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International Schwarze und Weisse demonstrieren: «Dieses Land gehört uns allen»

Nach einer Woche der Gewalt befinden sich die USA in Aufruhr: Etliche Bürger fürchten eine weitere Eskalation. Doch nicht alle lassen sich kleinkriegen. Tausende fordern auf der Strasse ein Ende des Rassismus. Unser Korrespondent hat sich bei einer Demonstration in Washington umgehört.

Legende: Video «US-Polizei: «Wir werden nicht zum Angriffsziel»» abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.07.2016.

Der Einheizer gibt gleich zu Beginn der Demonstration den Tarif durch. Auf welcher Seite steht ihr, fragt er in die Menge: Auf der Seite des Friedens, antworten rund 500 Menschen im Sprechchor. Schwarze und Weisse, Männer und Frauen: Sie alle wollen friedlich gegen Polizeigewalt und gegen Rassismus demonstrieren.

Was in diesem Land passiere, sei unmenschlich, sagt die Afroamerikanerin Jimica. Sie habe die Nase voll: «Wir müssen unsere Gesellschaft verändern. Wir müssen akzeptieren, dass wir alle unterschiedlich sind. Die Afroamerikaner haben es besonders schwer. Solange wir diesen ekelhaften Rassismus nicht aus der Welt schaffen, wird sich nichts ändern», erklärt Jimica.

Dass dieser schwarze Mann die Polizisten getötet hat, ist genauso schlimm wie die Polizisten, die uns töten.
Autor: MirandaDemonstrantin

In den USA kam es in den letzten Jahren immer wieder zu brutaler Gewalt gegen Schwarze, oft war es Polizeigewalt. So wie in Ferguson und Baltimore und diese Woche in Louisiana und Minnesota. Und dann auch noch der Anschlag in Dallas, bei dem ein Afroamerikaner Polizisten erschoss.

Demonstranten beim Protestmarsch.
Legende: Afroamerikaner und Weisse demonstrieren gemeinsam. SRF

Dallas sei ein Weckruf gewesen, aber falsch ausgeführt, sagt Miranda, auch sie eine Afroamerikanerin. «Dass dieser schwarze Mann die Polizisten getötet hat, ist genauso schlimm wie die Polizisten, die uns töten. Das macht alles keinen Sinn. Und es zeigt, wie tief die Gräben in unserer Gesellschaft bereits sind.»

Auch Clay, einer der zahlreichen Weissen am Protestzug, beklagt sich, dass die amerikanische Gesellschaft so stark gespalten sei wie seit den 1960er Jahren nicht mehr. «Mit einer friedlichen Protestaktion wie dieser kann man ein Zeichen setzen und zeigen, dass Rassismus ein Problem ist, dass Weisse und Schwarze sich Sorgen machen und dass wir eine Lösung finden müssen.»

Dieses Land gehört uns allen.
Autor: KimberlyDemonstrantin

Kimberly, die ein Plakat trägt, auf dem steht: Hört auf, schwarze Leute zu töten, sagt, die Lösung sei eigentlich gar nicht so kompliziert – und sie tönt fast ein wenig wie Präsident Obama, wenn sie sagt: «Dieses Land gehört uns allen. Die USA sind kein weisses oder schwarzes, kein progressives oder konservatives Land, sondern unser gemeinsames Land. Alle Seiten müssen enger miteinander zusammenarbeiten.»

Auch Kimberly weiss, dass das leichter gesagt ist als getan. Doch sie glaubt fest an eine friedlichere Zukunft: Wir kämpfen weiter, sagt sie.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Die fettgedruckte Ueberschrift: "Dieses Land gehört uns allen!" sollte sich eigentlich auf alle Staaten dieser Welt beziehen! Dazu braucht es aber eine Integration an und in die bestehenden Gesetze, Pflichten und Rechte des Landes, in dem man leben will! In dieser Beziehung hapert es aber oft: Immer wieder versuchen Minderheiten oder fremde, eingewanderte Kulturen nur vom Land zu profitieren, nicht viel oder gar nichts beizutragen, sondern nur zu beziehen und die Einheimischen kritisieren!
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Republic of Lakotah)
    Demonstrantin Kimberly ist ein gutes Beispiel für die Thesen der Bürgerrechtlerin und Rechtsprofessorin Michelle Alexander ( The New Jim Crow ). "Es ist eine Jahrhundertlüge. In den USA blüht und gedeiht das rassistische Kastenwesen. Die meisten Leute hören das zwar nicht gern. Sie werden wütend. Im Zeitalter der «Farbenblindheit» klammern sie sich fast fanatisch an den Mythos,dass wir als Nation den Rassismus «hinter uns gelassen» haben. Die Tatsachen widersprechen dieser triumphalen Erzählung
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  • Kommentar von marc rist (mcrist)
    Ein bemerkenswerter Artikel, der es schafft, die Latinos mit keinem einzigen Wort zu erwähnen. Immerhin stellt diese Bevölkerungsgruppe in immer mehr US-amerikanischen Städten bereits die Mehrheit der Einwohner. Tendenz stark ansteigend.
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    1. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Der Artikel handelt vom Verhältnis Schwarz-Weiss, und bezieht sich auch auf die Vergangenheit, in welcher die Latinos eben noch nicht eine starke Minderheit waren.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Herr Camenisch, dieser Beitrag behandelt die jetzige Situation. Da gehören die Latinos auch dazu. Ich glaube Sie haben sich vertippt.....eben noch "nicht" sondern als die Latinos noch eine starke Minderheit waren.
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