Zum Inhalt springen

Simbabwes Neuanfang Rückkehr der weissen Farmer in ihr gelobtes Land

Einst enteignet, will Simbabwe die weissen Farmer zurück. Trotz tiefer Wunden wagen einige den Neubeginn.

Grafik Simbabwe

37 Jahre lang war Robert Mugabe in Simbabwe an der Macht. Zuerst als Ministerpräsident, dann als Präsident. Unter ihm wurden über Jahre hinweg mehr als tausend weisse Grossbauern enteignet, die meisten illegal – mit fatalen Folgen für die Wirtschaft. Darunter leiden nicht nur die Grossgrundbesitzer, sondern auch die vielen schwarzen Angestellten.

Nach dem erzwungenen Rücktritt des Diktators im letzten November gibt es jedoch neue Hoffnung: Einige wenige weisse Bauern haben bereits einen Teil ihres Landes zurückerhalten – so auch die Familie Smart. Ihr Grundstück liegt 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare.

«Sie fingen an zu schiessen»

Zurück auf seinem Grund denkt der Besitzer Stuart Smart an bessere Zeiten zurück. Sein Vater, ein Engländer, hat da in den 1930er Jahren begonnen, ein 8000 Hektaren grosses Gebiet zu bepflanzen. «Mit dem, was wir heute noch haben, schaffen wir es, wertschöpfende Produkte anzupflanzen», sagt er.

Seinen Hof erhielt Smart erst im Dezember zurück, sechs Monate nachdem seine Familie mit Gewalt vertrieben worden war. 100 Hektaren sind ihm übrig geblieben. So erinnert sich der Grossgrundbesitzer an den Tag der Enteignung:

Legende: Video «Wir sind auf den Hügel geflüchtet» abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.07.2018.

Das Agrarland gehörte zu einem grossen Teil der weissen Bevölkerungsminderheit. Der ehemalige Präsident Simbabwes hatte es fast zwanzig Jahre lang versäumt, eine Landreform durchzuführen, um der schwarzen Bevölkerungsmehrheit Teile des Agrarlandes zuzusprechen.

Etwa im Jahr 2000 haben die illegalen und gewaltsamen Enteignungen der weissen Bauern begonnen. Das Land wurde aber nicht etwa an die schwarze Bevölkerung verteilt, sondern an Parteigrössen, Militärs und Anhänger von Mugabe.

Alles wurde geklaut

Seit der Rückkehr haust Stuarts Sohn Darryn Smart mit seiner Familie im verbliebenen Mobiliar. Die Erinnerungen an die Vertreibung belasten die Familie. Darryns Frau Shani Smart sagt: «Es war traumatisch. Bis nur schon die Kinder und Hunde in Sicherheit waren. Dann versteckten wir uns in den Bergen.»

Mugabes Nachfolger Emmerson Mnangagwa hat bereits kurz nach Amtsantritt im letzten November einigen enteigneten Bauern Teile ihres Landes als Entschädigung zurückgegeben, so auch den Smarts. Von ihrem Hof wurde alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest war. Das Gebäude, worin die Tabakblätter verarbeitet werden, steht jedoch immer noch und ist wieder in Betrieb. Bald wollen die Smarts ein neues Ziel verfolgen:

Legende: Video «Wir wollen Menschen ernähren können» abspielen. Laufzeit 00:12 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.07.2018.

Die Tabakernte vom letzten Jahr hat der Mob nicht angetastet. Exportiert wird Tabak jedoch nicht wie früher direkt ins Ausland. Heute muss er über die Behörden in Harare verkauft werden. Das Ackerland gehört heute nicht mehr der Familie, sie dürfen es von der neuen Regierung lediglich pachten.

Mehrere Dutzend Männer und Frauen arbeiten auf Smarts Feldern. Sie alle haben versucht, die illegale Enteignung zu verhindern, denn die schwarze Bevölkerung ist immer noch finanziell abhängig von der Arbeit auf den Farmen:

Legende: Video «Dieser Hof ist unser Zuhause» abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.07.2018.

Am 30. Juli stehen nun Wahlen an in südafrikanischen Land. Darryn Smart zeigt sich optimistisch: «Die Wahlen werden bestimmt nicht so gewalttätig sein wie früher, als vor den Wahlen die Menschen zusammengeschlagen worden sind. Ich bin zuversichtlich, dass es nicht mehr so schlimm sein wird, wie es war.»

Weisse Simbabwer wie die Smarts betrachten dieses Land als ihre Heimat. Sie wollen nirgendwo anders hin. Es bleibt abzuwarten, ob nach den Wahlen bessere Zeiten nicht nur für sie, sondern für alle Simbabwer beginnen.

