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Sipri zählt weniger Friedensmissionen
Aus HeuteMorgen vom 27.05.2020.
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Weltweite Konfliktlösungen Friedenstruppen: immer nötiger, aber immer seltener

  • Es gibt immer weniger Friedenssoldaten weltweit. Gemäss dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri waren 2019 noch 138'000 Personen in Friedensoperationen eingesetzt.
  • Das sind fast fünf Prozent weniger als 2018.
  • Die Anzahl Personen, die bei Friedensoperationen mithalfen, ist aber nicht deshalb gesunken, weil es weltweit weniger Konflikte gibt.

Personell heruntergefahren wurden nicht zuletzt die UNO-Friedenseinsätze in Afrika. Im sudanesischen Darfur, in Kongo/Kinshasa oder in Mali. Das bedeute jedoch nicht, dass die Probleme dort gelöst wären, sagt Jaïr van der Lijn, Spezialist beim Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri für internationale Friedenseinsätze: «Die Friedensoperation sind, nach meiner Einschätzung, zu rasch reduziert worden.»

Weniger Soldaten in Friedenseinsätzen sind kein Signal für eine friedlichere Welt. Es liegt auch nicht daran, dass sich keine Truppen für UNO- oder andere Missionen finden lassen. Zwar stellen die meisten westlichen Länder kaum mehr Blauhelmsoldaten zur Verfügung, obschon die UNO an qualifizierten Truppen sehr interessiert wäre. Denn gerade Menschen aus Ländern wie der Schweiz sind unverdächtig, in Konflikten eigene Interessen zu vertreten.

Drittweltländer generieren Einnahmen mit Soldaten

Doch grundsätzlich mangelt es nicht an Personal. Drittweltstaaten wie Äthiopien, Burundi, Ghana, Bangladesch, Nepal und viele andere stellen gerne Friedenstruppen. Denn sie werden dafür von der UNO gut entschädigt.

«Das Problem besteht primär darin, dass allen voran die USA, aber auch andere grosse westliche Geldgeber ihre Beiträge für Friedensoperationen zum Teil erheblich kürzen», sagt van der Lijn: «Und manche Regime wie etwa das syrische wollen auf ihrem Territorium keine internationalen Friedenstruppen dulden. Sie erachten das als Übergriff auf ihre Souveränität.»

Nötig wären die Friedenstruppen allerdings

Friedensoperationen werden also kleiner und dürften bald auch seltener werden. Obschon sie an zahlreichen Konfliktherden nützlich wären, von Burma über die Ukraine bis Libyen oder Jemen, ist es unwahrscheinlich, dass dort bald Friedenssoldaten für eine Beruhigung oder gar für Stabilität sorgen.

Video
Aus dem Archiv: Niederländische Blauhelme sind teilschuldig.
Aus Tagesschau vom 19.07.2019.
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Heute Morgen vom 27.05.2020; 06:00 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Diese Länder stellen am meisten Soldatinnen und Soldaten für UNO-Friedensmissionen zu Verfügung": Sehr interessante Liste. Weder China, Russland, Türkei, Iran usw. ist aufgeführt. Die gehören doch auch zur UNO.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Bendicht Häberli: China und Russland sind im UNO-Sicherheitsrat und sollten dort eigentlich als ordnende Grossmächte mit Gewaltmonopol auftreten, falls es sie einmal brauchen sollte. Da die sich nie einig sind, läuft das meistens auf gar nichts oder einseitige Himmelfahrtskommandos aus. Deshalb beschränkt sich China darauf, seine Nachbarn mit Gebietsansprüchen zu drangsalieren und in den Konflikten zu warten bis die anderen sie befriedet haben und danach mit dem Auftragsbuch aufzutauchen.
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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Länder wie die Schweiz haben ihre Armeen so zusammengespart, dass sie es nur noch knapp schaffen, ein kleines Kontingent wie im Kosovo zusammenzustellen. Da muss man sich nicht wundern, dass die Afrikaner und Inder einspringen. Die sind zusätzlich auch günstiger.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Da bin ich ganz und gar nicht dagegen. Ich habe die Blauhelme mit eigenen Augen in Bosnien gesehen, beim Aufkommenden Schusswechsel haben sie uns, Touristen, schnell unter Restauranttischen kommandiert. Mehr konnten sie auch nicht machen. Schweizer Söhne sollten nicht dorthin, insb. nicht nach Afrika. Warum denn auch, wenn hier der Bankerjob wartet?
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Manuela Fitzi: Ich bin für freiwillige Schweizer Blauhelme. Die Konflikte auf der Welt treffen über Flüchtlinge etc. auch uns. Ich wollte mich damals auch zum geplanten Schweizer Blauhelm Batallion melden, das anfangs der 90er Jahre leider in der Volksabstimmung abgelehnt wurde. Heute bin ich altershalber nicht mehr in der Schweizer Armee; der Zug ist für mich abgefahren. Sicherheitspolitisches Engagement, neben dem Zücken des Checkbuchs und der Aufnahme von Flüchtlingen, ist aber erwünscht.
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    3. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Schön von Ihnen, Herr Leu. INoble Ziele muss man im Leben haben. Allerdings wenn diese lebensgefährlich werden, darf man auch ganz klar angsthalber dagegen sein. Das mit den Flüchtlingen, insbesondere unter diesem Artikel, ist jetzt ein Nebenschauplatz.
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    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Manuela Fitzi: UNO-Blauhelme sind in der Regel aus Kontingenten von freiwilligen Soldaten zusammengesetzt, auch diejenigen Einsätze der Schweizer Armee (Kosovo, Nordkorea, etc.). Somit kann man dann nicht einfach wenn's brenzlig wird die Kündigung eingeben und sich aus dem Staub machen. Stellen sich vor, Polizisten würden vor einem gefährlichen Einsatz einfach den Dienst quittieren und nach Hause gehen.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Also wenn Drittweltländer mit Friedenssoldaten Einnahmen generieren, allen voran Afrika, dann liegt die Schlussfolgerung nahe, dass es nicht von ungefähr ist, dass Afrika die meisten bewaffneten Konflikte austrägt. Insbesondere ist augenfällig, dass Somalia am meisten Friedenssoldaten braucht und Aethiopien die meisten stellt. Gerade neulich las ich einen Bericht, dass wegen Lockdown die Soldaten nicht nach Somalia dürfen und ihre Familien deswegen hungern. Hört, hört...
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