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Jubel auf der Strasse nach Schuldspruch
Aus SRF News vom 21.04.2021.
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Tod von George Floyd Reaktionen auf Urteil: Jubelrufe am Ort des Grauens

Für einen Moment war es ganz still, als Hunderte von Menschen auf der Kreuzung an der 38th Street und Chicago Avenue in Minneapolis standen. Sie hatten sich am Tatort von George Floyd versammelt, um das Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Polizeibeamten zu hören, der für seinen Tod verantwortlich ist.

«Sie verkünden das Urteil!», rief jemand und bat um Ruhe.

Dann erfüllte donnernder Jubel den Ort, an dem George Floyd vor fast einem Jahr unter dem Knie eines Polizisten eingeklemmt war und um Luft bettelte. Viele Menschen weinten. Einige schluchzten.

Jubelnde Menschenmenge
Legende: In Minneapolis gab es am Ort, wo George Floyd starb, Jubelrufe nach dem Schuldspruch des Mordes. Reuters

Ein Ansatz von Gerechtigkeit

Auf dem Platz, der jetzt als George-Floyd-Platz bekannt ist und den Millionen auf der ganzen Welt in Videos gesehen haben, herrschte Erleichterung. Auch Venisha Johnson sprang vor Freude, als sie die Urteile hörte.

Ich habe jeden Tag für George gebetet.
Autor: Venisha Johnson

Minuten später konnte sie kann sie kaum noch sprechen, so sehr weinte sie. «Es bedeutet mir so viel», sagte Johnson, die eine Maske trug, die an einige von Floyds letzten Worten erinnerte: Ich kann nicht atmen. «Ich habe jeden Tag für George gebetet, jeden Morgen um 6 Uhr», sagte sie.

Menschen stehen um Memorium in Minnesota
Legende: Menschen versammelten sich nach dem Schuldspruch an der Kreuzung bei Cup Foods. Es war der Lebensmittelladen, wo Angestellte am 25. Mai die Polizei gerufen hatten, weil Floyd Zigaretten mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt hatte. Reuters

Am frühen Abend wird der Platz eine Szene des Feierns, des Gebets und der Erleichterung der Gemeinschaft. Mehr und mehr Menschen strömten herbei. Der 17-Jährige Chris Gober brachte seinen jüngeren Bruder mit, um darüber zu sprechen, wie schwarze Männer von der Polizei bedroht werden können.

Das Urteil ist der Anfang einer Veränderung.
Autor: Chris Gober

«Passt auf euren Rücken auf. Pass auf alles auf, was du tust», sagte er dem 7-Jährigen. Aber Gober sagte auch, das Urteil sei «ein Anfang einer Veränderung» für eine Bewegung für Rassengerechtigkeit.

Institutionalisierte Diskriminierung geht alle an

Für diejenigen, die sich am Dienstag versammelt hatten, war es zumindest ein Anfang von Gerechtigkeit. Strafrechtliche Verurteilungen von Polizeibeamten sind ausserordentlich selten.

Kinder halten Schilder auf
Legende: «We finally can breathe»: Für diejenigen, die sich am Dienstag versammelt hatten, war es zumindest der Anfang von Gerechtigkeit. Reuters

Nach der Verkündung des Urteils kündigte demnach auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris Reformen an, um strukturellen Rassismus in den USA zu überwinden. Die institutionalisierte Diskriminierung sei nicht nur ein Problem des schwarzen Amerikas oder anderer Minderheiten, sagte Harris am Dienstagabend im Weissen Haus im Beisein von Biden, der sich im Anschluss äusserte.

Biden: Schandfleck der Nation bleibt

Der US-Präsident rief eindringlich zu einem weiteren Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt auf. Struktureller Rassismus sei «ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation», sagte er. Man dürfe nach dem Schuldspruch nicht wegschauen und denken, «unsere Arbeit ist getan.»

Auch der frühere US-Präsident Barack Obama forderte nach dem Schuldspruch ein tiefgreifendes Umdenken und Reformen. «Wahre Gerechtigkeit erfordert, dass wir die Tatsache einsehen, dass schwarze Amerikaner anders behandelt werden, jeden Tag», erklärte Obama auch im Namen seiner Frau Michelle.

Beamte nur äusserst selten wegen Mordes angeklagt

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Strafrechtliche Verurteilungen von Polizeibeamten sind ausserordentlich selten. Seit 2005 gab es in den USA Tausende von Polizeischiessereien, aber weniger als 140 Beamte wurden wegen Mordes oder Totschlags angeklagt, so der Kriminologe Phil Stinson. Vor Dienstag wurden nur sieben wegen Mordes verurteilt.

SRF 4 News, 21.4.2021; 7 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Äusserst bedenklich was zu diesem Thema an Kommentaren abgesondert wird.....!
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    "Man dürfe nach dem Schuldspruch nicht wegschauen und denken, «unsere Arbeit ist getan.»"

    Eine einheitliche Ausbildung/Ausbildungsplan über alle Staaten/Countys wäre ein guter Anfang.
    So auch eine strenge Kontrolle bei der Auswahl. So dass man gewaltbereite Rassisten schon gar nicht zu Polizisten ausbildet.

    Solange in denn Staaten unterschiedliche Gesetze den Umgang mit Polizeitötungen regeln, wird es keinen richtigen Fortschritt in den USA geben.
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Vor einer Woche wurde Poliziei-Untersuchung der Tötung von Ashli Babbitt durch Schüsse eines Polizisten, die am 6. Januar unbewaffnet durch ein zuvor von anderen zerschlagenes Fenster des Kapitols geklettert ist, stillschweigend eingestellt, ohne dass je Anklage erhoben und entsprechende Justizuntersuchung eingeleitet wurde.
    1. Antwort von Ulrich Meier  (neutrinos)
      Dieses Urteil gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt ist leider die Ausnahme, nicht die Regel. Rassismus ist ein Geschwür, das ausgemerzt werden muss, überall. Rassismus ist auch hier, mitten unter uns. Oder erwähnen Sie das im Sinne von DT? Wenn jemand mit dem Mob das Kapitol stürmt, ist das eine schlechte Idee.
    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Es steht im Artikel geschrieben, dass Polizisten in den USA bei Schießereien selten zur Verantwortung gezogen werden. Zudem ist es ein Unterschied, ob man einen Wehrlosen tötet oder beim Angriff aufs Capitol. Dort mussten die Polizisten zumindest die sich im Capitol befindenden Menschen vor dem Mob schützen.
    3. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Planta: die eine Verurteilung und die andere Beschönigung scherbelt ziemlich schwer…
    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Zeiner: sie wollen diese beiden Taten auf die gleiche Ebene setzen. Ob sie damit die Tat von Chauvin verniedlichen wollen? Ich denke schon.
    5. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      ZeN - Albert Plantas Beitrag scherbelt nicht (was auch immer Sie damit meinen), er ist differenziert.
    6. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Zeiner: Herr Planta und Frau Saam haben recht. Und ich finde es beschämend, wie Sie immer wieder die Geschichte hier (Mord an Floyd) beschönigen bzw verharmlosen.