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Stadt vor Bürgermeisterwahl Kommt es in Paris nach 25 Jahren zum Wechsel ins rechte Lager?

Im Zentrum stehen zwei Persönlichkeiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Rachida Dati für die Bürgerlichen und Emmanuel Grégoire für die Linke.

Rachida Dati, die schillernde, ambitionierte Politikerin und bis vor kurzem Kulturministerin, tritt für die Bürgerlichen an. Sie will Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt werden. «Paris sei der Kampf ihres Lebens», sagt die 60-Jährige, die seit Jahren darauf hinarbeitet, die Stadt zu regieren.

Ich würde für Ordnung, Autorität und Sicherheit sorgen.
Autor: Rachida Dati Kandidatin der Bürgerlichen

Schon 2020 trat sie zur Wahl an. Ihr Wahlprogramm «Changer Paris» (Paris verändern) setzt den Fokus auf die Sicherheit der Metropole. Sie verspricht: «Ich würde Paris radikal verändern: Ich würde für Ordnung, Autorität und Sicherheit sorgen.»

Person mit dunkler Brille und Aktenmappe.
Legende: Rachida Dati in ihrer Funktion als Kulturministerin, im Élysée-Palast. (3.9.2025) REUTERS/Gonzalo Fuentes/File Photo

Dati, die aus einfachen Verhältnissen stammt und eine bemerkenswerte Karriere hingelegt hat, ist bekannt für ihren direkten, manchmal als «rücksichtslos und brutal» empfundenen Kommunikationsstil. Ihre Kampagne führt die ehemalige Justiz- und Kulturministerin in erster Linie über Soziale Medien und meidet Debatten mit anderen Kandidaten.

Ein Handicap für Dati sind die Korruptionsvorwürfe, wegen derer sie sich im September vor Gericht verantworten muss: Ihr wird vorgeworfen, in den Jahren 2010 bis 2013 als EU-Abgeordnete in illegaler Weise Lobbying für den Automobilkonzern Renault betrieben und dafür 900'000 Euro erhalten zu haben. Zudem laufen Ermittlungen wegen des Verdachts, sie habe Honorare von Seiten des Energie­versorgungs­konzerns GDF Suez erhalten – ohne die Herkunft im Europäischen Parlament deklariert zu haben. Dati weist die Vorwürfe vehement zurück.

Emmanuel Grégoire – der dialogorientierte Stratege der Linken

Datis grösster Gegner – der Sozialist Emmanuel Grégoire – vertritt nicht nur andere Schwerpunkte, sondern auch eine komplett andere Methode: Grégoire, der bis Juli 2024 erster Stellvertreter der amtierenden Bürgermeisterin Anne Hidalgo war, setzt abseits des Scheinwerferlichts auf den Dialog mit der Bevölkerung.

Ich denke, dass sich die Treffen – fernab von den Sozialen Netzwerken – auszahlen werden.
Autor: Emmanuel Grégoire Kandidat der Sozialisten

Der Sozialist ist aber weniger bekannt in Paris als Dati. «Ich habe in den letzten sechs Monaten hunderte von Treffen organisiert. Ich denke, dass sich diese Arbeit auszahlen wird. Fernab von den Blasen der Sozialen Netzwerke ermöglichen die Treffen eine ruhigere Diskussion und eine vertiefte Auseinandersetzung mit Themen, die die Kürze der Botschaften in Sozialen Medien nicht zulässt», so Grégoire.

Mann mit Mikrofon spricht im Freien.
Legende: Emmanuel Grégoire bei einer Wahlkampfveranstaltung in Paris. (7.3.2026) Keystone/AP Photo/Thibault Camus

Grégoire, der als Kandidat der vereinten Linken und der Grünen antritt, konzentriert sich auf Themen wie bezahlbaren Wohnraum, den Bau von Sozialwohnungen, die Regulierung saisonaler Vermietungen, Solidarität sowie eine besser ausgestattete und vielfältigere öffentliche Schule.

Ein ungleiches Rennen mit offenem Ausgang

Auf der linken Seite haben sich Grüne, Kommunisten und Sozialisten bereits vor dem ersten Wahlgang hinter Emmanuel Grégoire gestellt, um zu verhindern, dass die Stadt Paris bürgerlich wird. Die Parteien von der Mitte bis Rechtsaussen treten hingegen nicht geeint an. Rachida Dati wird nicht einmal von den Parteien unterstützt, mit denen die profilierte, aber auch umstrittene Politikerin bis vor kurzem in der Regierung war.

Der Ausgang der Wahl ist offen. Gemäss aktuellen Umfragen hat Emmanuel Grégoire die Nase leicht vorn. Wenn Dati nach dem ersten Wahlgang eine breitere Unterstützung aus ihrem politischen Lager erhält, hat sie aber gute Chancen, in das Stadthaus einzuziehen.

Tagesschau, 13.3.2026, 19:30 Uhr

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