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Legende: Audio Eurovision Song Contest in Israel – sicher oder nicht? abspielen. Laufzeit 06:48 Minuten.
06:48 min, aus SRF 4 News aktuell vom 14.05.2019.
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Song Contest in Tel Aviv «Der ESC ist den Islamisten ein Dorn im Auge»

Gastgeberland des diesjährigen Eurovision Song Contests (ESC) ist Israel. Doch die Lage ist angespannt. Vor zehn Tagen kam es zu einer Konfrontation: Die Hamas schoss hunderte Raketen in Richtung Israel. Das Land antwortete mit Vergeltungsschlägen. Momentan herrscht Waffenruhe. Die Stimmung in der Stadt sei trotzdem ausgelassen, sagt Gisela Dachs. Sie lebt in Tel Aviv.

Gisela Dachs

Gisela Dachs

Journalistin in Israel

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Die gebürtige Deutsche studierte Literaturwissenschaften und Philosophie. Sie arbeitet als Journalistin und Publizistin und berichtet für verschiedene Medien aus dem Nahen Osten. Sie lebt seit fast 20 Jahren mit ihrer Familie in Israel.

SRF News: Der ESC hat begonnen. Wie ist die Stimmung in Tel Aviv?

Gisela Dachs: Es sind weniger Touristen da als erwartet, aber die Atmosphäre in der Stadt ist ziemlich ausgelassen – mit allen möglichen Food-Festivals und Musik und Partystimmung in einem Dorf, das extra aufgebaut worden ist. Es gibt täglich Berichte über die Proben und die Stimmung bei den Delegationen.

Wie hat sich Israel in Sachen Sicherheit vorbereitet?

Das Raketenabwehrsystem wurde flächendeckend aufgestellt für den Fall, dass die Hamas oder der Islamische Dschihad sich nicht mehr an die Waffenruhe halten. Zur Sicherheit sind auch UNO-Beobachter und Ägypter, die als Vermittler fungieren, dort, um dafür zu sorgen, dass die Waffenruhe hält.

Auf palästinensischer Seite wird die Veranstaltung kritisiert. Sie lenke von den wahren Problemen ab. Wird sich die Hamas an die Waffenruhe halten?

Das wird man sehen. Im Gazastreifen wird es im Rahmen des «grossen Marsches der Rückkehr» wie angekündigt eine Demonstration an der Grenze zu Israel geben. Der 15. Mai ist die sogenannte Nakbah; der Tag, der an die Flucht und Vertreibung der Palästinenser von 1948 erinnert. Die Hamas hat ein Interesse daran, die eigenen Leute unter Kontrolle zu halten.

Der ESC wäre ideal als Angriffsmöglichkeit, weil die Welt hinschaut und viele Journalisten hier sind. Und er ist den Islamisten als freizügiges, westliches Spektakel sowieso ein Dorn im Auge.

Es ist Ramadan und sie will ihnen etwas bieten. Beim Islamischen Dschihad, der vom Iran kontrolliert wird, könnte das anders aussehen. Man darf nicht vergessen: Der ESC wäre ideal als Angriffsmöglichkeit, weil die Welt hinschaut und viele Journalisten hier sind. Und er ist den Islamisten als freizügiges, westliches Spektakel sowieso ein Dorn im Auge.

Die umstrittene BDS-Bewegung – BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen – rief zum Boykott des ESC auf. Trübt dies die Stimmung?

Am Rande der Eröffnungsveranstaltung protestierte eine kleine Gruppe. Daraufhin hat man die Feierlichkeiten 20 Minuten hinausgezögert. Die Gruppe wurde woanders hingebracht, wo sie weiter demonstrieren durfte.

Man ist hier vor allem froh, dass man eine Gelegenheit hat, das eigene Land anders zu präsentieren, als es normalerweise in den Medien üblich ist.

Aber insgesamt spielt dies für die Delegationen keine grosse Rolle. Sie waren bereits am Toten Meer baden. Jetzt konzentrieren sie sich auf ihre Musik und freuen sich auf den Wettbewerb. Viele von ihnen sagen, Kultur und Musik sei das Eine, Politik das Andere, und das könne man nicht immer vermischen.

Es kam auch zu innerisraelischem Protest. Ultraorthodoxe Gruppen kritisieren, dass das Finale am Schabbat stattfindet. Ist das ein Problem?

Diese Kritik kam, als man noch dachte, dass der ESC in Jerusalem stattfinden würde. Das Problem hat man gelöst, indem man ihn in die säkulare Hochburg am Mittelmeer transferiert hat. Denn in Tel Aviv geht, was in Jerusalem sehr viel schwieriger, ja sogar undenkbar wäre: Ein ausgelassenes, freizügiges Fest.

Luca Hänni
Legende: Publikumsliebling Luca Hänni tritt am Donnerstag für die Schweiz beim ESC in Tel Aviv an. Keystone

Wird der ESC also ein sicheres und fröhliches Fest werden?

Das hofft man. Israel hat Erfahrung damit, an grossen Veranstaltungen für Sicherheit zu sorgen. Aber man ist hier vor allem froh, dass man eine Gelegenheit hat, das eigene Land anders zu präsentieren, als es normalerweise in den Medien üblich ist. 200 Millionen Zuschauer sind beim ESC dabei. 1500 Journalisten sind hier. Und für die Israelis ist die Gastgeberrolle auch eine Botschaft: Man gehört zur westlichen Welt.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
    Mich würde mal Interessieren wie die Landkarte dieser Organisation aussieht. Genau so wie die der UEFA! Wenn Israel, Georgien, Kasachstan usw. alles Europa ist, weshalb dann Syrien oder der Lybanon nicht? Das ist doch absurd!
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  • Kommentar von Patric Huber  (Patric Huber)
    Knapp erwähnt, dass die Charedim für Israel vermutlich das grössere Problem sind als die Hamas. Die UO sind mitunter die frauenfeindlichsten, rassistischten und homophobesten Menschen auf dem Planeten.
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  • Kommentar von Franziska Schaffner  (Franziskasch)
    Man könnte auch über die berrechtigte Kritik an diesem Anlass sprechen, der die ganze Welt einlädt um zu feiern und zu zeigen wie frei und ausgelassen man in Israel ist, während über 5 Millionen Ortsansässige, nicht daran teilnehmen dürfen. Weil dieses so freie Israel, welches de facto über ihr Leben bestimmt, ihnen diese Bewegungsfreiheit nicht zugesteht. Der Titel des Artikels zielt an der Mehrheit der Kritiker vorbei, welche ein Apartheitssystem kritisert, nicht das ausgelassene feiern.
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