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Nach den Ansteckungen wurden die Clubs wieder geschlossen
Aus SRF 4 News aktuell vom 12.05.2020.
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Superspreader in Südkorea «Homosexuelle haben Angst, sich zu melden»

Südkorea gilt bei der Bekämpfung des Coronavirus als vorbildlich. Nachdem Neuinfektionen wochenlang rückläufig waren und die Massnahmen wieder gelockert wurden, erlebt das Land nun einen Rückschlag. Ein einziger Mann steckte bei einer Tour durch diverse Nachtclubs Dutzende Menschen mit dem Coronavirus an. Die Hintergründe kennt Martin Aldrovandi.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Was ist in Südkorea genau passiert?

Martin Aldrovandi: Südkorea hatte bekanntlich keinen Lockdown. Das Land reagierte zu Beginn der Pandemie sehr rasch und etablierte schnell ein flächendeckendes Coronatest-Regime.

Viele haben Angst, sich zu melden, weil sie sich damit als schwul oder lesbisch outen würden.

Jetzt beschäftigt Südkorea aber der Fall eines Mannes, der positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde. Zuvor hatte er mehrere Clubs und Bars in einem grossen Ausgehviertel in Seoul besucht, das vor allem auch bei Schwulen und Lesben beliebt ist.

Personen warten vor einem Zelt mit Rotkreuzsymbol.
Legende: Manche Clubbesucher lassen sich testen. Das tun aber bei weitem nicht alle. Reuters

Seither versuchen die Behörden, alle Personen zu eruieren, die zur betreffenden Zeit in diesen Lokalen waren. Dabei geht es um tausende Personen. Viele potenziell Betroffene haben aber Angst, sich selber zu melden, weil sie sich damit ja quasi als schwul oder lesbisch outen würden.

Wieso ist die Angst vor einem Outing so gross?

Südkorea ist ein sehr konservatives Land, vor allem was Schwule, Lesben oder Transgender-Menschen angeht. Es gibt starke christliche Gemeinden, die sehr konservatives Gedankengut verbreiten. Sie gehen auch mal auf die Strasse, um gegen sexuelle Minderheiten zu protestieren.

In den LGBT-Kreisen herrscht deshalb Angst vor Repressionen. Auch vor ihren Familien oder Arbeitgebern haben sich viele schwule oder lesbische Südkoreaner und Südkoreanerinnen nicht geoutet. Entsprechend kompliziert ist die Lage jetzt mit diesem Superspreader-Fall.

Südkorea ist ein sehr konservatives Land, vor allem was Schwule, Lesben oder Transgender-Menschen angeht.

Wie reagiert die Öffentlichkeit in Südkorea auf den Virus-Ausbruch?

Die Medien berichten gross über den Fall, von einigen Clubgästen veröffentlichten sie auch die Identität. In den sozialen Medien werden LGBT-Menschen jetzt angegriffen und kritisiert – zum Teil mit sehr harschen Ausdrücken.

Muss Südkorea jetzt mit einer zweiten Infektionswelle rechnen?

Das wird befürchtet. Allerdings versuchen die Behörden, eine zweite Welle so gut wie möglich zu verhindern. Sie suchen aktiv nach den möglicherweise betroffenen Personen. Auch mussten alle Clubs in Seoul inzwischen schliessen, einige Firmen führten erneut Homeoffice ein. Zudem wurde die Öffnung der Schulen als Vorsichtsmassnahme um eine Woche verschoben.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

SRF 4 News aktuell, 12.05.2020, 10:12 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Sun Young Yi  (PyeongChang)
    2 Ergänzungen: die sexuelle Vorliebe des jungen Partygängers sowie die Identität der Clubgäste wurde nirgends veröffentlicht. Übrigens, allen positiv getesteten in Korea wird die Anonymität gewährt, was so oft hierzulande missverstanden wird. Vielmehr hat der Bürgermeister von Seoul vor 2 Tagen angekündigt, ohne den Namen und Ort, wo man sich in letzter Zeit aufgehalten hat, anzugeben zum gratis Corona-Test kommen kann aus Rücksichtsnahme auf die Menschen, die sich vor einem Outen fürchten.
    1. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Das Problem an diesem Artikel ist, dass sexuelle Orientierung ("Mann hat in Schwulen-Clubs Leute angesteckt") mit einer nicht-sexuell übertragbaren Krankheit korreliert wird. In einer normalen Gesellschaft, hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Der Artikel verletzt die Regeln der neutralen Berichterstattung und ist einseitig.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ich denke, da müsste man nicht die sexuelle Orientierung an den Pranger stellen, sondern verantwortungslose Leute, die ihre Lust nicht zügeln können. Machen wir uns nichts vor, beidseitig gibt es Clubs, die dieses Verhalten begünstigen. Der Typ hat sich einfach nicht zurückgehalten, nun schlüpft er sich in die Opferrolle und macht eine Diskriminierungsgeschichte daraus. Der einzige Zusammenhang könnte sein, dass er es hätte besser wissen müssen. Völlig verwerflich die Geschichte.
  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Mir ist nicht ganz klar wieso über die sexuelle Orientierung und die damit Verbundene Scham des 'super spreaders' (was für ein Unwort!) explizit berichtet werden muss. Der Bericht hat's Gschmäckle. Es hätte genauso gut ein heterosexueller, verklemmter Bordellgänger sein können.
    1. Antwort von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
      Die sexuelle Orientierung des mutmasslichen Virusverbreiters (und seiner möglichen Kontaktpersonen) und der schwierige Umgang Südkoreas damit müssen hier schon klar erwähnt werden, um die ganze Tragweite dieses speziellen Falles zu verstehen. Sonst müsste ja auch verschwiegen werden, dass und warum die LGBTQ-Community in Südkorea Repressionen und Attacken ausgesetzt ist. Den Zusammenhang würde keiner verstehen.
    2. Antwort von Roger Gasser  (allesrotscher)
      Man berichtet eben über was ist, nicht über was hätte sein können
    3. Antwort von Laura Brunner  (bougiebear)
      Herr Baumann, die sexuelle Orientierung des Superspreaders wird mit keinem Wort erwähnt, dies wird nur von Ihnen so interpretiert.
    4. Antwort von Josef Graf  (Josef Graf)
      Nein, Herr Baumann, ein verklemmter heterosexueller Bordellgänger besucht, weil er eben verklemmt ist, nur ein einziges Bordell, wo er in der Regel nur mit einer einzigen Person Kontakt hat. Dieser "Verklemmte" würde also keine Tour durch diverse Nachtclubs unternehmen und dabei mindestens Dutzende Menschen erwiesenermassen mit dem Coronavirus anstecken und möglicherweise noch Hunderte oder Tausende weiterer Menschen, die sich nicht outen.