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Legende: Video Kapitänin Rackete verhaftet abspielen. Laufzeit 00:59 Minuten.
Aus SRF News vom 29.06.2019.
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Sea-Watch-Odyssee beendet Hier wird die Kapitänin auf Lampedusa verhaftet

  • Die 40 Flüchtlinge des Rettungsschiffes «Sea-Watch 3» sind auf Lampedusa gelandet.
  • Sie wurden registriert und in ein Flüchtlingslager der süditalienischen Insel untergebracht.
  • Carola Rackete, die Kapitänin des Rettungsschiffes «Sea-Watch 3», ist von der Polizei abgeführt worden.
  • Das Schiff wurde beschlagnahmt.

Am frühen Samstagmorgen wurde die Kapitänin der «Sea-Watch 3», Carola Rackete, auf der sizilianischen Insel Lampedusa festgenommen. Die Beschlagnahme des Schiffs wurde angeordnet.

Für 40 Migranten ging eine Hängepartie zu Ende: Mehr als zwei Wochen nach ihrer Rettung im Mittelmeer konnten sie an Land gehen.

Die jüngste Odyssee des Schiffes begann am 12. Juni, als die Organisation Sea-Watch vor Libyen insgesamt 53 Bootsflüchtlinge aufnahm. Seitdem wartete die Organisation vergeblich auf die Zuweisung eines sicheren Hafens.

Mitte vergangener Woche steuerte die Kapitänin Rackete schliesslich in die Hoheitsgewässer Italiens. In der Nacht auf Samstag ging sie bis zum Äussersten, setzte sich über Anweisungen der Behörden hinweg und fuhr das Schiff in den Hafen.

Erklärung der Kapitänin in der Nacht

Dabei hatte sich im Ringen um die zuletzt 40 Migranten an Bord eine Lösung abgezeichnet. Nach Angaben einer Sea-Watch-Sprecherin hatten sich vier Länder – Deutschland, Portugal, Frankreich und Luxemburg – bereit erklärt, Migranten von dem Schiff aufzunehmen.

Ein Sea-Watch-Sprecher begründete die Entscheidung der Kapitänin: «Es war der verzweifelte letzte Versuch, die Sicherheit der Menschen sicherzustellen.» Die Menschen an Bord zu kontrollieren sei für die Crew immer schwieriger geworden. Die Lage habe sich immer weiter zugespitzt.

Wir sind nicht erleichtert, wir sind wütend.
Autor: Carola RacketeKapitänin «Sea Watch

«Wir sind nicht erleichtert, wir sind wütend», erklärte die Kapitänin nach dem Anlaufen des Hafens in Lampedusa. «Diese Landung hätte vor mehr als zwei Wochen stattfinden sollen, und sie hätte von den Behörden koordiniert statt behindert werden sollen.»

Rackete drohen bis zu zehn Jahren Haft

Die Staatsanwaltschaft in Agrigent wirft der Kapitänin nun Widerstand gegen die Staatsgewalt vor, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Dazu kommt, dass beim Anlegemanöver ein Boot der Finanzpolizei gestreift wurde. Rackete könnten Medienberichten zufolge zwischen drei und zehn Jahre Haft drohen.

Für die 31-Jährige sei Hausarrest angeordnet worden, berichtete Ansa. Rackete selbst gab an, sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

Es scheint mir, dass Gerechtigkeit geschaffen wurde.
Autor: Matteo SalviniInnenminister Italien

«Wir haben die Verhaftung einer Gesetzlosen, eine Geldstrafe für diese ausländische NGO, die Beschlagnahme des Schiffs und die Verteilung der ganzen Migranten an Bord auf andere europäische Länder gefordert», sagte Italiens Innenminister Matteo Salvini dem Radiosender «Rai». «Es scheint mir, dass Gerechtigkeit geschaffen wurde.»

Auf den Chef der rechten Regierungspartei Lega geht ein neues Sicherheitsdekret zurück, das Geldstrafen vorsieht, wenn private Schiffe mit Geretteten an Bord unerlaubt in die italienischen Gewässer einfahren. Salvini will die NGOs komplett von der Rettung von Migranten abhalten.

«Niemand übernahm Verantwortung»

Sea-Watch hatte am Samstagmorgen getwittert, man habe vor fast 60 Stunden den Notstand ausgerufen. «Niemand hörte uns zu. Niemand übernahm Verantwortung.» Der Sea-Watch-Geschäftsführer lobte Rackete: «Wir sind stolz auf unsere Kapitänin, sie hat genau richtig gehandelt. Sie hat auf dem Seerecht beharrt und die Menschen in Sicherheit gebracht», schrieb er auf Twitter.

Ermittlungen gegen Rackete

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  • Am Freitag hatte die italienische Staatsanwaltschaft gegen Rackete Ermittlungen eingeleitet.
  • Vorgeworfen werden ihr unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts. Ihr drohen bis zu 15 Jahren Haft.
  • Die Deutsche wird jetzt nach Sizilien gebracht. Sie soll in der Stadt Agrigent inhaftiert werden.
  • Laut italienischen Medien könnte es zu einem Schnellverfahren kommen.
Legende: Video Bilder von Bord der «Sea-Watch 3» (unkomm.) abspielen. Laufzeit 00:49 Minuten.
Aus News-Clip vom 29.06.2019.
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