Darum geht es: Österreich und die Schweiz haben vieles gemeinsam, doch bei der Stromversorgung gibt es deutliche Unterschiede. Während die Schweiz über eine Aufhebung des AKW-Neubauverbots nachdenkt, drehen in Österreich rund 1500 Windräder und kein einziges Kernkraftwerk liefert Strom.
Windflaute in der Schweiz: Hierzulande sind aktuell weniger als 50 Windkraftwerke in Betrieb, in unseren Nachbarländern sind es deutlich mehr. Das liege zum grössten Teil an den lange dauernden Verfahren in der Schweiz, heisst es bei Suisse Eole, der Lobbyorganisation der Schweizer Windkraft-Branche. Mit dem Beschleunigungserlass, der am 1. April 2026 in Kraft tritt, werden die Bewilligungsverfahren vereinfacht.
Kein Kernkraftwerk in Österreich: Österreich verzichtet nach einem Volksentscheid 1978 auf eigene Atomkraftwerke. «Das ist nach wie vor die Haltung der Österreicherinnen und Österreicher», betont Michael Strugl, der Chef des grössten österreichischen Stromkonzerns Verbund AG, am Stromkongress in Bern. Neben der Wasserkraft hat Österreich den Ausbau von Solar- und Windkraft stärker vorangetrieben.
Fast 1500 Windräder im Nachbarland: Mit 9.2 TWh im Jahr 2024 hatte die Windkraft einen Anteil von über 10 Prozent an der Stromproduktion. Bis 2040 soll die Produktion auf 35.7 TWh/Jahr steigen und damit mehr als ein Viertel des Bedarfs abdecken. Auch Solarenergie und Wasserkraft will Österreich stärker und schneller ausbauen als die Schweiz, wo andererseits nun der Bau neuer Kernkraftwerke wieder zur Diskussion steht.
Schweizer Strombranche investiert im Ausland: Der Berner Energiekonzern BKW war einer der Windkraft-Pioniere in der Schweiz mit dem Windpark Mont Crosin im Berner Jura. In diesen Tagen nimmt die BKW ebenfalls den Windpark Cerignola in Süditalien in Betrieb. Die 29 Windturbinen sollen im Jahr mehr als 300 GWh produzieren, was dem Jahresverbrauch von 140'000 Haushalten entspricht. Die Axpo-Gruppe hat neben einzelnen Schweizer Standorten in Europa seit 2015 mehr als 90 Windparks entwickelt. Auch Alpiq betreibt neben Windparks in der Schweiz auch solche in Frankreich und Italien.
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Bild 1 von 2. Blick auf ein BKW-Windkraftwerk in Castellaneta, Apulien, Italien. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Der Berner Energiekonzern betreibt an verschiedenen Standorten im Ausland Windparks. Bildquelle: SRF.
Sturmwind im Winter treibt Windräder an: Um den Jahreswechsel sorgte stürmisches Winterwetter für viel Wind, sodass die Windräder in Österreich an einzelnen Tagen in der Kalenderwoche eins fast so viel Strom lieferten wie alle anderen Produktionsarten zusammen. Zwei Drittel der jährlichen Windkraft-Erzeugung fallen im Winter an. «So leistet die Windkraft einen bedeutenden Beitrag zur Deckung der Winterstromlücke», erklärt Michael Strugl von der Verbund AG.