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Aus Tagesschau vom 21.08.2019.
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Streit um Grönland Vom Witz zur Beziehungskrise

In einem Punkt hat der amerikanische Präsident nicht unrecht: Grönland ist für die USA hochinteressant. Wegen seiner geostrategischen Lage ebenso wie wegen seiner Rohstoffe. Bloss ist die Kaufofferte der falsche Weg, um dieses Interesse zu bekunden.

Trumps Vorstoss ist aus der Zeit gefallen

Früher wurden Territorien gekauft und verkauft, mitunter überaus billig verhökert. Riesige Ländereien in Afrika, ganze Inseln in der Karibik. Die USA selber haben Louisiana von den Franzosen und Alaska von den Russen gekauft. Die liechtensteinische Fürstenfamilie erwarb seinerzeit ihr Land käuflich.

Doch diese Zeiten sind vorbei – was Trump nicht bedacht hat oder ihm egal ist. Er liess sich auch nicht beraten von seinem Stab, seinen Ministern. Sie hätten ihn von seinem kuriosen Vorstoss abgeraten. Denn dieser wird nun, zumindest kurzfristig, dazu führen, dass man den USA und vor allem ihrem jetzigen Präsidenten in Dänemark und in Grönland nicht mehr traut. Was es schwieriger macht, dort amerikanische Interessen wahrzunehmen.

Rohstoffe und Machtansprüche

Doch um welche Interessen geht es? Zunächst um die Rohstoffe Erdöl und Erdgas. Von beiden werden reiche Vorräte in und um Grönland vermutet. Mit der Klimaerwärmung wird deren Ausbeutung möglich. Es geht vor allem aber auch um sogenannte «seltene Erden», um rare Rohstoffe, die für die Herstellung von Computern, Mobiltelefonen oder Elektroautos unverzichtbar sind. Wie fast alle Länder beziehen die USA diese seltenen Erden seit Jahren aus China. Damit bekam China ein Druckmittel in die Hand, das es nutzen könnte, wenn sich das Verhältnis zu Washington nicht bessert. Grönland böte also eine Alternative.

Es geht zugleich aber auch um Geostrategie, um Macht und Einfluss im arktischen Raum. Russland versteht sich seit langem als arktische Grossmacht und investiert massiv in seinen hohen Norden, auch militärisch. Auch Kanada schenkt der Arktis neuerdings mehr Beachtung. Selbst das tausende von Kilometern entfernte China beansprucht Einfluss in der Arktis, investiert in Anrainerstaaten, auch in Grönland. Und China betrachtet die Schifffahrtswege im Polarmeer wie selbstverständlich als Teil seiner «Belt-and-Road»-Initiative, also der «neuen Seidenstrasse».

Die USA hingegen vernachlässigen die Nordpolarregion seit Jahrzehnten sträflich. Militärisch können sie in dieser Weltgegend Russland nicht mehr das Wasser reichen. Ihre paar betagten Eisbrecher sorgen bloss noch für Spott. Washington ist also herausgefordert. Die USA besitzen zwar in Nordwestgrönland die wichtige Flugwaffen-, Marine- und Radarbasis Thule. Eine weitere Basis, deutlich südlicher, haben sie längst aufgegeben. Jetzt besteht offenbar das Bedürfnis, sich wieder stärker zu engagieren.

Grönland braucht Geld für die Unabhängigkeit

Dagegen spricht grundsätzlich nichts: Die USA könnten weitere Basen auf Grönland bauen und betreiben. Sie könnten sich auch wirtschaftlich weitaus stärker engagieren. Dagegen hätten die Grönländer nichts. Sie brauchen Geld, viel Geld, um ihren Traum von der vollen Unabhängigkeit zu realisieren. Zurzeit basiert ihr Staatshaushalt noch zu mehr als der Hälfte auf Zuwendungen aus Kopenhagen. Um diese zu ersetzen, wären US-Milliarden hochwillkommen.

Der nächste Anlauf der USA, mehr Einfluss in Grönland zu erringen, ist deshalb bloss eine Frage der Zeit. Nur müssten sie es dann richtig machen: weniger plump, weniger naiv, weniger brüskierend.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Trump hat in Grönland überhaupt nichts verloren. Dieses soll unter dänischer Politik verbleiben. Es wäre sonst zu befürchten, dass Grönland und der Nordatlantik durch zügellose Oelförderung verschandelt würden. Und: Trump hat sich wie ein schlecht erzogenen Kind aufgeführt, als er gegen Dänemark zu "täupelen" anfing. Eigentlich kann Trump kaum mehr ernstgenommen werden mit seiner Art von unreifem Verhalten. Schade, dass er dem militärstärksten Land vorsteht.
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    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Ueberlassen Sie mal das den Grönländern selber Herr Ueli von Känel. Ich bin sicher, die brauchen Ihren Ratschlag in dieser Sache nun gar nicht.
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Es ist zum Verzweifeln. Dieser Trump zieht einfach nicht in den Krieg und geht alternativ auf Einkaufstour. Europa dreht fast durch und bewirtschaftet derweil Schmierenkomödien als Ersatz.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Da hat schon manch einer über ein "witziges Angebot" zuerst gelacht, dann deutlich "Nein, Nie" gesagt und letztendlich, wenn der Preis stimmte, hat man das Geld ganz gerne genommen und den Verkauf damit begründet, das die Zukunft so wohl in besseren Händen sei. So wird es auch mit Grönland gehen. Denn als US-Bundesstaat hat Grönland massiv mehr Freiheiten als heutiger Teil Dänemarks und man spielt wirtschaftlich in einer ganz andern Liga. Na, führen wir doch eine Volksabstimmung durch!
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    1. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      Aber sicher... die Grönländer würden sich sowas von freuen, Besitz der USA zu sein, zuzusehen, wie „Washington“ ihnen die Ressourcen abziehen (hat ja bereits dafür bezahlt), zu miesen US amerikanischen Konditionen arbeiten zu dürfen, ganz zu schweigen vom definitiven Verlust ihrer Identität... oder glauben Sie, die USA würden diesmal die Kultur der Inuit respektieren (siehe Alaska!)
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      @Borel: Unglaublich arrogant, Ihre Aussage. Schon mal die Inuit in Alaska besucht? Wollen Sie diese Menschen zwangsvolklorisiert in ein Ballenbergmuseum stecken oder dürfen diese Leute auch modern sein, wie alle andern modern sind? Meine Arbeit brachte mich oft in die Gebiete der Einheimischen, egal ob in Alaska, Südamerika, Asien. Einheimische sind im Fall keine Museumsfiguren, sondern Menschen, die moderne Ansprüche haben.
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    3. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      @Borel: Wetten, dass wenn ein Verkauf tatsächlich zustande kommen würde, viele Deutsche, Polen etc. noch kurz nach Grönland ziehen würden, um so einen US-Pass ergattern zu können? Tja... an der Attraktivität des US-Passes oder der Green Card hat sich halt nichts geändert.... Auch wenn die Medienlandschaft voll von Anti-Amerikanismus ist: Die USA sind halt schon ein toller
      Flecken Erde. Vorauf halt manch einer neidisch ist, gerade wenn er aus dem Linksgrünen Ecken stammt.
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    4. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Herr Ducrey, längst nicht alle Menschen haben den Wunsch, modern zu sein. Im Gegenteil, dieses Bedürfnis wird indigenen Völkern oftmals durch die globalisierte Wirtschaft aufgezwungen! Passend dazu ist ein Gleichnis aus Tiziano Terzanis Buch "Fliegen ohne Flügel": Am thailändischen Ufer des Mekong hört man Autolärm und sieht man das Neonlicht der Strassenlaternen, am laotischen hört man Grillen zirpen und sieht man das Licht von Lampions an Holzhäusern. An welchem Ufer wohnt denn nun das Glück?
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    5. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Wenn Grönland an die USA gehen würde, würde es noch lange nicht automatisch ein selbständiger Bundesstaat werden.
      Grönland würde schon viel eher ein organisiertes US-Aussengebiet wie Puerto Rico, Guam, die nördlichen Marianen und andere. Damit hätten sie massiv weniger politischen Einfluss als heute.
      Wenn es ganz schlecht kommt, könnte es gar wie Amerikanisch-Samoa, die Midway-Inseln und weitere werden, die gar nichts in Washington mitzureden haben.
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    6. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @ducrey. Schöne Flecken gibt es überall auf der Welt. Da muss niemand neidisch auf die Amis sein. Man muss sich eher schämen, dass von dieser Nation aus, soviel Elend über die Welt gebracht wurde und wird!
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    7. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      @Häberlin: Nun, die Frage ist sicher berechtigt. Das Glück ist immer nach dem Bedürfnis gerichtet, einer der Blinddarm hat und medizinische Hilfe braucht, zieht das Neonlicht dem Zirpen der Grillen vor.... Was die Inuit anbelangt, die leben nicht in Iglus und essen rohen Fisch. Die fahren Auto, fliegen Flugzeuge, bewirten Touristen und studieren Informatik, Werkstofftechnik, Bauwesen, Jura, Wirtschaft und dchauen sich die Welt an, wie wir.
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