Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Trumps Tweet als Wahlkampfgeschenk für Netanjahu abspielen. Laufzeit 02:51 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.03.2019.
Inhalt

Souveränität der Golanhöhen «Für Netanjahu ist es ein traumhaftes Szenarium»

Die Golanhöhen im Grenzgebiet zu Syrien sind seit 1967 von Israel besetzt. Das Gebiet gilt als strategisch wichtig. Israel möchte schon lange, dass das Gebiet als zu Israel gehörig anerkannt wird. Es sei Zeit, die Souveränität Israels über die Golanhöhen anzuerkennen, schrieb US-Präsident Donald Trump auf Twitter. In Kürze wird er vom israelischen Premier Benjamin Netanyahu besucht. Das Timing des Tweets dürfte kein Zufall sein, sagt NZZ-Korrespondent Ulrich Schmid.

Ulrich Schmid

Ulrich Schmid

Nahost-Korrespondent der NZZ

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Seit 2015 berichtet Ulrich Schmid für die «Neue Zürcher Zeitung» und zuweilen auch für SRF aus Jerusalem. Zuvor war Schmid Korrespondent für die NZZ in Moskau, Washington, Peking, Prag und Berlin.

SRF News: Ist es Zufall, dass Trump ausgerechnet jetzt diesen Tweet verbreitet?

Ulrich Schmid: Am 19. April wird in Israel gewählt. Ein besseres Geschenk hätte er sich nicht wünschen können. Die Amerikaner bzw. Donald Trump tun alles, um Netanjahu Wahlkampfhilfe zu leisten. Soeben war Aussenminister Mike Pompeo in Israel. Netanjahu reist nächste Woche in die USA. Dort trifft er Trump zweimal.

Der Golan ist eines dieser besetzten Gebiete, das Israel behalten will, genauso wie Ost-Jerusalem.

Zur gleichen Zeit fliegt auch sein grosser Rivale Beni Ganz in die USA. Er wird vom Präsidenten nicht empfangen. Die Israeli lieben Präsident Trump, weil er ihnen Jerusalem zur Hauptstadt gemacht und die Botschaft verlegt hat. Für Netanjahu ist das ein traumhaftes Szenarium.

Karte zu den Golanhöhen
Legende: Die Golanhöhen im Grenzgebiet zu Syrien sind seit 1967 von Israel besetzt. SRF

Warum ist der Golan wichtig für Israel?

Der Golan hatte aus militärstrategischer Sicht mal eine gewisse Bedeutung. Aber inzwischen geht es eher um die Symbolik. Der Golan ist eines dieser besetzten Gebiete, das man behalten will, genauso wie Ost-Jerusalem. Man ist entzückt darüber, dass die USA wahrscheinlich die israelische Souveränität über den Golan anerkennen wird. Das wäre eine ungeheure Genugtuung für die Rechten und würde ihnen gewaltigen Auftrieb geben.

Völkerrechtlich gehören die Golan-Höhen zu Syrien. Was sagt das Regime in Damaskus dazu?

Die Syrer werden mit Sicherheit scharf dagegen protestieren. Sie werden auch versuchen, auf internationaler Ebene dagegen vorzugehen, und diesbezüglich auch relativ grosse Unterstützung bekommen. Aber Trump scheint nicht geneigt, solche Schritte rückgängig zu machen. Deshalb wird man eine weitere Erodierung der Bedeutung von internationalen und multinationalen Organisationen wie der UNO erleben. Doch letztlich werden sie das schlucken müssen.

Das Gespräch führte Barbara Büttner.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Empörung über Trumps Golan-Erklärung. Trump zünzelt wieder.Diese persönliche und unüberlegte Entscheidung Trumps ist gefährlich und würde nur zu weiteren Krisen im Nahen Osten führen. Der von Trump gewählte Zeitpunkt könnte sich fatal auf seinen Jahrhunderteplan für ­einen Nahostfrieden auswirken, den er gleich im Anschluss an Israels Parlamentswahlen Anfang April kundtun will. Die Arabische Liga reagierte frustriert über den unilateralen Vorstoss von Trump.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stefan von Känel  (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Mit anderen Worten, es handelt sich hierbei um die Ankündigung der Absegnung einer Annexion. Man muss kein aufmerksamer Beobachter internationaler Politik sein, um festzustellen: Es spielt keine Rolle was man tut - höchstens wer es tut.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Das ist nicht nur in der Hohen Politik so. In der Schweiz lernt jeder Leerling fast nur nebst "Leerjahre sind keine Herrenjahre!" und "Recht hesch, aber schwige soettsch!" auch "Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe!"
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Und einmal mehr eines verzerrte Bericht Erstattung die vieles, was wichtig ist weg lasst. Zum Beispiel warum Israel dieses gebied eingenommen hat, was vorab gegangen ist, und wie Syrien zusammen mit Iran gegenüber Israel stehen und vorallem bedrohen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen