfarbe: Das Individium ist mehrheitlich auf sich selbst fokussiert, sonst hätte sich Sozialusmus und Kommunismus längst durchgesetzt. Trotzdem: Wer ehrlich ist, sich engagiert, an sich glaubt,bewältigt das Leben. Auch Schwarze, wie Herr Abdullah.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen