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Südkorea und Japan Ehemalige Sexsklavinnen: Gericht in Seoul fordert Geld von Japan

  • Japans Regierung soll laut der Entscheidung eines südkoreanischen Gerichts eine Entschädigungszahlung für zwölf Opfer der sexuellen Versklavung durch das japanische Militär im Zweiten Weltkrieg leisten.
  • In dem Zivilprozess sprach das zentrale Bezirksgericht in Seoul jeder der koreanischen Klägerinnen 100 Millionen Won (rund 82'000 Franken) zu.
  • Dass Japan sich dem Urteil beugt, gilt als unwahrscheinlich.
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Aus dem Archiv: Erbitterter Streit zwischen Japan und Südkorea
Aus Tagesschau vom 29.07.2019.
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Nur noch fünf der zwölf Klägerinnen sind nach Berichten südkoreanischer Medien am Leben. Für die bereits gestorbenen Klägerinnen sollen ihre Familien die Entschädigung erhalten. Den Opfern sei «extremer mentaler und physische Schmerz» durch das erlittene Unrecht zugefügt worden, hiess es in dem Urteil. Doch bisher hätten sie keine Entschädigung erhalten.

Beide Seiten beharren auf ihren Positionen – eine Einschätzung

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Thomas Stalder, SRF-Korrespondent in Japan, schätzt das Urteil ein:«Das Urteil kommt wenig überraschend, haben doch bereits in den vergangenen Jahren südkoreanische Gerichte japanische Firmen wegen Zwangsarbeitern während der Kolonialzeit zu Entschädigungszahlungen verurteilt. Die Regierung in Seoul will die konservativen Wähler nicht verlieren und stellt sich jeweils auf den Standpunkt, man respektiere die Entscheide der Justiz. Auch Japans Regierung will ihre Wähler nicht verlieren und reagiert daher brüskiert.Für Tokio sind sämtliche Ansprüche gegenüber dem japanischen Staat und japanischen Firmen mit dem im Jahr 1965 abgeschlossenen Grundlagenvertrag abgegolten. Japan zahlte damals Wiederaufbauhilfen und gewährte Kredite. Solange beide Seiten auf ihren Positionen beharren ist eine Lösung des Streits und damit eine Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen kaum möglich.»

Japans Regierung verweigerte eine Teilnahme an dem Prozess und berief sich dabei auf die Staatenimmunität, wonach ein Staat nicht über einen anderen zu Gericht sitzen darf. Tokio sieht ausserdem das Thema Entschädigung durch einen bilateralen Vertrag von 1965 als abgeschlossen an.

Japan bestellt Südkoreas Botschafter ein

Das japanische Aussenministerium teilte nach der Urteilsverkündung mit, dass es den südkoreanischen Botschafter in Tokio einbestellt habe. Kabinettschef Katsunobu Kato bezeichnete das Urteil in einer weiteren Reaktion als «äusserst bedauerlich» und sagte, «die japanische Regierung kann dies keinesfalls akzeptieren.»

Das südkoreanische Aussenministerium liess verlauten, es respektiere das Urteil und werde sich bemühen, die Würde der Frauen wiederherzustellen. Die möglichen Auswirkungen des Urteils auf die Beziehungen zu Japan würden untersucht und Anstrengungen unternommen, um eine «zukunftsorientierte» Zusammenarbeit mit Tokio aufrechtzuerhalten.

Verfahren immer wieder verschoben

Der Streit um die Entschädigung von Sexsklavinnen sowie ehemaligen Zwangsarbeitern aus Korea belastet die Beziehungen beider Länder seit Jahrzehnten. Nach Schätzungen von Historikern wurden im Weltkrieg bis zu 200'000 Frauen, vor allem aus Korea und China, gezwungen, Soldaten der japanischen Kaiserarmee in Frontbordellen zu Diensten zu sein. Heute sind nur noch wenige der inzwischen hochbetagten Opfer am Leben.

Das Verfahren in Südkorea wurde in den letzten Jahren immer wieder verschoben, weil Japan sich weigerte, vorbereitende Schriftsätze des Gerichts entgegenzunehmen. Erst im vergangenen Jahr begannen die Anhörungen vor Gericht.

SRF 4 News, 08.01.2021, 10:00 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Tarnutzer  (Kotei)
    Südkorea versucht immer wieder von Japan Geld mit Vergangenem zu ergaunern das ist eine Endlos schlaufe, wer bezahlt die Strandreinigungen in Japan die Hauptsächlich von Korea verursacht wird? Warum gibt es Geschäfte in Japan die für Japaner verboten sind, die von Koreanern geführt werden? Aussagen können belegt werden.
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    1. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Tarnutzer: Japan hat es nicht einmal geschafft sich ernsthaft bei Südkorea und China für die Gräueltaten zu entschuldigen. Dies lässt tief blicken.
      Die von Ihnen ins Feld geführten Vergleiche haben nicht den geringsten kausalen Zusammenhang.
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    2. Antwort von Michael Tarnutzer  (Kotei)
      @Stadler Japan hat sich sehr wohl entschuldigt, doch ich denke dies muss nicht jedes Jahr wiederholt werden, der Zusammenhang ist auf die finanziellen Forderungen der Koreaner bezogen und wurde von mir mit einer Gegenforderung argumentiert, wissen Sie wieviele Japaner von Koreanern jährlich beleidigt und gar körperlich attackiert werden ein weiterer Fakt der belegt werden kann, die Schuldgefühlkultur darf auch mal enden.
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    3. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      …und interessant ist, dass aus Taiwan, wo das damalige japanische Militär genau gleich gewütet hat, keinerlei derartige Forderungen kommen. Im Gegenteil sind Taiwan und Japan eng miteinander verbündet.

      Wie anderweitig erwähnt, dient diese Rhetorik der Südkoreanischen Regierung etc. dazu von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.
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    4. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      @Stadler: Japan und Korea habe sich in einem Abkommen 1965 geeinigt. Japan hat sich damals sehr wohl entschuldigt und 500 Mio USD (Entspricht heute 41 Mrd USD) Entschädigungszahlung geleistet. Auch haben etliche Premierminister Japans sich in den letzten Jahrzehnten mehrmals offiziell Entschuldigt. Nach dem Abkommen von 1965 lehnt Japan aber berechtigterweise jegliche weitere Zahlung kategorisch ab.
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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Auf den ersten Blick klingt das ganze aus Sicht Koreas Nachvollziehbar. Aber, in dem Abkommen von 1965 das im Artikel hier beiläufig erwähnt wird, wurde diese Angelegenheit zwischen Japan und Korea bereits Vertraglich geregelt und eine gewaltige Entschädigungssumme bezahlt.
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  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Die Comfort Women werden von Südkorea immer dann aufgebracht, wenn es innenpolitisch nicht so gut geht. Das ist ein sehr gutes Ablenkungsmanöver.

    Zudem hat Japan schon Genugtuungszahlungen geleistet.
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