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Stalinistische Verbrechen Russland schliesst Gulag-Museum

Legende: Audio Menschenrechtsaktivist in Tschetschenien vor Gericht abspielen. Laufzeit 04:06 Minuten.
04:06 min, aus Rendez-vous vom 03.07.2018.
  • Behörden schliessen das Gulag-Museum im westrussischen Joschkar-Ola, weil es bauliche Mängel aufweise.
  • Der Direktor der Einrichtung hält den Schritt eher für politisch motiviert.
  • Unter Präsident Wladimir Putin ist die Aufarbeitung der stalinistischen Verbrechen nach Meinung von Beobachtern zunehmend unerwünscht.

Die Aufarbeitung von stalinistischen Verbrechen gerät im heutigen Russland offenbar immer mehr ins Abseits. Jetzt wurde ein Gulag-Museum zur Schliessung gezwungen.

Politisch motiviert

Der Museumsdirektor hält den Schritt für politisch motiviert, weil die Aufarbeitung der Verbrechen aus der Sowjet-Ära zunehmend unerwünscht sei. Die Behörden erklärten, am Gebäude gebe es bauliche Mängel.

«Wir haben keinen Zugang mehr zum Museum», sagte der Direktor des Museums im westrussischen Joschkar-Ola, Nikolai Araktschejew, der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Es habe auch einen Versuch gegeben, die Exponate zu beschlagnahmen.

Hunderte erschossen

Aus dem örtlichen Kulturministerium hiess es, das Gebäude sei geschlossen worden, weil es eine Gefahr für Besucher sei. Der Direktor versicherte aber, nur das Dach müsse einmal repariert werden. «Sie wollen das Museum zerstören, das eine Quelle der historischen Wahrheit und Freiheit ist», sagte Araktschejew.

Der frühere Soldat, der mehrere Jahre für die Menschenrechtsorganisation Memorial gearbeitet hat, recherchiert seit Jahren zu den stalinistischen Verbrechen und dem Gulag genannten System der Straf- und Arbeitslager in der Sowjetunion. Araktschejew versucht insbesondere, die Überreste der Opfer aufzuspüren, die in den Wäldern um die Stadt zu Hunderten erschossen wurden.

Unterlagen zerstört

Unter Präsident Wladimir Putin ist die Aufarbeitung der stalinistischen Verbrechen nach Meinung von Beobachtern zunehmend unerwünscht, und Historiker, die zu dieser Periode forschen, werden immer wieder unter Druck gesetzt. Im Juni berichtete zudem ein Forscher, dass die Behörden Gefängnisunterlagen zum Gulag zerstört hätten.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    @Herr Imber, mindestens ebenso interessant finde ich den Reflex, wie Leute Geschehnisse aus der schrecklichen Zeit Stalins dazu verwenden, die heutige russische Reg, zu diskreditieren. Ich bin beileibe kein Putin-Fan, sowenig ich aficionada von Trump, Bush etc. bin. Auch gehöre ich keiner Partei an, Ideologien lehne ich ab; aber ich finde diese Einseitigkeit aufgrund einer blossen Vermutung, schlichtweg wenig dienlich für mehr Verständnis in Ost und West. Mehr Objektivität wäre entspannend.
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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Und wieder zeigt man Richtung Osten obwohl wir vor der eigenen Tür kehren sollten.Gerade in der EU gibt es genügend Länder wo jedes Jahr der Jahrestag der SS-Divisionen gefeiert wird.Auch in D ist die Aufarbeitung dieses Themas nicht gerade vorbildlich.
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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Das einzige Museum in Russland dass diesen Zweck erfüllt ist in Moskau. "Staatliches Museum der Geschichte der Gulag". In Joschar-Ola steht eine zweistöckige Bruchbude die einzelne als Museum bezeichnen. Dieses Museum wurde übrigens zur Zeit von Vladimir Putin in 2001 eröffnet und zwischen 2015 - 2017 mit neuem deutlich grösseren Standort nochmals massiv vergrössert.
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