Simbabwe: Die ersten Wahlen ohne Mugabe

Menschen mit Plakaten.
Legende:An einer Kundgebung in Marondera zeigen Wähler ihre Unterstützung für Präsident Mnangagwa.Reuters

In Simbabwe finden am 30. Juli 2018 historische Wahlen statt. Zum ersten Mal seit 1980 hat Robert Mugabe nicht mehr das Sagen. Bis 1987 war er Ministerpräsident, danach amtierte Mugabe 30 Jahre als Präsident. Zudem sind zum ersten Mal seit 2002 Wahlbeobachter aus den USA und Europa eingeladen worden.

Reelle Chancen auf das Präsidentenamt haben unter den 55 kandidierenden Parteien nur zwei: Die Regierungspartei Zanu PF unter dem vom Militär eingesetzten Präsidenten Emmerson Mnangagwa sowie die grösste Oppositionspartei, die Bewegung für demokratische Veränderung MDC. Sie wird vom 40-jährigen Anwalt Nelson Chamisa geführt. Es ist ein Rennen zwischen Alt und Jung, zwischen Tradition und Moderne.

Ob einer der beiden Anwärter am 30. Juli die absolute Mehrheit gewinnen wird, ist laut Afrobarometer, einem unabhängigen wissenschaftlichen Institut, allerdings höchst unklar.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Dekolonialisierung ist an sich lobenswert. Pachten statt kaufen macht sehr viel Sinn. Aber enteignen und den Korrupten schenken ist klar falsch und hat viel Knowhow vernichtet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andreas Griesser (A Griesser)
      Das Land wurde illegal enteignet. Es wurde einmal rechtmässig gekauft (von seinem Grossvater) nun muss er dafür bezahlen das er "sein eigenes" Land benutzten darf, das seine Familie durch ihre Arbeit urbar machte. Das ist nicht richtig.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Durch die Enteignung von Eigentum, das von "Weissen" wirtschaftlich genutzt wurde ist das Land verarmt, wurden Millionen in tiefste Armut gezwungen, mussten 100'000e migrieren, die Meisten nach Suedafrika... die eigene schwarze Bevoelkerung.... und Suedafrika ist im Begriff, dass Selbe zu tun, mit noch schwerwiegenderen Folgen, fuer Wirtschaft und hauptsaechlich die schwarze Bevoelkerung... beschaemend fuer die "ELITE" ...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Günter Rieker (guedi)
    Und in Südafrika wird aus Regierungskreisen laut über Enteignungen ohne Entschädigung diskutiert. Einigen Leuten fällt es schwer aus gemachten Fehlern zu lernen - besonders, wenn noch Political Correctness mitspielt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Enteignen von gestohlenem Kolonialbesitz ist nicht per se falsch. Die Frage ist, wie man das macht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Herr Buchmann... das Land in Suedafrika ist in Besitz von Schwarzen und Weissen seit Jahrhunderten, wurde per se nicht gestohlen sondern den schwarzen Koenigen abgekauft.. mit Handelsguetern.. wie Kuhherden zB.. SA war ja praktisch unbesiedelt als die Weissen kamen.. mit Aunahme weniger Staemme und natuerlich den San.. die grosse Zuwanerung der Bantus erfolgte ueber den Limpopo als die Weissen das Land urbar machten... Enteignet hat man waehrend der Appartheid wenig, man hat "verdraengt"..
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Simon Reber (kokolorix)
      Was hat das mit Political Correctnes zu tun? Ist es richtig, wenn weisse Farmer behaupten dieses Land gehöre rechtmässig ihnen? Vor 300 Jahren gehörte es der schwarzen Bevölkerung die davon Lebte. Die Weissen haben damals die Schwarzen genau so enteignet und mit Gewalt vertrieben. Daraus etwas rechtmässiges abzuleiten halte ich für falsch. Die Pacht ist ein gangbarer Mittelweg, damit alle was haben. Land sollte nie Privatbesitz sein, zu was das führt sieht man in Südamerika
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Ich habe meine Farm 1996 gekauft, und bezahlt, NACH dem Fall der Appartheid.. die Historie der Besitzurkunden gehen uebrigens bis weit ins 19te Jahrhundert zurueck, also Vorappartheid-Zeit! Und Herr Reber, Sie liegen komplet falsch... Wo heute Millionen sind waren damals hier und dort einige Hunderte.. verteit ueber ein Land fast so gross wie Europa.. Erst als man Gold un Diamanten entdeckte wurde das Land geflutet von Weissen wie Schwarzen... ist banale Geschichte!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      @ Buchmann, wenn man es genau nehmen will, muesste man auch Europa "dekolonialisisern".. der Mensch ist ja von Afrika aus nach Europa (und den Rest der Welt) gewandert und eingedrungen und hat es in Besitz genommen.. und wenn er nun nach Afrika zurueckkehrt ist das ja wohl im Sinne der Dekolonialisierung... Der Mensch ist immer gewandert migriert.. und hat Besitz erworben oder einfach genommen und hat ers nicht freiwillig bekommen hat er dafuer gekaempft.. ist noch so.. Ironie/Wahrheit ?!?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen