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Kein Gedenkanlass in Hongkong: Politisch motiviert?
Aus HeuteMorgen vom 04.06.2021.
abspielen. Laufzeit 11:38 Minuten.
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Tiananmen-Jahrestag Trauerspiel statt Gedenkfeier

Die jährliche Gedenkfeier in Hongkong an das Massaker auf dem Tiananmen-Platz in Peking hat Tradition. Mit Kerzen, Transparenten und Schweigeminuten gedenken die Hongkongerinnen und Hongkonger seit über drei Jahrzehnten den damaligen Ereignissen in Peking. Während das Thema auf dem chinesischen Festland tabu ist und zensuriert wird, war der Gedenktag in der Sonderverwaltungszone Hongkong möglich.

Im vergangenen Jahr dann liessen die Behörden die Veranstaltung verbieten – offiziell wegen Corona. Tausende liessen sich nicht davon abhalten und gingen trotzdem auf den Platz im Victoria Park und zündeten Kerzen an.

Kritik an Machthabern

Dieses Jahr wollen die Behörden dies mit einem Grossaufgebot verhindern. Eine wichtige Organisatorin der Gedenkfeier, die bekannte Aktivistin und Anwältin Chow Hang-tung, wurde bereits am Freitagvormittag festgenommen.

Damit sollen auch gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger abgeschreckt werden, gar nicht erst auf den Platz zu gehen. Denn der Hongkonger Regierung und der Regierung in Peking war die Veranstaltung schon lange ein Dorn im Auge. Sie würde die Gedenkveranstaltung wohl am liebsten für immer abschaffen.

Teil der Hongkonger Identität

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drücken mit der jährlichen Gedenkfeier auch ihre Unzufriedenheit gegenüber der chinesischen Regierung aus. Die Kundgebung wurde Teil einer Hongkonger-Identität, mit der die Bewohner der Stadt den Unterschied zum restlichen China markierten, wo das Tiananmen-Massaker zensuriert wird.

Auch wenn das jährliche Kerzenmeer im Victoria Park verboten wurde, die Erinnerungskultur kann die Regierung damit nicht auslöschen. So haben viele Hongkongerinnen und Hongkonger einfach bei sich zu Hause eine Kerze angezündet, Studentinnen und Studenten haben vor einem bekannten Monument Blumen niedergelegt: im Gedenken an die Opfer und aus Protest gegen die Regierung.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF4 News, 04.06.2021, 04:00 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Die Erklärung: ein typisches Merkmal von Diktaturen ist dass sie die Geschichte neu schreiben möchten und zwar so dass Dinge die nicht in ihr Weltbild passen, die ihr Image, ihren Ruf schädigen ausradiert werden.
    In diesem Fall soll die Unterbindung von Gedenkfeiern helfen das Geschehen langsam aber sicher bis zum Verschwinden verblassen zu lassen,
  • Kommentar von Marco D'Ercole  (Marco D)
    Was bzw. wer hindert uns daran uns mit den Opfern dieser Tragödie zu solidarisieren?
    Für Floyd gingen tausende +/- überall auf der Welt auf die Strassen.
    Warum tun wir das für die Uiguren, Tibeter, Kasachen und die Tianamen-Opfer nicht auch so?
    Was hindert uns daran uns auch für diese bedrängten Menschen einzusetzen? Wir können und dürfen das!
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Hongkong war der einzige Teil Chinas, wo noch des Tiananmen-Massakers von 1989 in Peking gedacht wurde. Jetzt ist das dort auch verboten.Dies waren nicht die einzigen Verbrechen die China begann. Denken wir and Uriguren. Menschenrechtsverletzungen, Freiheitsberaubung usw. Unverständlich, dass der Westen weiterhin Handel mit den Chinesen treibt. Der müsste stark eingeschränkt werden, bis China sich demokratischer verhält. China versteht nur die Sprache des Geldes. Mehr Unabhängigkeit im Westen.