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Legende: Audio König Abdullah von Jordanien wird mit Ratschlägen kritisiert abspielen. Laufzeit 05:03 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 10.06.2019.
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Thronjubiläum in Jordanien Ein König zwischen Tradition und Zeitenwende

Das Haschemitische Königreich von Jordanien feiert ein Thronjubiläum. Vor 20 Jahren wurde Abdullah, Sohn des 1999 verstorbenen König Hussein, gekrönt. Auf dem internationalen Parkett sind König Abdullah und seine Frau Rania ein illustres Paar. Daheim überschatten Probleme ihren Glanz.

Die Krönung des 37-jährigen Berufsoffiziers Abdullah war eine Überraschung. Denn man hatte damit gerechnet, dass Prinz Hassan zum Zug kommen würde, sein Onkel.

Modernisierer der Wirtschaft

Warum die Krone nicht an den Bruder des sterbenden Königs Hussein ging, sondern an dessen ältesten Sohn – darüber ranken sich bis heute Gerüchte.

Jordanisches Königspaar auf Porträtfoto
Legende: Ein Bild des Königspaares Abdullah II und Rania, das ein Händler im Stadtzentrum Ammans in sein Schaufenster geklebt hat. SRF/Susanne Brunner

König Abdullah modernisierte Jordaniens Wirtschaft. Wachstumsraten von jährlich acht Prozent prägten seine ersten zehn Jahre als König. 2011 war damit Schluss. Der Arabische Frühling und der Krieg in Syrien, und die Aufnahme von anderthalb Millionen Flüchtlingen beendeten den Wirtschaftsboom jäh.

Kampf gegen Korruption - Appell an den König

Acht Jahre Krise haben den einfachen Leuten zugesetzt. Anas Shbeilat und seine Arbeiter-Kollegen kommen jede Nacht ins gleiche Kaffeehaus im Stadtzentrum, um zu politisieren. «20 Jahre schon? Ich hoffe, der König bleibt 40 Jahre,» lacht er.

Kritik am König steht in Jordanien unter Strafe. Unkritisch sind die Männer am Stammtisch trotzdem nicht. Sie wünschen König Abdullah zuerst alles Gute zum Thronjubiläum. Und sagen ihm dann, wie er bei seinem Volk noch beliebter werden könnte: «Ginge der König gegen die Korruption vor, würden die Leute sein Bild aus Dankbarkeit an jeder Strassenecke aufhängen!»

Mangelnde Hilfe bei Flüchtlingsbetreuung

Proteste gegen Korruption und hohe Steuern zwangen König Abdullah vor einem Jahr, seinen Premierminister auszuwechseln. Im Ausland verspricht er Reformen, wenn er dafür Geld bekomme. Er bietet sich im Ausland auch als engagierten muslimischen Partner im Kampf gegen den islamistischen Extremismus an.

König Abdullah und Trump
Legende: Bereits im April 2017 war der jordanische König zu Gast beim neu gewählten US-Präsidenten. Keystone

In erster Linie sei der Kampf gegen den IS Aufgabe der muslimischen Länder, sagt der König immer wieder. Aber die Bedrohung sei global, und Jordanien brauche mehr Unterstützung. Besonders bei der Flüchtlingsbetreuung.

Nicht in den Syrienkrieg gezogen - «Dank dem König»

In Jordanien führten weder der Arabische Frühling noch die Aufnahme von rund anderthalb Millionen Flüchtlingen zu Gewalt. Trotz miserabler Wirtschaftslage. Die Arbeiter am Stammtisch in Amman sind dem König dafür dankbar. «Wir sind aber auch ein friedliebendes Volk», sagt Anas Shbeilat.

Sein Kollege Ra'ad Rbeihat preist nochmals die Weisheit des Königs. »Dank dem König sind wir nicht in den Syrienkrieg hineingezogen worden», sagt Rbeihat.

Sie wissen, wie sehr der König unter Druck ist:

  • Die hohe Staatsverschuldung.
  • Der angekündigte US-Nahostplan für den Israel-Palästina-Konflikt, der in Jordanien jetzt schon für Unmut sorgt.
  • Die Saudis, die jetzt direkt mit Israel verhandeln, und damit seine Position als Vermittler schwächen.
  • Gerüchte von einem Komplott gegen den König.

«Wir brauchen mehr Mitsprache und Demokratie»

«Hartes Brot kann man besser schlucken, wenn man Wasser dazu trinkt», sagt Shbeilat. Und meint damit: der König beschönige die schlechten Nachrichten, damit sie sein Volk eher schlucken könne.

Die beiden zeigen auf ihr Smartphone. Der Zugang zu Informationen sei freier als früher, sagen sie. «Wir brauchen aber mehr Veränderungen, mehr Mitsprache, mehr Demokratie.» Im Ernstfall stünden sie aber voll und ganz hinter ihrem König, beteuern sie.

Passantinnen vor Bild des Königs.
Legende: Das Bild des Königs ist in Jordanien überall zu sehen, wie hier an der Rainbow Street in Amman. SRF
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2 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Weber  (Weberson)
    Ein interessanter Bericht, bei dem vor allem eines heraussticht: Der arabische Frühling und vor allem verstärkt der Syrienkrieg hat die Region in und um Nordafrika sowie im nahen Osten massiv geschwächt. Die Auswirkunken sind bis Europa spürbar. Jeder kriegstreibende oder unterstützende Staat soll sich am Wiederaufbau beteiligen und mindestens die mit Waffenverkäufen gewonnene Summe in die Stabilisierung und Entwicklung der Region in und um Syrien stecken.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Der sog. "Arabische Frühling", von den Deutschen und deutschlandfreundlichen Journalisten als "Aufbruch in die Demokratie" gefeiert, hat letztendlich nur Tod und Verwüstung gebracht. Nicht zuletzt spielte der Linke Friedensnobelpreisträger und vormalige US-Präsident Obama (Unterstützung der Schiiten im Irak) wie auch Abdullah (Finanzierung der Sunniten im Irak) unrühmliche Rollen, was das Emporkommen des IS in Syrien und im Irak betraf.
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