- Internationale Friedensmissionen stehen unter Druck, wie ein neuer Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri zeigt.
- Ende Dezember betrug die Zahl der UNO-Blauhelmsoldaten und anderer Einsatzkräfte noch knapp 79'000 Personen.
- Das ist der niedrigste Stand seit mindestens 25 Jahren.
Die Zahl der UNO-Blauhelme und anderer Einsatzkräfte bei Friedensoperationen hat sich laut dem aktuellen Sipri-Bericht in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. Letztes Jahr gab es insgesamt 58 internationale Friedensmissionen in 34 Ländern oder Gebieten – drei weniger als 2024.
«Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte es zu einer dramatischen Schwächung der multilateralen Konfliktbewältigung und einer fast vollständigen Marginalisierung von Institutionen wie den Vereinten Nationen kommen», sagte Jaïr van der Lijn, Leiter des Sipri-Programms für Friedensoperationen, laut einer Mitteilung.
Vereinte Nationen auf Sparkurs
Gründe für den Rückgang nennt Sipri mehrere. Hauptsächlich würde weniger Geld für UNO-Friedensmissionen bereitgestellt. Vor allem die Kürzungen der USA seien beträchtlich. So klaffte im letzten Sommer eine Finanzierungslücke von zwei Milliarden US-Dollar bei den UNO-Friedensmissionen. Wichtige Geldgeber hatten ihre Zusagen laut Sipri nicht rechtzeitig oder vollständig erfüllt. Die Vereinten Nationen mussten daraufhin beim Personal sparen.
Erst Ende Januar 2026 warnte UNO-Generalsekretär António Guterres erneut vor einem finanziellen Kollaps der UNO.
Weniger gemeinsame Einsätze
Eine Folge der sinkenden Unterstützung für die Vereinten Nationen laut der Forschenden: Immer häufiger finde die Reaktion auf internationale Krisen ausserhalb klassischer multilateraler Missionen statt. Statt gemeinsamer Friedenseinsätze gebe es zunehmend einseitige oder bilaterale Lösungen und kurzristige Absprachen. Diese seien «oft stärker militarisiert und direkter von den Eigeninteressen der beteiligten Staaten beeinflusst», heisst es im Sipri-Bericht.
Die Friedensforscherinnen und Friedensforscher warnen vor schwerwiegenden Folgen für die Zivilbevölkerung in Konfliktgebieten und einer Zunahme von Kriegen, machen aber auch Hoffnung: Der Zusammenbruch der multilateralen Konfliktbewältigung sei nicht unvermeidlich. Dafür müssten sich Staaten aber wieder stärker finanziell engagieren und einen grösseren «politischen Spielraum» schaffen.