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Drei Jahre Haft auf Bewährung für Star-Regisseur Serebrennikow
Aus Echo der Zeit vom 26.06.2020.
abspielen. Laufzeit 03:34 Minuten.
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Theater in Russland Ein Schuldspruch als Drohung

Russlands bekanntester Filme- und Theatermacher Kirill Serebrennikow muss nicht ins Gefängnis. Trotzdem ist seine Verurteilung zu rund 10’000 Schweizer Franken und drei Jahren Haft auf Bewährung ein Schlag gegen die liberale Kunstszene.

Das heute verkündete Urteil löste unter seinen Anhängern vor Gericht Freudenjubel aus. Zuletzt wurde befürchtet, dass der Regisseur die nächsten Jahre hinter Gittern verbringen müsste, nachdem die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Lagerhaft für ihn gefordert hatte.

Die Erleichterung unter Serebrennikows Unterstützern ist verständlich, doch angesichts des mehrjährigen Verfahrens und dem Schuldspruch bleibt ein fahler Nachgeschmack.

Willkür mit System

Das Gericht liess verkünden, dass Serebrennikows Schuld und die seiner Mitangeklagten ausreichend bewiesen sei. Dabei musste der Fall im vergangenen Jahr an die Untersuchungsbehörden zurückgewiesen werden, als sich die Vorwürfe schlicht nicht länger aufrecht erhalten liessen. Den Angeklagten war vorgeworfen worden, sie hätten staatliche Gelder für Theateraufführungen in die eigenen Taschen gesteckt, die gar nie stattgefunden hätten. Obwohl es für die Aufführungen Beweise gab.

Dass das Verfahren vor Gericht überhaupt wieder aufgenommen wurde und nun in einem Schuldspruch endete, zeigt: Es gab ein politisches Motiv, es sollte am Starregisseur ein Exempel statuiert werden.

Kulturszene im Dilemma

Als Serebrennikow das Gericht am frühen Abend durch den Seitenausgang verliess, rief er die Menge auf, für die Wahrheit zu kämpfen. Es war weit mehr als trotziger Triumph. Es war ein Appell an die liberale Kunstszene, in zunehmend schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben.

Video
«Für die Wahrheit muss man kämpfen»
Aus SRF News vom 26.06.2020.
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Die Moskauer Theaterszene steckt in einem unlösbaren Dilemma. Mit der Ausnahme eines Nischentheaters gibt es keine Insitution, die nicht von staatlichen Fördergeldern abhängig wäre. Jedem, dessen Kunst einflussreichen Kreisen aus politischen Gründen nicht gefällt, kann unter dem Vorwurf der unsauberen Buchhaltung der Prozess gemacht werden.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

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Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR.

Echo der Zeit, 26.06.2020

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Es gibt ein 5-stünd. Dokumentation vom Telekanal Doschd mit Interviews vor dem Gerichtsgebäude. Ich fand eines mit einem jungen Lokalpolitiker interessant, dieser sagte, dass die Administration in Moskau zwischen den rückwärtsgewandten und den vorwärtsschauenden Politikern gespalten ist. Die Vorwürfe gegen C sind vermutlich ein reiner Vorwand, da gemäss der Schlagzeile in gazeta.ru kein Künstler die veralteten Sowjetgesetze einhält. Ich sehe im Urteil eine grosse Unsicherheit in der ru. Politik
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  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    In andern Medien wird der Fakt erwähnt, dass in R‘s Theater buchhalterisch ein Chaos geherrscht hat. R. habe das selber zugegeben. Drei weitere Mitglieder der Theaterleitung seien deswegen auch angeklagt. Es ist also gut möglich, dass in diesem buchhalterischen Chaos eine Menge Rubel „versickert“ sind und Subventionen veruntreut wurden. Das würde dem Prozess eine andere „Farbe“ geben. Was Fakt ist, wissen wir sonst nicht. Alles andere ist reine Spekulation.
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  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Der Artikel erwähnt leider nicht, womit genau sich der Angeschuldigte bei Putin? oder anderen Machthabern unbeliebt gemacht hat.

    Umgekehrt darf man davon ausgehen, dass ein systemkritischer Theaterregisseur in der Schweiz, welcher etwa den Kinderhandel der schweizerischen Scheidungsindustrie, Gerichte, und Parteien, anprangern würde, auch ziemlich schnell von den Fördergeldlisten gestrichen, und faktisch mit Berufsverbot belegt würde.
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    1. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Nützlich ist die Lektüre des ru. Wikipedia Eintrags über ihn. Daraus geht hervor, dass S. bei uns in der liberalen Theaterszene zur Norm gehören würde, wogegen er in der russischen Gesellschaft an der Grenze des Akzeptablen steht. Trotzdem wurde sogar in der SU der Kulturszene eine gewisse Freiheit zugestanden. Ich nehme also eher an dass er gewissen Kreisen so missfiel, dass man ihn aus dem Verkehr ziehen wollte, was aber wegen der grossen Unterstützung für ihn schlussendlich nicht machbar war.
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    2. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Vor allem erwähnt Frau Tschirky den Antisemitismus Faktor nicht, der zur Anklage geführt haben könnte.
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